Veranstaltung „Pop-Up Fotofilm Masterclass“ im Museum für Fotografie vom 1. bis 3. September 2021

19.08.2021
Museum für Fotografie

Fotofilme sind Filme, die im Wesentlichen aus stillstehenden Fotografien bestehen. Fotos im kinematographischen Kontext erzeugen eine filmische Erfahrung. Das Medium Film wird in Fotofilmen in seine Bestandteile zerlegt. Fotofilmautor*innen experimentieren mit dem Verhältnis von Sprache, Ton und Bild, sie reflektieren über die Eigenschaften des Kinematographischen. In der dreitägigen Veranstaltung „Pop-Up Fotofilm Masterclass“ zum Fotofilm als experimentellem Labor werden vom 1. bis 3. September 2021 drei aktuelle künstlerische Positionen im Museum für Fotografie präsentiert.

Seit 2000 erforschen Gusztáv Hámos und Katja Pratschke (Berlin) mit ihren fotofilmischen Arbeiten, was das Stillbild vom Bewegungsbild unterscheidet und welche Konsequenzen die Phasenbildaufzeichnung des Kinos für unsere Wahrnehmung von Zeit, Raum und Bewegung hat.

Miranda Pennell (London) arbeitet in ihren Videos mit Fotografien aus Kolonialarchiven und persönlichen Alben, um Zeit unterschiedlich erfahrbar zu machen und unser Verhältnis zur Vergangenheit zu hinterfragen. Sie zeigt Wege auf, wie das Stillbild, wenn es sich dem Bewegtbild verbindet, helfen kann, sich besser mit problematischen Geschichten auseinanderzusetzen.

Die Vorstellung, dass Fotografie wie auch Film von einander abgegrenzte Kategorien sind, zerlegt Sarah Pucill und demonstriert dies exemplarisch anhand ihrer foto-filmischen Auseinandersetzung in Verbindung mit Performance, Skulptur und Malerei.

Moderiert wird die Veranstaltung von Gusztáv Hámos, Katja Pratschke und Thomas Tode, die seit 2006 Filmreihen und Symposien im In- und Ausland zum Stillbild im kinematografischen Kontext kuratieren. Sie sind Herausgeber*innen der Publikation Viva Fotofilm bewegt/unbewegt (2010, Schüren Verlag Marburg).

Informationen zur Veranstaltung

Veranstaltungsort: Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, 10623 Berlin

Für die Teilnahme an der Veranstaltung im Museum für Fotografie ist auf Grund der aktuellen Hygieneregeln eine Anmeldung vorab bis zum 28. August 2021 erforderlich: mf@smb.spk-berlin.de. Die Teilnahme ist nur unter Vorlage der Anmeldebestätigung möglich.

Die im Rahmen der Masterclass präsentierten Filme in Gesamtlänge können vom 30. August bis 5. September 2021 online gesichtet werden, während der Masterclass werden nur Ausschnitte gezeigt.

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Sie wird aufgezeichnet und zusätzlich live gestreamt. 

In Kooperation mit Concrete Narrative Society e.V. und der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin

Mit freundlicher Unterstützung von Neustart Kultur und der Stiftung Kunstfonds Bonn

Masterclass-Programm

1. September 2021

  • 15 bis 16.15 Uhr: Gusztáv Hámos, Katja Pratschke, live vor Ort: Gusztáv Hámos und Katja Pratschke stellen ihr Archivprojekt Sampling Cities (2012-19) vor und sprechen über un/archivalische Gesten sowie die Konfrontation mit dem Standbild im kinematografischen Kontext.
  • 16.45 bis 18 Uhr: Miranda Pennell, zugeschaltet aus London: Über das Zusammenspiel von persönlichen und kollektiven Geschichten in ihrem Film „The Host“ (2015) sowie über die Rolle der Künstlerin in der von ihr ‘gemachten’ Geschichte denkt Miranda Pennell im ersten Teil ihrer Masterclass nach.

2. September 2021

  • 15 bis 16.15 Uhr, Miranda Pennell, zugeschaltet aus London: Miranda Pennell reflektiert ausgehend von ihrer Videoarbeit „Strange Object“ (2020) über die Herausforderung der Dekonstruktion von Bildern und Sprachen der Gewalt. Sie beschreibt Science-Fiction als Hilfsmittel für die Imagination der Vergangenheit sowie über die Verwendung von Sprache, Stimme und Bild/Wort-Beziehungen, um zu verstehen, was nicht gesagt oder gezeigt wird.
  • 16.45 bis 18 Uhr, Sarah Pucill, zugeschaltet aus London: Anhand ihrer frühen Filme - von „You Be Mother“ (1990) bis hin zu „Phantom Rhapsody“ (2010) demonstriert Sarah Pucill, wie das Stillbild im Film in ihren Arbeiten vertikal wirkt und so als unterbrechende Kraft innerhalb der kontinuierlich fortschreitenden filmischen Zeit fungiert. Und wie diese Unterbrechung des horizontalen Flusses mit Bergsons These von Zeit als Dauer zusammenhängt, mit dem unbewegten Bild als ‘erinnerten’ und somit vertikalen Moment.

3. September 2021

  • 15 bis 16.15 Uhr, Sarah Pucill, zugeschaltet aus London: Für ihre Filme „Magic Mirror“ (2013) and „Confessions to the Mirror“ (2016) re-inszenierte Sarah Pucill Fotografien der surrealistischen Künstlerin Claude Cahun. In der Masterclass reflektiert sie darüber, wie das Tableau vivant das Foto als eine in der Zeit andauernde Pose nachahmt. Dadurch wird das Foto erinnert, wobei sich unterschiedliche Zeiten begegnen. Es stellt sich die Frage wie wir mit Geschichte(n) umgehen.
  • 16.45 bis 18 Uhr, Gusztáv Hámos, Katja Pratschke, live vor Ort: Gusztáv Hámos und Katja Pratschke sprechen anhand ihrer Arbeit „Rope (A Dead Man's Dream)“ (2016), einer Rekonstruktion der Kurzgeschichte „An Occurrence at Owl Creek Bridge“ von Ambrose Bierce, über die stratigrafische Qualität eines Filmbildes und das Prinzip der Chronofotografie, die die Aufzeichnung von Bewegungsabläufen in Phasenbildern ermöglicht und Prozesse sichtbar macht, die dem menschlichen Auge bis dahin verborgen geblieben waren.