Bitte beachten Sie die geänderten Öffnungszeiten der Staatlichen Museen zu Berlin seit 16. April 2024. Mehr

Tickets

Neueröffnung des Kaisersaals im Museum für Fotografie

26.05.2010
Museum für Fotografie

Am 26. Mai 2010 feiert die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin die Neueröffnung des glanzvoll erneuerten Kaisersaals im Museum für Fotografie. Dann bespielen wieder zwei Akteure das Museum für Fotografie mit großen Ausstellungen auf insgesamt 2.000 m²: die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek den Kaisersaal im zweiten Obergeschoss und die Helmut Newton Foundation die beiden unteren Etagen mit der seit Jahren erfolgreichen Präsentation "Helmut Newton's Private Property" und den Ausstellungen zum Werk Helmut Newtons und seiner Weggefährten. Mit 650 m² Ausstellungsfläche und neuer Licht- und Klimatechnik ist der Kaisersaal der größte Ausstellungsraum eines Museums für die Fotografie in Berlin. Damit können endlich alle Etagen des Hauses im einstigen Landwehrkasino in der Jebensstraße 2 ganz in Betrieb genommen werden.

Das Museum für Fotografie ist seit Sommer 2004 ein Publikumsmagnet für Fotografiebegeisterte aus aller Welt. Mehr als 700.000 Besucher wurden in den letzten Jahren von den Ausstellungen der Helmut Newton Foundation in ihren Bann gezogen. Großes Interesse fanden ebenso die von der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek gezeigten Positionen zur Fotografie der Gegenwart im damals noch ruinösen Kaisersaal. Aufgrund der Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs konnte der Ballsaal im ehemaligen Offizierskasino der Preußischen Landwehr zunächst nur provisorisch genutzt werden.
Erst der Umbau und die komplette Neugestaltung durch Kahlfeldt Architekten schufen einen Ausstellungsort, der in seiner Gesamtausstattung nun internationalen Standards entspricht. Im Herbst letzten Jahres wurden die Bauarbeiten abgeschlossen - 100 Jahre nach der Eröffnung des Gebäudes in Anwesenheit Kaiser Wilhelm II. am 2. September 1909.

Für die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stellt die Inauguration des Kaisersaals einen historischen Augenblick dar, hatte sie doch hier von 1954 bis zu ihrem Umzug ans Kulturforum 1993 ihren Hauptsitz. Die Kunstbibliothek, kunstwissenschaftliche Fachbibliothek von Weltrang und zugleich Museum zur Geschichte des Grafikdesign, der Architektur und der Mode, gilt seit Beginn des 20. Jahrhunderts als international profilierte Adresse für Fotografie. Sie besitzt eine außergewöhnliche Sammlung zur Fotografie vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Bereits früh hatte sich der erste Gründungsdirektor Peter Jessen (1858-1924) entschieden, Fotografie als Kunst zu sammeln und ihren Kunstanspruch mit Ausstellungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Mai 1910, vor genau einhundert Jahren, eröffnete die Kunstbibliothek mit der Präsentation der Sammlung Juhl ihre erste Ausstellung zur "Geschichte der künstlerischen Fotografie" und entwickelte sich in den Folgejahren zu einer Pioniereinrichtung für Fotografie, an deren Arbeit sie nun anknüpfen kann.
Zugleich ist die Sammlung Fotografie heute das fotohistorische Kompetenzzentrum für die großen Bildbestände der ethnologischen, archäologischen und kunstwissenschaftlichen Museen am Kulturforum, in Berlin-Dahlem und auf der Museumsinsel Berlin. In ihrer medialen Vielfalt bilden diese Sammlungen mit mehr als zwei Millionen Aufnahmen die Basis für einen vertieften Blick auf die Fotografie als universalem Bildmedium in Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft.

In Zukunft wird der Kaisersaal im Museum für Fotografie die Ausstellungsplattform der Kunstbibliothek für vielfältige Perspektiven auf zentrale Themen der Fotografiegeschichte sein. Programmatischer Auftakt ist die Ausstellung "Ein neuer Blick: Architekturfotografie aus den Staatlichen Museen zu Berlin". Im Mittelpunkt steht die Architekturfotografie als die früheste Gattung des Lichtbilds und als Kernbestand der Fotografiesammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin.

Seit 150 Jahren sammeln die Staatlichen Museen zu Berlin Fotografien zur Weltgeschichte der Architektur. In den Beständen befinden sich bedeutende Arbeiten, darunter Blätter berühmter Fotografen von F. August Oppenheim über Eugène Atget und Albert Renger-Patzsch bis zu Candida Höfer, Entdeckungen von unbekannter Hand und technische Raritäten. Es entfaltet sich ein beeindruckendes Panorama verschiedenster Architekturmotive vom Beginn der Fotografie bis heute: Bilder von Bambushütten aus dem Ethnologischen Museum, Aufnahmen von Tempel aus dem Ägyptischen Museum, Fotografien indischer Moscheen aus dem Museum für Asiatische Kunst oder Architekturfotografien der klassischen Moderne aus der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek.
Die Ausstellung bringt diese Kostbarkeiten in Kooperation mit den anderen Häusern der Staatlichen Museen erstmals an das Licht der Öffentlichkeit.

Weitere Kaisersaal-Projekte sind in Vorbereitung. Ausstellungen mit Themenschwerpunkten aus den eigenen Sammlungen werden sich abwechseln mit Sonderausstellungen im Austausch mit nationalen und internationalen Partnern. Im Herbst 2010 wird eine umfassende Schau zur Mikrofotografie gezeigt. Im Jahr 2011 folgt eine Retrospektive zum Lebenswerk des Magnum-Fotografen Erich Hartmann und 2012 eine Ausstellung zum kolonialen Blick der Fotografie im Indien des 19. Jahrhunderts. Parallel wird ein reichhaltiges Programm von Führungen, Vorträgen und Symposien zu den aktuellen Themen der Forschung geboten. Den Anfang macht die mit der Freien Universität Berlin organisierte Vortragsreihe zum Thema "Re-Inszenierte Fotografie" im Juni/Juli 2010. Sie wird ein Forum sein für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit und eine gemeinsame Ideenwerkstatt für künftige Ausstellungsprojekte im Kaisersaal.

Katalog
Ein neuer Blick: Architekturfotografie aus den Staatlichen Museen zu Berlin, herausgegeben von Ludger Derenthal und Christine Kühn, mit Aufsätzen von Ludger Derenthal, Janos Frecot, Simone Förster, Susanne Holschbach, Stefanie Klamm, Kathrin Kohle, Christine Kühn, Barbara Lauterbach, Andrea Lesjak, Kristina Lowis, An Paenhuysen, Miriam Paeslack, Annette Philp.
Hardcover, 416 S. mit 330 Abb., 34,80 Euro im Museum, 49 Euro im Buchhandel
ISBN 978 3 8030 0704 9
Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen und Berlin

Ein neuer Blick
27.05.2010 bis 05.09.2010


Nachrichtenübersicht