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Museum für Islamische Kunst erwirbt Seidenteppich aus dem Nachlass Alfred Cassirers

12.09.2023
Museum für Islamische Kunst

Das Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin hat eine spektakuläre Seiden-Tapisserie aus den Werkstätten der iranischen Stadt Kaschan des 16. Jahrhunderts erworben. Das textile Meisterwerk gehört zu einer der kostbarsten Teppichgruppen der Welt, und stammt aus dem Nachlass des Kunstsammlers Alfred Cassirer. Der Seidenteppich ist ab sofort im Pergamonmuseum zu sehen.

Die Neuerwerbung gehört zur Objektgruppe der sehr feinen Seiden-Tapisserien, die im 16. und frühen 17. Jahrhundert, oft auch als Auftragswerke oder Geschenke für ausländische Herrscher, von den Höfen des iranischen Schahs nach Europa kamen. Die in Wirktechnik hergestellten Seidentapisserie, deren Seidengarne zusätzlich mit Gold- und Silberfäden veredelt wurden, sind in der Herstellung mit europäischen Wolltapisserien vergleichbar jedoch vom Material, Herstellung und Wirkung um ein Vielfaches feiner. Iranische Textilien und Teppiche genießen Weltruhm und wurden über die Jahrhunderte hinweg nach Ost und West gehandelt.

Kunstsammlung von Alfred Cassirer

Der deutsch-jüdische Industrielle und bedeutende Kunstsammler Alfred Cassirer (1875-1932) hat dieses seltene Stück und weitere Spitzenwerke in den 1920er-Jahren auf Anraten des Museums für Islamische Kunst erworben, auch um mittelfristig Fehlstellen in der Berliner Sammlung abzudecken. Cassirer hatte vor seinem Tod zahlreiche Objekte dem Museum überlassen, aber nie förmlich geschenkt. Die Sammlung, ab 1932 im Besitz seiner Tochter Eva Cassirer, wurde 1934 durch die Nationalsozialisten teilweise zerschlagen.

Nach dem Ableben von Eva Cassirer wurden die verbleibenden 14 klassischen Teppiche 2012 der Erbengemeinschaft zurückgegeben, und später dem Museum für Islamische Kunst zum Erwerb angeboten. Mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder konnte das Meisterwerk nun erworben werden und bereichert ab sofort wieder die Sammlung.

Die Seiden-Tapisserie ist von außergewöhnlicher Qualität und Farbigkeit, ein ganz besonderes Stück. Sie hat für uns aber auch einen hohen emotionalen Wert. Dieses äußerst feine textile Kunstwerk unterstreicht nicht nur die enge Verbindung Alfred Cassirers zu unserer Sammlung, sie ist auch Zeugnis einer über Jahrhunderte anhaltenden pluralen Gesellschaft und verknüpfter Geschichte zwischen Europa und der islamisch geprägten Welt. Mein Dank für diese spektakuläre Erwerbung gilt der Alfred-und-Eva-Cassirer-Stiftung, der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder.

Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst

Der Erwerb wird begleitet durch eine Schenkung von sieben Keramikobjekten und acht Teppichen. Gemeinsam mit der Alfred-und-Eva-Cassirer-Stiftung führt das Museum für Islamische Kunst seit 2020 ein Provenienz-Forschungsprojekt zu „Zerstreuung der Kunstsammlung des jüdischen Ingenieurs Alfred Cassirer (1882-1932) im Zeitraum 1933 bis 1945“ durch.

Die Rolle jüdischer Sammler*innen, Stifter*innen und Wissenschaftler*innen ist für die Islamische Kunst im 19. und frühen 20. Jahrhundert von herausragender Bedeutung. In der Zeit leisteten sie einen entscheidenden Beitrag bei der Gründung der entsprechenden wissenschaftlichen Fachdisziplin und engagierten sich durch zahlreiche Schenkungen beim Aufbau der Berliner Sammlung, dem ältesten Museum seiner Art in Europa und Amerika. Die Objekte im Pergamonmuseum zeigen auch jüdische Traditionen in der islamisch geprägten Welt: religiöse Minderheiten waren über Jahrhunderte aktiv in der kulturellen Produktion zwischen Nordafrika und Zentralasien. Neben ausstellungsbegleitenden Filmen in der Mediathek des Museums wird dieser Themenkomplex ab 2027 auch in der neu präsentierten Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst im sanierten Nordflügel des Pergamonmuseums vertieft werden.

Die neu erworbene Seiden-Tapisserie ist ab sofort und bis zur sanierungsbedingten Schließung des Pergamonmuseums am 23. Oktober 2023 im Safawidenraum zu sehen.