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Zwei Leihgaben aus der Nivaagaards Malerisamling in der Gemäldegalerie zu sehen

31.05.2021
Gemäldegalerie

In Rahmen der Kooperation zwischen der Gemäldegalerie und der dänischen Nivaagaards Malerisamling in Nivå wird das „Porträt von Bianca Ponzoni“, Mutter der Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola (Kat. Nr. 1705), Teil der monographischen Ausstellung in 2022 über die Künstlerin aus der Lombardei sein. Im Austausch sind von Mai bis Oktober 2021 zwei Werke aus dem dänischen Museum in der Gemäldegalerie zu sehen. Dies ist zum einen das berühmte „Familienporträt“, das Sofonisbas Vater Amilcare Anguissola begleitet von Tochter Minerva und Sohn Asdrubale zeigt. Zum anderen handelt es sich um das „Porträt einer alten Frau“, das bisweilen als Selbstporträt Sofonisbas interpretiert wurde und aus dem Umkreis der Künstlerin stammt.

Die Nivaagaard Malerisamling

Die Nivaagaards Malerisamling war ursprünglich die Privatsammlung des Politikers, Händlers und Landbesitzers Johannes Hage (1842–1923). Er gründete die Kunstsammlung zwischen 1895 und 1905. Sie umfasste Werke der Renaissance und des Barock sowie von dänischen Malern des 19. Jahrhunderts. Hages kleine, aber hervorragende Sammlung von Alten Meistern wurde dank der Empfehlungen von namhaften Kunsthistorikern wie Karl Madsen, Gustavo Frizzoni und Cornelis Hofstede de Groot eingerichtet. Sie umfasst Werke von Lucas Cranach, Bernardino Luini, Giovanni Bellini, Lorenzo Lotto, Cima da Conegliano, Paris Bordon, Bonifazio Veronese, Giuliano Bugiardini, Ferdinand Bol, Rembrandt, Gerard Dou, Gerard ter Borch, Jan Steen, Meindert Hobbema, Gabriel Metsu, Jacob van Ruisdael, Salomon van Ruysdael, Cornelis de Vos, Jan van Goyen, Aert van der Neer, Adriaen van de Velde, Philips Wouwerman und Claude Lorrain. 1908 machte Johannes Hage seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Das Museum wurde 1983 als staatliche Einrichtung anerkannt.

Die erfolgreiche Portraitmalerin Sofonisba Anguissola

Sofonisba Anguissola (1532 Cremona – nach dem 12. Juli 1629 Palermo) war eine der erfolgreichsten Porträtmalerinnen des 16. Jahrhunderts. Ihre Mutter stammte aus einer adligen, jedoch nicht aus einer Künstlerfamilie, wie es seinerzeit für Malerinnen üblich war. Zusammen mit ihrer Schwester Elena besuchte Sofonisba die Werkstatt des Malers Bernardino Campi, danach diejenige von Bernardino Gatti in Cremona. 1559 wurde die 27-jährige von Philipp II. an den spanischen Hof eingeladen, um sich als Porträtmalerin, Gesellschafterin und Kunstlehrerin der jungen Königin Isabel de Valois zu betätigen.

1571 heiratete Sofonisba den sizilianischen Edelmann Fabrizio di Moncada aus Palermo und verließ den Madrider Königshof. Nach Moncadas Tod im Jahr 1579 heiratete die Malerin den Genueser Schiffskapitän Orazio Lomellini (1584–1625) und verbrachte anschließend einige Jahrzehnte in der Großstadt Liguriens. Den letzten Abschnitt ihres langen Lebens verbrachte Sofonisba wiederum in Palermo, wo sie, fast hundertjährig und blind, von dem berühmten Künstler Anton van Dyck (1599 – 1641) besucht wurde.

Faszinierende Wiedervereinigung der Meisterwerke

Das Bildnis der Mutter der Künstlerin kam 1913 in die Sammlung der Berliner Gemäldegalerie. Es ist zwar signiert und auf 1557 datiert, wird aber nicht in den Quellen erwähnt.

Im Gegensatz dazu wurde das „Familienporträt“ mit Sofonisbas Vater, ihrer Schwester Minerva und dem Bruder Asdrubale bereits von Giorgio Vasari (1511 – 1574), dem Wegbereiter der modernen Kunstgeschichte, ausführlicher beschrieben und hoch gelobt. Vasari kam 1566 nach Cremona in der Absicht, die Werke von Sofonisba im Hause Amilcare Anguissolas zu bewundern. Sofonisba hatte Cremona 1559 Richtung Spanien verlassen, so dass das unvollendete Werk zwischen 1558 und 1559 zu datieren ist. Auch das dargestellte Alter des 1551 geborenen Asdrubale spricht für diese Einordnung.