In Gesellschaften, welchen eine binäre Konzeption von weiblichem und männlichem Geschlecht zugrunde liegt, spielen Verhaltensformen und äußere Merkmale wie Kleidung, Haartracht und Schmuck für die geschlechtsspezifischen Sozialisierung eine große Rolle. Dabei wird erwartet, dass die für ein Geschlecht sozial definierten äußeren Zeichen im Laufe des Lebens beibehalten werden. Eine Übertretung dieses religiösen und gesellschaftlichen Gesetzes, das „aus der Rolle-Fallen“, wurde oft schwer bestraft. Dabei gab es immer wieder Menschen, die aus verschiedensten Beweggründen die Kleidung des anderen Geschlechts – und damit eine andere Identität – annahmen: Frauen, die sich als Matrosen oder Soldaten ausgaben oder Männer, die sich durch das Tragen von Frauenkleidern Maskulinitätskonzepten ihrer Zeit widersetzten. Erlaubt war ein solcher Kleidertausch aber nur zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Kontexten, wie dem Karneval oder auf dem Theater, wobei Männern mehr Freiheiten zugestanden wurde als Frauen. Der Vortrag soll die Geschichte und Ästhetik des verkleideten Geschlechts von der frühen Neuzeit bis heute an repräsentativen Beispielen beleuchten.

Gerrit Berenike Heiter arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Ritualdesign für die Ballettbühne“ unter der Leitung von Dr. Hanna Walsdorf am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig. Im Teilprojekt „Vestimentäre Gestaltungen“ forscht sie zu Bühnenkostümen im 17. und 18. Jahrhundert. Ihr Dissertationsprojekt an der Universität Wien umfasst eine Vergleichsstudie, welche sich sowohl mit dem französischen Hofballett im 16. und 17. Jahrhundert als auch mit jenem der österreichischen Habsburger im 16. und 17. Jahrhundert beschäftigt.

In ihrer künstlerischen Tätigkeit als Schauspielerin, Tänzerin und Pädagogin hat sie sich auf Körper- und Maskentheater, Commedia dell’arte, Barocktheater und historischen Tanz spezialisiert. Neben der Mitwirkung in barocken Musiktheaterprojekten ist sie im Rahmen zeitgenössischer Stücke zu sehen, welche an der Schnittstelle zwischen Tanz, Musik, Performance und Theater stehen.

 

Mit freundlicher Unterstützung von MUSEUM & LOCATION.

Die Veranstaltung wird seit 2003 von der Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek durchgeführt.

Travestie – Kleidertausch der Geschlechter. Mit Gerrit Berenike Heiter, Leipzig

Vortragsreihe Mode Thema Mode

Vortragsreihe

Angebote für: Erwachsene
Termin: Mi 12.12.2018 18:00 Uhr - 20:00 Uhr
Ort: Kulturforum
Treffpunkt: Vortragssaal im Kulturforum
Kosten: kostenfrei
Anmeldung: nicht erforderlich
Sammlung: Kunstbibliothek
Veranstaltungsreihe: MODE Thema MODE

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