Neue Perspektiven: Nachhaltige Grundinstandsetzung und Erweiterung der Gipsformerei

10.01.2023
Gipsformerei - Kunstmanufaktur seit 1819

Den 1. Preis im Planungswettbewerb zur Grundinstandsetzung und Erweiterung der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Funktionalität gewinnt das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Die Entwürfe zum Wettbewerb werden der Öffentlichkeit ab 31. Januar 2023 im Kulturforum präsentiert.

Der Wettbewerb für die Grundinstandsetzung und Erweiterung der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin – ausgelobt vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) – ist entschieden. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Professor Frank Kasprusch zeichnete in seiner Sitzung am 30. November 2022 den Entwurf des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit dem 1. Preis aus. 

Die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin ist seit Ende des 19. Jahrhunderts in einem eigens für sie errichteten Gebäude in der Charlottenburger Sophie-Charlotten-Straße 17/18 beheimatet. Dort befinden sich unter anderem ihre Formwerkstatt, Malerateliers und Depots für die historischen Formen und Modelle. Aufgrund des erschöpften Raumpotentials des Altbaus und dessen baulichen Zustands soll das Gebäude grundsaniert sowie von derzeit rund 5.000 Quadratmetern auf insgesamt rund 13.000 Quadratmeter Brutto-Grundfläche durch einen Neubau auf der Liegenschaft erweitert werden.

Die Erweiterung ist auch auf die jüngere Entwicklung der Gipsformerei und ihr zukünftiges Potenzial ausgerichtet: In den vergangenen Jahren hat sie sich auf die Fertigung hochwertiger, großer und komplizierter Reproduktionen spezialisiert, was eine neue Montagehalle erfordert. Im Neubau werden zudem erstmals Restaurierungswerkstätten entstehen, die einen optimalen konservatorischen Umgang mit dem einmaligen historischen Sammlungsgut ermöglichen. 

In den kommenden Jahren soll der Bestandsbau der Gipsformerei grundlegend saniert und um den Neubau erweitert werden. Mit dem zukunftsweisenden Fertigungs- und Depotgebäude soll auch die Wahrnehmung der Gipsformerei in der Öffentlichkeit gesteigert werden.

Platzierungen im Planungswettbewerb zur Grundinstandsetzung und Erweiterung der Gipsformerei

Der erstplatzierte Entwurf sieht einen fünfgeschossigen Erweiterungsbau vor, dessen L-förmiger Baukörper das Grundstück nach Norden und Westen abgrenzt und der klaren Form des Altbaus mit seiner markanten Klinkerfassade neue Akzente hinzufügt. Um möglichst wenig in den denkmalgeschützten Bestand eingreifen zu müssen, sieht der Entwurf vor, die Verwaltungs-, Verkaufs- und Ausstellungsflächen sowie den Showroom und die bereits bestehenden Depots im Altbau zu verorten. Die Werkstätten und Ateliers sowie besondere Depoträume werden im Neubau platziert, um den Anforderungen hinsichtlich Klimatisierung, Be- und Entlüftung, vorbeugendem Brandschutz und Arbeitsschutz gerecht zu werden. Der Neubau wird auf allen Ebenen weitgehend schwellenlos an den Altbau angebunden, um reibungslose Betriebsabläufe zu gewährleisten.

Mithilfe eines Lowtech-Konzepts und einer Optimierung der Gebäudehülle sollen der Energieverbrauch minimiert und die CO2-Emissionen sowie der Ressourceneinsatz reduziert werden. Dies erfolgt etwa durch eine materialminimierte Deckenkonstruktion mit Fertigteil-Kappendecken sowie eine natürliche Lüftung zur energieoptimierten Grundklimatisierung des Gebäudes. Darüber hinaus sollen überwiegend recycelbare Materialien zum Einsatz kommen, zudem wird auf irreversible Verbindungen verzichtet, um die Rückbaufähigkeit zu erhöhen. Die Innenwände werden aus Lehmziegeln erstellt, die ohne energetischen Mehraufwand ein sehr stabiles Raumklima schaffen.

Die Gestaltung stellt laut der Entwurfsverfasser – der kürzlich verstorbene Architekt Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke – eine Verbindung zu den Kerntätigkeiten der Gipsformerei her: Durch einen in Formen gegossenen und ausgehärteten Werkstoff entsteht eine Gebäudeskulptur.

Der 2. Preis wurde dem Berliner Büro Felgendreher Olfs Köchling Architekten zuerkannt. Mit zwei 3. Preisen wurden Backes Zarali Architekten, Basel (Schweiz), sowie Henchion Reuter Architekten, Berlin, ausgezeichnet. Jeweils eine Anerkennung erhielten das Büro TRU Architekten aus Berlin und Bez + Kock Architekten Generalplaner aus Stuttgart. In dem offenen zweiphasigen Planungswettbewerb waren aus insgesamt 50 Einreichungen der ersten Phase 16 Beiträge für die zweite Wettbewerbsphase ausgewählt worden.

Im Fokus: Nachhaltigkeit und Funktionalität

Der Jury gehörten neben freischaffenden Architekt*innen auch Vertreter*innen der an dem Projekt beteiligten Behörden und Kulturinstitutionen an. Bei den Beurteilungskriterien standen bei diesem außergewöhnlichen Bauvorhaben Aspekte der Nachhaltigkeit im Fokus. Auch soll für die Baumaßnahme das Lowtech-Prinzip zum Einsatz kommen, welches robusten, wartungsarmen baulichen Lösungen gegenüber komplexen technischen Anlagen den Vorzug gibt und damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Besonderes Augenmerk lag zudem auf der Funktionalität; so waren insbesondere die Anforderungen der Manufaktur in Bezug auf Produktionsabläufe und Logistik in den Entwurf zu integrieren.

Entsprechend der Empfehlung des Preisgerichtes wird das BBR im nächsten Schritt im Auftrag der SPK mit den Trägern des 1. Preises Vertragsverhandlungen zur Beauftragung der weiteren Planung und Durchführung aufnehmen.

Öffentliche Präsentation der Entwürfe

Die Entwürfe der Architekt*innen werden der Öffentlichkeit ab 12. Januar 2023 im Ernst-Reuter-Haus, dem Berliner Dienstsitz des BBR, gezeigt. Von 31. Januar bis 19. Februar 2023 werden die Ergebnisse des Wettbewerbs für den Erweiterungsbau der Gipsformerei in der Zentralen Eingangshalle und der Sonderausstellungshalle des Kulturforums präsentiert.