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Konrad Vanja, Direktor des Museums Europäischer Kulturen im Interview

28.09.2011
Museum Europäischer Kulturen

Was wir schon immer über das Museum Europäischer Kulturen wissen wollten…
Direktor Konrad Vanja weiß die Antworten.

Am 8. Dezember 2011 wird das Museum Europäischer Kulturen nach 2 Jahren Umbauzeit im Bruno-Paul-Bau wieder eröffnet - mit welchen Wünschen und Erwartungen für die Zukunft Ihres Hauses blicken Sie diesem Tag entgegen?

Wir sind froh, unseren Besuchern die Sammlungen und Ausstellungen in frisch sanierten und renovierten Räumen neu präsentieren zu können. Dies wird unserem Haus eine neue Strahlkraft geben: Ausstellungsbereiche und Ehrenhof werden dank neuer architektonischer Lösungen durch die BHBVT Architekten (Busmann Haberer Bohl Vennes Tebroke) im großzügigen Ambiente wieder zum Erlebnis und ermöglichen uns, ein umfängliches, begleitendes Kulturprogramm starten zu können.

Was kann das Museum Europäischer Kulturen, das die Vielfalt europäischer Kulturen vereint, zur Findung einer übergreifenden europäischen Identität beitragen?
Mit unseren Ausstellungen wie mit den jährlichen Europäischen Kulturtagen fördern wir die Begegnung unserer Besucher mit der Geschichte, den Kulturen in Europa, ihrer Vielfalt und Gemeinsamkeit sowie ihren Besonderheiten. Das schafft eine veränderte und vor allem verändernde Perspektive.

Welches Objekt der Sammlung liegt Ihnen besonders am Herzen?
Sicherlich unser "Weihnachtsberg" aus dem 19. Jahrhundert. Mit über 300, zum Teil beweglichen Figuren zeigt er das Leben Jesu von der Geburt in der Krippe bis zum Tod am Kreuz und seiner österlichen Auferstehung. Es ist eine "Jahreslaufkrippe", die in ihrer Größe und Inszenierung zu den bedeutendsten in Europa zählen dürfte. Sie ist von ihrer Herkunft her ein Objekt der europäischen Begegnung, nämlich zwischen dem protestantischen Sachsen und dem katholischen Böhmen. An seinem neuen Ort in Dahlem wird der Weihnachtsberg nun das ganze Jahr über zu bewundern sein.

Sicher haben Sie bereits zahlreiche Länder Europas bereist, gibt es eine Kulturform, die Sie mehr als andere fasziniert?
Mich fasziniert das Kosmopolitische, eine Form gebildeter Bürgerlichkeit, die sich über nationale Grenzen hinweg für Alltag, Sprache, Literatur, Kunst und Musik in Geschichte und Gegenwart begeistert. Diese Welt des gemeinsamen Wissens in Warschau oder Krakau, in Paris oder Bassano del Grappa wiederzufinden, gehört zum Glück des Reisenden: man ist in Europa zu Hause!

Europäische Kulturen entwickeln sich beständig fort, dem muss auch Ihre Sammlung gerecht werden, aber wie schlagen sie die Brücke zwischen einer mondänen venezianischen Gondel von 1910 und einem Berliner Döner-Kebab?
Ein Museum entwickelt sich mit seinen Sammlungen und seinen Fragestellungen. Die Migration von Menschen wie der Transfer kultureller Güter ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Somit baut auch die Gegenwart auf älteren Traditionen auf und zeigt, dass Schlüsselorte, wie z. B. Venedig, für die Vergangenheit ebenso innovativ sein können wie das "türkische" Kreuzberg für unsere heutige Gesellschaft.