Zwischen kolonialer Aneignung und ‚wissenschaftlichem (Anti-)Rassismus'
Als langjähriger Direktor der Afrika- und Ozeanien-Abteilung des Berliner „Museums für Völkerkunde“ und Lehrstuhlinhaber für physische Anthropologie an der Berliner Universität war Felix von Luschan für die Aneignung zahlreicher Objekte und menschlicher Überreste aus kolonialen Kontexten verantwortlich. Ohne sein Agieren wären Objekte wie die Benin-Bronzen und das Luf-Boot nicht in die Berliner Sammlung gelangt. Aus guten Gründen steht er daher im Fokus heutiger Debatten über Restitution und die kritische Auseinandersetzung mit kolonialen und rassistischen Wissenschaftstraditionen. Felix von Luschan war jedoch eine widersprüchliche Figur: Er war zu-gleich ein entschiedener Gegner völkisch-antisemitischer Rassentheorien und stellte zentrale Paradigmen der zeitgenössischen „Rassenwissenschaften“ in Frage. Anhand ausgewählter Objekte und Fotografien beleuchten die Historiker Felix Wiedemann und Patrick Helber in der Führung nicht nur die komplexe Figur Felix von Luschan, sondern auch die Ambivalenzen eines „wissenschaftlichen Antirassismus“ im frühen 20. Jahrhundert.