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Humboldt Forum: Dachdeckung des Versammlungshauses und Aufbau eines Doppelrumpfbootes

04.08.2022
Humboldt Forum

In vielen Ausstellungsbereichen sowohl im West- als auch im Ostflügel des Humboldt Forums haben die Ausstellungsmacher*innen eng mit internationalen Partner*innen aus den Herkunftsregionen der gezeigten Objekte zusammengearbeitet. Ihr Wissen ermöglicht eine Aufarbeitung und Präsentation aus unterschiedlichen Perspektiven sowie einen differenzierten Umgang mit den Objekten. Derzeit arbeiten indigene Bootsbauer und Hausbauer in der Ozeanien-Ausstellung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin an gleich zwei Ausstellungshighlights.

Traditionelles Versammlungshaus (Bai) aus Palau

Seit Montag, dem 1. August 2022, decken Patrick Tellei und sein palauisches Team im Ausstellungssaal „Bauwerke aus Ozeanien“ das Versammlungshaus neu. Die traditionell dafür verwendeten „Palmblatt-Schindeln“ wurden zuvor in Palau hergestellt. 

Versammlungshäuser wie das „Bai“ waren früher in palauischen Dörfern gleich mehrfach zu finden: Sie waren Orte politischer Macht und sind bis heute identitätsstiftend. Es gab Versammlungshäuser für den Rat der Herrschenden und für die Klubs gleichaltriger Männer. Die Mitglieder trafen hier politische Entscheidungen. Die Männerklubs organisierten öffentliche Arbeiten wie den Bau von Straßen und Häusern. Jeder Klub besaß ein Versammlungshaus, in dem die Mitglieder nachts auch schliefen. Die Frauenklubs trafen sich meist in Wohnhäusern.

Mit den einschneidenden Eingriffen der deutschen (1899 bis 1914) und später der japanischen Kolonialregierung in die Herrschaftsverhältnisse vor Ort verloren die Männerklubs an Bedeutung und Macht. Die Versammlungshäuser sind dennoch bis heute ein wichtiger Bestandteil der palauischen Kultur. So steht eines der vier verbleibenden Bai, eine Rekonstruktion von 1991, auf dem Gelände des Nationalmuseums in Koror (Verwaltungsgebiet der Republik Palau). Das Regierungssiegel der 1981 gegründeten und seit 1994 unabhängigen Republik Palau zeigt ebenfalls ein „Bai“.

1907 kam der Arzt und Ethnologe Augustin Krämer nach Koror und ließ ein „Bai“ für das damalige Berliner Völkerkundemuseum (heutiges Ethnologisches Museum) bauen. In zwei Monaten errichteten der Baumeister Golegeril und rund 40 Männer des Männerklubs „Ngaradegangl“ ein Haus im verkleinerten Maßstab und gaben ihm den Namen „Kekerel Gosobulngau“ (kleines Feuersitzhaus). 

In Berlin wurde dieses „Bai“ erstmals 1908 als Neuerwerbung und dann erst wieder 1970 der Öffentlichkeit gezeigt – vom Museum ergänzt um Fußboden und Dachstuhl. Nach dem Umzug des Hauses von Berlin-Dahlem nach Mitte wurde es im Humboldt Forum mit diesen Erweiterungen wiederaufgebaut, da sie mittlerweile zum „Bai“ und seiner Geschichte gehören. Allein die Dachdeckung stand noch aus.

Doppelrumpfboot (Drua) aus Fidschi

Im benachbarten Ausstellungssaal „Ozeanien, Mensch und Meer“ bauen die Bootsbauer Joji Marau Misaele und Rogovosa Biuwale aus Fidschi zeitgleich ein Doppelrumpf-Segelboot auf. Die Einzelteile verbinden sie dabei traditionell mit einer „Magimagi“, einer Schnur aus Kokosfaser.

Mit Doppelrumpfbooten haben die Polynesier einst den Ost-Pazifik erkundet und weit entfernte Inseln angesteuert und besiedelt. Später ersetzten die wendigeren fidschianischen Boote mit unterschiedlich langen Rümpfen (Drua) ihre Vorgänger mit gleich langen Rümpfen. In Fidschi waren die Doppelrumpfboote früher ein wichtiges Verkehrsmittel zwischen den Inseln, um zu handeln und die sozialen Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Bei der ausgestellten „Drua“ handelt es sich um den Nachbau eines Doppelrumpfbootes aus dem Jahr 1913, das heute in der maritimen Ausstellung des Fidschi Museums der Hauptstadt Suva auf der Hauptinsel Viti Levu präsentiert wird. Sie wurde als Neuerwerbung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in einer Kooperation mit der Fiji National University und fidschianischen Bootsbauern nach traditionellen Handwerkstechniken hergestellt.

Nach der Öffnung des Ausstellungssaals können Kinder und Jugendliche das ungefähr 2.70 Meter breite und 10 Meter lange Segelboot als Teil der Familienfläche sogar beklettern. Virtual-Reality-Brillen werden dabei helfen, die jungen Entdecker*innen in die Welt der Navigation einzuführen.