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Heinrich Schulze Altcappenberg, Direktor des Kupferstichkabinetts im Interview

06.11.2010
Kupferstichkabinett

Was wir schon immer über das Kupferstichkabinett wissen wollten …
Direktor Heinrich Schulze Altcappenberg weiß die Antworten.

Was ist ein Freund und Kupferstecher?

Zunächst eine Redewendung, die durch Friedrich Rückert und Theodor Fontane bekannt wurde. Dann - was den Kupferstecher betrifft - ein Beruf, der fast ein halbes Jahrtausend lang die Herstellung von vervielfältigbaren Bildern bezeichnete. Der Kupferstecher war der Reprograf und Grafikdesigner vor der Zeit der Fotografie und des Computers.

Gibt es originale Kupferstiche?
Ja, natürlich, jedes graphische Blatt ist ein Ding für sich, ein physisches Original. Darüber hinaus gibt es bestimmte Voraussetzungen für das Qualitätssiegel "Originalgraphik", z. B. die direkte Beteiligung des Künstlers und eine begrenzte Auflagenhöhe.

Welches Werk in Ihrer Sammlung hat die spannendste Geschichte?
An jedem Meisterwerk hängt Geschichte. Aber greifen wir den Bilderzyklus zu Dantes "Göttlicher Komödie" von Sandro Botticelli heraus: Die ursprünglich wohl 100 grossformatigen Blätter entstanden Ende des 15. Jahrhunderts im Auftrag eines Medici-Sprösslings in Florenz. Über 300 Jahre von der Bildfläche verschwunden, tauchten 84 Werke um 1800 in Paris wieder auf, wurden von dort nach England verkauft, kamen dann in den Besitz der Herzöge von Hamilton. Der 12. Duke liebte Hunderennen mehr als die Kunst. Er verscherbelte 1882 den Schatz nach heimlichen Verhandlungen zur Empörung der englischen Öffentlichkeit an die Berliner Museen. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen teilten das großartige Werk noch einmal: Die Darstellungen der Hölle wanderten in den Westen, die des Paradieses in den Osten der Stadt …

Das Interview erschien in der Museumszeitung der Staatlichen Museen zu Berlin (Ausgabe 3/2009).