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Masken der Kogi aus dem Ethnologischen Museum restituiert

19.06.2023
Ethnologisches Museum

In der Sammlung des Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin befanden sich zwei Masken von der indigenen Gemeinschaft der Kogi (auch: Kogui) aus der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens. Sie waren 1915 im Rahmen einer Forschungsreise von Konrad Theodor Preuss für das Museum erworben worden. Da es sich um Gegenstände mit rituellem Hintergrund und auch heute noch großer sakraler Bedeutung für die Kogi handelt, hat sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) zur Rückgabe entschlossen. Die Masken wurden bei einer presseöffentlichen Veranstaltung während des Besuchs des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro Urrego bei Bundespräsident Steinmeier am 16. Juni 2023 in Schloss Bellevue in Berlin übergeben.

Die Rückgabe der Masken ist wegen ihres besonderen, geradezu einzigartigen Hintergrundes die richtige Lösung, zu der wir nach reiflicher Überlegung gelangt sind. Wir standen dazu bereits seit einigen Jahren mit Vertretern der indigenen Organisation Gonavindúa Tayrona und des ICANH (Instituto Colombiano de Antropología e Historia) im Kontakt, und 2022 hat Kolumbien schließlich offiziell um Rückgabe ersucht. Im Einklang mit der UN-Erklärung über die Rechte der indigenen Völker vom September 2007 und unter Berücksichtigung der Unveräußerlichkeit der Masken, die besondere religiösen und zeremonielle Bedeutung für die Gemeinschaft der Kogi haben, hat der Stiftungsrat der SPK nun entschieden, dass sie restituiert werden sollen.

Hermann Parzinger, Präsident der SPK

Die Bedeutung der Masken

Bei den Kogi, deren Selbstbezeichnung Kágaba ist, wurden Masken wie die nun zurückgegebenen stets anlässlich der Gründung eines Tempels angefertigt. Sie waren dazu bestimmt, dort in Tänzen und Gesängen rituell verwendet zu werden. Dies dient nach den religiösen Vorstellungen der Kogi der spirituellen Heilung, dem Erhalt des sozialen Gefüges sowie dem Wohlergehen des eigenen Volkes und der gesamten Welt. Der Umgang mit den Masken steht nur einem Mama, einem Priester der Kogi, zu. Da sie dauerhaft an dem heiligen Ort verbleiben sollen und ausschließlich von Generation zu Generation von Mamas weitergegeben werden können, war und ist es nicht zulässig, sie zu erwerben.

Die rituellen Masken sind ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes Kolumbiens und untrennbar mit dem Volk der Kogi verbunden. Sie gehören hier nicht her und deshalb ist es umso erfreulicher, dass sie nun an die Orte ihrer Herkunft zurückfinden können. Dass Präsident Gustavo Petro und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diese Rückgabe hochrangig begleiten, unterstreicht unseren gemeinsamen Willen, den Traditionen, Bräuchen und dem spirituellen Erbe der Kogi zu ihrem Recht zu verhelfen.

Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien

Die Masken stellen mythische Ahnen und Naturphänomene dar und ermöglichen nach den Vorstellungen der Kogi ihrem Träger, deren Perspektive einzunehmen. Er bekommt Einblick in die Welt der mythischen Ahnen und Naturgewalten, die durch die jeweilige Maske betrachtet als Menschen gesehen werden. Da er umgekehrt von diesen mit der Maske als ihresgleichen angesehen wird, kann er selbst wie ein mythisches Wesen agieren und im Auftrag der Kágaba mit ihnen in Verbindung treten.

Nach mehr als hundert Jahren kehren zwei dem Volk der Kogui heilige Objekte nach Kolumbien, in die Sierra Nevada de Santa Marta, zurück. Dieser Meilenstein und künftige Rückgaben von Stücken, die zum kulturellen Erbe der Ureinwohner und der kolumbianischen Nation gehören, öffnen die Türen zur Vertiefung der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Nationen, wobei der Respekt vor der Weltsicht und dem Wissen der Ureinwohner stets als übergeordneter Wert anerkannt wird.

Álvaro Leyva Durán, Außenminister der Republik Kolumbien

Die beiden Masken aus dem Ethnologischen Museum (V A 62649 und V A 62650) sind auch aufgrund ihres Alters besonders bedeutend: Sie konnten in die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert werden und sind somit vor der spanischen Eroberung angefertigt worden. Sie sind aus Holz gefertigt und werden als „Sonnenmaske“ (Mama Uakai) und „Großsonnenmaske“ (Mama Nuikukui Uakai oder Malkutše) bezeichnet.

Zur Provenienz: Die Sammlung Preuss

Die beiden Masken der Kogi wurden 1915 von Konrad Theodor Preuss erworben, Ethnologe und Kustos des Königlichen Museum für Völkerkunde, der Vorgängerinstitution des Ethnologischen Museums. Preuss trug auf einer Forschungsreise nach Kolumbien zwischen 1913 und 1919 insgesamt über 700 Objekte zusammen, von denen rund 440 noch im Ethnologischen Museum erhalten sind. Der Rest sind Kriegsverluste. Im Mittelpunkt seiner Forschungen stand allerdings die Auseinandersetzung mit der mündlichen Überlieferung der aufgesuchten Völker.

Im Rahmen der Reise verbrachte Preuss auch mehrere Monate bei den Kágaba. In Zusammenarbeit mit mehreren Mamas nahm er Mythen und Gesänge in der Sprache der Kágaba (kougian) auf und veröffentlichte sie 1926 mit einer Übersetzung. Daneben legte er eine kleine Sammlung von Gegenständen der Kogi an, von denen heute noch rund 80 erhalten sind. Die beiden Masken erwarb Preuss von dem Erben eines verstorbenen Mama, „dank der günstigen Gelegenheit“, wie er in seinem Buch „Forschungsreise zu den Kágaba“ (1926) schreibt. Weder das Alter noch die Unveräußerlichkeit der Masken waren ihm dabei bewusst. Weitere Informationen zu Konrad Theodor Preuss und seiner Sammlung finden sich in einer virtuellen Ausstellung in der Deutschen Digitalen Bibliothek.