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Restitution einer Zeichnung aus dem Kupferstichkabinett

19.03.2019
Kupferstichkabinett

Vor wenigen Tagen wurde eine Zeichnung des Romantikers Carl Philipp Fohr aus dem Kupferstichkabinett an die Erben des früheren Eigentümers Karl Mayer restituiert. Die Herkunft des Werks war bei Recherchen im Rahmen des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Provenienzforschungsprojektes zur „Sammlung der Zeichnungen“ geklärt worden. Karl Mayer war bereits im Januar 1933 emigriert und hatte sein Vermögen in der NS-Zeit verloren.

Bei dem Werk handelt es sich um das „Bildnis eines jungen Mannes im deutschen Rock/Bildnis Sigismund Ruhl“ (1764, Feder und schwarze Tusche über Bleistift) des Romantikers Carl Philipp Fohr (Heidelberg 1795 –1818 Rom). Der früh verstorbene Künstler galt als einer der begabtesten seiner Zeit. Nach erstem Unterricht von Georg Wilhelm Issel in Darmstadt hatte er an der Münchener Akademie studiert. Hier hatte er sich mit dem in dem restituierten Porträt dargestellten Kunststudenten Sigismund Ruhl befreundet und von ihm das Malen in Öl erlernt. Sein Studium in München brach er vorzeitig ab und verlegte sein Wirken nach Rom, wo er sich für kurze Zeit dem Kreis der Nazarener anschloss.

Das Blatt, das die Berliner Museen 1941 beim Leipziger Auktionshaus C.G. Boerner erwarben, ist aufgrund des Sammlerstempels auf seiner Rückseite zweifellos der Sammlung von Karl Mayer zuzuordnen. Karl Mayer (Mainz 1894 – 1976 Buenos Aires) betrieb in Darmstadt einen Eisenwarengroßhandel. Da die judenfeindliche Stimmung dort besonders ausgeprägt war, begab er sich noch vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler ins Exil, zunächst nach Persien, dann über die Schweiz und die Kanarischen Inseln nach Argentinien. In seiner Abwesenheit wurde sein Unternehmen in kürzester Zeit für konkursreif erklärt und arisiert. Im Rahmen der Abwicklung des Unternehmens wurde auch die Kunstsammlung Mayers verwertet, die Bücher, Graphiken, Zeichnungen und Uhren umfasste. Mayers Gattin Emmi, selbst Katholikin, blieb mit den beiden Söhnen in Deutschland. Der ältere Sohn konnte 1941 zum Vater auswandern. Der jüngere konnte ihm aufgrund des 1941 erteilten kompletten Auswanderungsverbotes für Juden nicht mehr nachfolgen, überlebte jedoch mit seiner Mutter die NS-Zeit. Er gehört zu der Erbengemeinschaft, an die das Werk nun restituiert wurde.