Bitte beachten Sie die geänderten Öffnungszeiten der Staatlichen Museen zu Berlin seit 16. April 2024. Mehr

Tickets

Klaas Ruitenbeek, Direktor des Museums für Asiatische Kunst im Interview

21.12.2011
Museum für Asiatische Kunst

Was wir schon immer über das Museum für Asiatische Kunst wissen wollten…
Direktor Klaas Ruitenbeek weiß die Antworten ...

Asien ist der größte Kontinent der Welt, beherbergt nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung und ist dementsprechend reich an verschiedensten Kulturen - auf welche davon richtet sich der Fokus des Museums für Asiatische Kunst?
Wir richten den Blick auf die Kunst von Afghanistan im Westen bis Japan im Osten, von der Mongolei im Norden bis Indonesien im Süden. Man könnte auch sagen, auf alle Gebiete Asiens, die jetzt buddhistisch sind oder es in der Vergangenheit einmal waren. Natürlich sammelt und zeigt das Museum für Asiatische Kunst weit mehr als nur buddhistische Kunst, wie etwa chinesische Kultbronzen, indische Miniaturen oder japanische Holzschnitte. Aber nichts desto trotz ist der Buddhismus in diesen Gebieten ein übergreifender Aspekt, so wie es der christliche Glauben für die abendländische Kunst ist.

Die asiatische Kunst unterscheidet sich in ihrer Erscheinung stark von der Kunst Europas, worin liegen Ihrer Ansicht nach die wesentlichen Unterschiede begründet? Wodurch zeichnet sich die Asiatische Kunst aus?
Die asiatische Kunst lässt sich nicht auf einen Nenner bringen - abgesehen von ihrer Unbekanntheit. Es ist die Kunst, die wir nicht kennen und das trotz des schon immer bestehenden internationalen Handels und der interkulturellen Kontakte. Dieser Austausch führt zu gegenseitiger Befruchtung und aus Unterschieden werden Ähnlichkeiten: Gandhara-Skulpturen (2.-3. Jh.n.Chr.) aus Afghanistan und Pakistan muten hellenistisch an, weil Alexander der Große bis in diese Gebiete vordrang und manche japanischen Holzschnitte wiederum erinnern an Kunstwerke von Toulouse-Lautrec oder Van Gogh, weil die Impressionisten die japanische Kunst bewunderten und nachahmten. Ein ganz wesentlicher Unterschied zur europäischen Kunst manifestiert sich aber in der immensen Bedeutung der Schriftkunst für den asiatischen Raum: Dort ist Kalligrafie größtmöglicher freier, mal wild-abstrakter, mal verhaltener künstlerischer Ausdruck. Eine so hohe Wertschätzung und Eigenständigkeit hat die Schriftkunst in Europa nie erreicht.

Neben Sammlungspräsentationen zeigen Sie immer wieder auch zeitgenössische künstlerische Positionen. Wodurch sind diese Interventionen motiviert?
Wir halten es für sehr wichtig, die Kunst Asiens bis in die Gegenwart zu verfolgen und nicht an einer willkürlichen zeitlichen oder geografischen Stelle eine Grenze zu ziehen. Wir verstehen unser Museum als Gastgeber für Kunst und Künstler aus Asien und es ist uns ein Anliegen, gerade in Berlin lebenden asiatischen Künstlern jenseits des Galeriewesens eine Plattform zu bieten, um sich zu präsentieren. So werden wir im Januar 2012 Werke von Leiko Ikemura präsentieren.

Warum sollte jeder Berliner und jeder Berlinbesucher wenigstens einmal den Weg in das Museum für Asiatische Kunst nach Dahlem auf sich nehmen?
Die meisten Asiaten sind mit westlicher Kunst gut vertraut, obwohl sie in der Regeln kein Museum Europäischer Kunst in ihrer Nähe verortet haben. Dem gegenüber ist die asiatische Kunst, die ebenso schön, bedeutsam und reichhaltig ist wie das uns bereits Bekannte, etwas, das es noch zu entdecken gilt und das Museum für Asiatische Kunst in Dahlem ist für diese Erkundungen der wohl am besten geeignete Ort.