Ruth Wolf-Rehfeldt wird mit dem Hannah-Höch-Preis ausgezeichnet und Farkhondeh Shahroudi erhält den Hannah-Höch-Förderpreis 2022

22.12.2021
Kupferstichkabinett

Ruth Wolf-Rehfeldt wird mit dem Hannah-Höch-Preis 2022 ausgezeichnet und Farkhondeh Shahroudi erhält den Hannah-Höch-Förderpreis 2022. Beiden Künstlerinnen werden im November 2022 mit Sonderausstellungen im Kupferstichkabinett gewürdigt.

Hannah-Höch-Preis 2022 für Ruth Wolf-Rehfeldt

Die seit mehr als 70 Jahren in Berlin lebende Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt (* 1932, Wurzen) wird mit dem Hannah-Höch-Preis 2022 für ihr umfangreiches Oeuvre geehrt, das sowohl Gemälde, Zeichnungen und insbesondere von 1972 bis 1989 entstandene Schreibmaschinengrafiken umfasst. Mit den Grafiken und dem Mail Art-Programm, an dem Ruth Wolf-Rehfeldt aktiv partizipierte, nahm sie Kontakt zu Künstler*innen außerhalb der DDR auf und baute ein umfangreiches Kommunikationsnetz auf, das sich um den gesamten Globus spannte. Mitunter bat Ruth Wolf-Rehfeldt die Adressat*innen ihrer Typewritings, diese künstlerisch zu erweitern, sodass kollaborative Collagen entstanden, die eine Spur zu Hannah Höch legen und die Künstlerinnen über Jahrzehnte und Ländergrenzen hinweg miteinander verbinden.

Obwohl Wolf-Rehfeldts Typewritings mehr als 30 Jahre alt sind, sind sie hochaktuell. Sie verhandeln den Wandel der Kommunikationsmedien und ihrer Netzwerke, die globale Kommunikation mit und ohne Grenzen und sie stellen die Frage, nach dem Wert von Information – man denke an heutige Debatten um Fake News und Zensur. Es ist diese Aktualität, die neben der bisher ausgebliebenen Ehrung der Künstlerin in ihrer langjährigen Heimatstadt Berlin für die Nominierung zum Hannah-Höch-Preis 2022 sprach, dem Jahr, in dem Ruth Wolf-Rehfeldt ihren 90. Geburtstag feiern wird.

Über den Hannah-Höch-Preis

Der Hannah-Höch-Preis wird seit 1996 von der Kulturverwaltung des Berliner Senats für ein herausragendes künstlerisches Lebenswerk verliehen. Der Preis ist zu Ehren der Künstlerin Hannah Höch (1889–1978) benannt, die mit ihrem Werk als Dadaistin internationale Berühmtheit erlangte.

Ausgezeichnet werden Künstler*innen mit Lebens- und Arbeitsschwerpunkt in Berlin, die durch eine kontinuierliche künstlerische Leistung hervorstechen. Der Preis umfasst neben einem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro eine Ausstellung sowie eine Publikation.

Die Auswahl der Preisträger*innen erfolgt durch die Förderkommission Bildende Kunst der Kulturverwaltung des Berliner Senats, in der außer dem Kupferstichkabinett auch die Berlinische Galerie, das Georg Kolbe Museum, der Neue Berliner Kunstverein und die Stiftung Stadtmuseum vertreten sind.

Hannah-Höch-Förderpreis 2022 für Farkhondeh Shahroudi

Mit dem Hannah-Höch-Förderpreis 2022 wird Farkhondeh Shahroudi (* 1962, Teheran) ausgezeichnet. Nicht weniger poetisch und politisch als Ruth Wolf-Rehfeldts Werk gibt sich die künstlerische Arbeit Shahroudis, in der Zeichnungen, Gedichte und Sprache einen wesentlichen Anteil bilden. Die Linie, aus der sich Zeichen und Worte – unabhängig von der jeweiligen Sprache – fügen, springt bei Shahroudi über in den Faden, der ihre aus Stofffragmenten genähten Skulpturen zusammenschließt.

Dreidimensionale Collagen wie auch Arbeiten im Öffentlichen Raum und Performances ergänzen Shahroudis zeichnerisches und poetisches Werk, dessen Fülle und Vielschichtigkeit die Jury überzeugt und dazu bewogen hat, der seit vielen Jahren in Berlin lebenden Künstlerin den Hannah-Höch-Förderpreis 2022 zuzusprechen.

Über den Hannah-Höch-Förderpreis

Mit dem Hannah-Höch-Förderpreis würdigt das Land Berlin das bisherige Werk einer Berliner Künstlerin und unterstützt deren künstlerische Entwicklung in der Mitte ihrer Karriere. Der Preis wird von der Kulturverwaltung des Berliner Senats im Abstand von zwei Jahren gemeinsam mit dem Hannah-Höch-Preis verliehen. Der Förderpreis umfasst ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro sowie eine Ausstellung mit Publikation.

Über die Auswahl entscheidet eine unabhängige Jury, die aus einem Mitglieder der Förderkommission Bildende Kunst der Kulturverwaltung des Berliner Senats sowie aus zwei freien Jurymitgliedern, welche die Kulturverwaltung benennt, besteht. Die diesjährige Jury bildeten Jenny Graser (Kupferstichkabinett), Willem de Rooij (Künstler und Professor an der Städelschule, Frankfurt am Main) und Hilke Wagner (Direktorin des Albertinums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden).

Sonderausstellungen im November 2022 im Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett widmet beiden Künstlerinnen vom 2. November 2022 bis 5. Februar 2023 parallel zwei Einzelausstellungen in seinen Ausstellungsräumen am Kulturforum. Ruth Wolf-Rehfeldts Schreibmaschinenarbeiten werden in Dialog mit Werken aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts von u. a. Robert Barry, Peter Roehr und Gert und Uwe Tobias gesetzt. Organisch daran anknüpfend geht die Ausstellung Farkhondeh Shahroudis mit Zeichnungen und Skulpturen in den dreidimensionalen Raum über.

Die Preisverleihung sowie die Eröffnung beider Ausstellungen ist für den 1. November 2022, 18 Uhr geplant.