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Interview mit Jörn Grabowski, Leiter des Zentralarchivs im Interview

29.03.2012
Zentralarchiv

Was wir schon immer über das Zentralarchiv wissen wollten …
Leiter Jörn Grabowski weiß die Antworten.

Alle Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin übergeben dem Zentralarchiv Materialien zur Dokumentation. Was genau wird von ihnen archiviert und nach welchen Kriterien wird entschieden, was für die Zukunft aufbewahrt wird?

Sie finden hier Akten der Sammlungen, Fotos (vor allem historische Bau- und Raumaufnahmen der Häuser und Sammlungen), Baupläne der Museumsgebäude, Nachlässe von Wissenschaftlern und Künstlern soweit diese mit der Geschichte der Staatlichen Museen zu Berlin besonders verbunden sind. Hinzu kommen verschiedene Dokumentationen zur Geschichte der Museen, ihres besonderen Wachstums aber auch ihrer extremen Verluste zum Beispiel durch die nationalsozialistische Aktion "Entartete Kunst" 1937 oder durch die verheerenden Zerstörungen im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges. Erhaltenswert ist eben all das, was das Vorgenannte dokumentiert und für die nachfolgenden Generationen wissenswert sein kann.

Gibt es eine "Lieblingsentdeckung", die Sie selbst im Zentralarchiv gemacht haben?
Da gibt es nicht nur eine. Vor allem interessiert mich die Sammelleidenschaft der ehemaligen Museumsleiter und ihrer Mitarbeiter. Das zähe Ringen um ein Kunstwerk, das man unbedingt in die Sammlung einbringen will, verbunden mit manchmal langwierigen Verhandlungen mit Künstlern oder Händlern ist schon beeindruckend. Auch die Präsentation der Kunstwerke in den ständigen Ausstellungen zu unterschiedlichen Zeiten und politischen Systemen ist äußerst spannend.

Dem Beruf des Archivars haftet manchmal ein etwas verstaubtes Image an. Was macht aus Ihrer Sicht aber gerade diesen Beruf so spannend?
Es sind die Originale, mit denen der Archivar zu tun hat. Auch wenn diese manchmal abgegriffen sind, zerlesen wirken oder auch durchaus den Staub der Zeit tragen, sie sind papierene Zeitzeugen. Die darin enthaltenen Spuren unserer Vorfahren sind authentisch und nicht, wie in vielen Publikationen, bereits abstrahierend bearbeitet und gewertet. Das originale Schriftstück gewährt einen mehr oder weniger unverbauten Blick in die Vergangenheit. Sie erfahren, wie sich alles abgespielt hat, und das ist toll.

Das Zentralarchiv zieht in diesem Jahr von der Museumsinsel in das nahe gelegene neue Archäologische Zentrum auf den Museumshöfen. Was bedeutet dieser Umzug für sie?
Das ist für uns eine durchaus aufregende Angelegenheit. Seit Jahren war das Archiv mit seinen Beständen auf mehrere Häuser verteilt und somit mehr oder weniger provisorisch untergebracht. Oft mussten lange Wege, hinderliche Treppen und Fahrstühle benutzt werden, um Archivgut vorlegen zu können. Das Zusammenführen der Bestände in ausreichend geräumige Depotflächen und Büros in unmittelbarer Nähe zum Lesesaal, bedeuten für das gesamte Archivteam eine extreme Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Hinzu kommt, dass das Zentralarchiv, das als wissenschaftliche Einrichtung der Museen seit Jahren große Wertschätzung erfährt, nun mit dem Umzug in das "Archäologische Zentrum" auch seine adäquate äußere Form erhält.