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"Höhle der sechzehn Schwertträger" zieht ins Humboldt Forum um

08.09.2020

Drei Kunsttransporte brachten die originalen Wandmalereien aus den Sammlungen des Museums für Asiatische Kunst aus Dahlem ins Humboldt Forum, wo sie in den nächsten Monaten in einer Teilrekonstruktion der „Höhle der 16 Schwertträger“ erstmals nach über 100 Jahren wieder vereinigt werden.

Eine gewaltige weiße Kuppel spannt sich über eine von den Farben der Seidenstraße und der zerklüfteten Landschaft um Kizil inspirierten Ausstellungsarchitektur im dritten Obergeschoß des Humboldt Forums. Hier, in einem der architektonisch herausstechendsten Säle des Humboldt Forums, werden die Besucherinnen und Besucher zukünftig die „Höhle der 16 Schwertträger“ als eines der großen Highlights des Ausstellungsbereiches erleben können. Im benachbarten „Kubus Süd“ wird gerade die später begehbare „Höhle der Ringtragenden Tauben“ vollendet. Zusammen bilden beide Höhlen ein einzigartiges Ensemble.

Höhlen als Teil einer buddhistischen Tempelanlage

Ursprünglich waren derartige Höhlen mit ihren Fresken des 5. bis 11. Jahrhunderts Teil einer buddhistischen Tempelanlage und dienten den Mönchen als Unterkunft und Kulträume. In das weiche Gestein der Berge gegraben, wurden die ausgehöhlten Felsformation anschließend mit einer groben Lehmputzschicht überzogen. Eine zweite feine Putzschicht aus Lehm bildete den Untergrund für die weiße Gipsgrundierung. Darauf entstanden die Vorzeichnungen, wofür Kohlestifte oder teilweise vorgefertigte Schablonen zum Einsatz kamen. In die Vorzeichnung wurden oft Zeichen der heute ausgestorbenen tocharischen Schrift als Farbangaben eingefügt, nach denen die in Tempera-Technik ausgeführte Malerei erfolgte. Diese ist oftmals mit Goldapplikationen veredelt worden.

Preußische „Turfan-Expeditionen“ zwischen 1902 und 1914

Entdeckt wurden beide Kulthöhlen während der vier preußischen „Turfan-Expeditionen“ zwischen 1902 und 1914 vom damaligen Direktor der Indischen Abteilung des Museums für Völkerkunde Albert Grünwedel (1856-1935). Nach ihrem Ausbau 1914 kamen die Seccomalereien nach Berlin, wurden dort konserviert und restauriert und im Museum in der Stresemannstraße bis 1939 ausgestellt. Die „Höhle der Ringtragenden Tauben“ konnte als quadratisch-vereinfachter Kultraum ausgestellt werden, während von der „Höhle der 16 Schwertträger“ aus Platzgründen nur einzelne Gemälde zu sehen waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten die Sammlungen nach Dahlem. Auch hier wurde nur die „Höhle der Ringtragenden Tauben“ im Gemäldeverbund gezeigt. Sie konnte zwischen 1997 und 2000 im Museum für Indische Kunst wissenschaftlich erforscht, umfangreich restauriert und in den ursprünglichen Raummaßen rekonstruiert werden.

Restaurierung der „Höhle der 16 Schwertträger“

In den Folgejahren begannen Restauratoren in verschiedenen Projekten die zweite buddhistische Kulthöhle gemeinsam mit Kunsthistorikern und in Kooperation mit den chinesischen Kolleginnen und Kollegen detailliert zu untersuchen. Sie entwickelten nach den originalen Raummaßen ein Aufbaukonzept für das Humboldt Forum. Diese Höhlen sind in ihrer Art in Museen weltweit einmalig. Die archäologischen Gemälde zeugen vom Leben und Sterben des Buddha und eröffnen darüber hinaus einen Blick in die weitreichenden kulturellen und künstlerischen Verflechtungen entlang der Seidenstraßen.