21.04.2026
Kupferstichkabinett
Das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin wurde auf der IFPDA Print Fair in New York mit dem Richard Hamilton Acquisition Prize ausgezeichnet. Die Messe IFPDA (Fine Art Prints & Drawings) in der Park Avenue Armory zählt international zu den bedeutendsten Plattformen für Druckgrafik, Edition und Zeichenkunst. Zu den bisherigen Preisträgern zählen u. a. das Philadelphia Museum of Art, das British Museum London, das Metropolitan Museum of Art New York sowie das Museum Ludwig in Köln.
In seiner diesjährigen Ausgabe ging die Auszeichnung an das Kupferstichkabinett. Der von der IFPDA Foundation vergebene und von ChampionScott Partners unterstützte Preis ist mit 10.000 US-Dollar dotiert und ermöglicht einem Museum den Ankauf von Werken direkt auf der Messe.
Nóra Lukács, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, konnte auf der Messe mit dem Preisgeld zwei Werke erwerben, die zentrale Themen der Sammlung des Museums aufgreifen: Pregnant Caryatid (2001), eine Lithografie von Louise Bourgeois, sowie Europa (2005), eine reliefartig räumlich angelegte Photogravure von Kiki Smith. Die Erwerbungen knüpfen an die transatlantisch geprägte Sammlungsgeschichte des Kupferstichkabinetts an, die ihren Ursprung unter anderem im Westberlin der Zeit des Kalten Krieges hat, und die im Bereich der Gegenwartskunst in den letzten Jahren und Jahrzehnten gezielt um transkulturelle Perspektiven erweitert, und mit Arbeiten von Künstlerinnen gestärkt wurde.
Die großformatige Papierarbeit Europa der deutsch-US-amerikanischen Multimediakünstlerin Kiki Smith zeigt die beiden Seiten des Jupitermondes Europa, der 1610 von Galileo Galilei und Simon Marius entdeckt wurde. Die Monde sind als Photogravuren auf transparentem Reispapier gedruckt und zu Halbkugeln geformt; ihr Abstand entspricht dem Körpermaß der Künstlerin. Darunter ist der Satz „I am the flesh of the full moon“ lithografiert.
Louise Bourgeois’ Lithografie Pregnant Caryatid (Schwangere Karyatide) zeigt eine weibliche Figur, in ihrem schwangeren Zustand zugleich stark und verletzlich, als architektonische Säule. Im Nachklang der Ereignisse des 11. September 2001 verbindet die Arbeit Motive von Mutterschaft und Fruchtbarkeit mit Krieg und Zerstörung von Architektur, kulturellem Erbe und menschlichem Leben und verweist damit auf bis heute fortwirkende Fragilitäten.
Einzelne Werke von Louise Bourgeois und Kiki Smith sind bereits im Bestand vertreten; die aktuellen Ankäufe tragen dazu bei, diese künstlerischen Ansätze in ihrer medialen und thematischen Vielfalt weiter zu differenzieren.