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Kommentar des Museums für Islamische Kunst zum terroristischen Anschlag in Hanau

09.03.2020

Der terroristische Anschlag von Hanau hat uns alle erschüttert. Unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei den Opfern und Verletzten und ihren Familien. Unsere Solidarität gilt all jenen, die Diskriminierungen und Rassismen ausgesetzt sind.

Die Verschärfung der politischen Debatte um das, was als „Eigen“ und das, was als „Fremd“ gilt sowie die daraus erwachsenden gewaltsamen Taten beobachten wir mit zunehmender Sorge. Das Museum für Islamische Kunst steht sinnbildlich für die Prozesshaftigkeit von Kunst und Kultur, die permanent im Wandel sind. Die Meisterwerke im Museum entstanden in multi-ethnischen, multi-religiösen und multi-lingualen Gesellschaften, deren Austausch sie widerspiegeln. Durch die Auseinandersetzung mit dem „Eigenen“ und „Fremden“ wurden diese Kategorien kontinuierlich verändert und neu gedacht. Die Geschichte zeigt, dass eine feste Zuschreibung dieser Begriffe ebenso wenig möglich ist, wie die der Zugehörigkeit, Identität und Heimat. Gesellschaften sind nie homogen gewesen und ihr ständiger Wandel ist keine Bedrohung von Kunst, Kultur und Gesellschaft sondern ihr Motor.

Die Mitarbeiter*innen des Museums für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin sind zutiefst besorgt darüber, dass Teile dieser pluralen Gesellschaft von anderen Teilen zunehmend aggressiv attackiert und ausgeschlossen werden. Die rassistischen, religionsfeindlichen und religiös motivierten Angriffe treffen einzelne Menschen, die keine Einzelfälle sind und nicht alleine stehen: sie treffen die Gesellschaft als Ganzes, in ihrer Mannigfaltigkeit. Als Museum, als Teil der Staatlichen Museen zu Berlin, als Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, als Teil der gegenwärtigen Kultur und Gesellschaft und Bindeglied zu einer gemeinsamen Vergangenheit und Zukunft, stellen wir uns hinter die betroffenen Menschen. Eine lebendige Kultur lebt vom friedlichen und kreativen Austausch der Menschen, die sie hervorbringen. Diese Erkenntnis sollte sich nicht nur in den Objekten, die das Museum für Islamische Kunst zeigt, widerspiegeln. Sie sollte umso wegweisender sein, für die Gesellschaft, in der wir heute und morgen leben möchten.