Bitte beachten Sie die geänderten Öffnungszeiten der Staatlichen Museen zu Berlin seit 16. April 2024. Mehr

Tickets

Großzügige Schenkung des Nachlasses von Münzfälscher Carl Wilhelm Becker an das Münzkabinett

02.06.2023
Münzkabinett

Die Tagebücher des Speyerer Münzenfälschers Carl Wilhelm Becker (1772–1830) wurden am 17. Mai 2023 von der Sparkasse Vorderpfalz in Speyer an das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin übergeben. Die über 500 Prägestempel von Carl Wilhelm Becker werden wieder mit wichtigen Archivalien zu seinem Leben vereint, darunter Tagebücher der Jahre 1824 bis 1830 als eine Quelle für die letzten Jahre seines Wirkens.

Bereits seit einiger Zeit befasst sich das Münzkabinett mit dem Thema Fälschungen. In 2024 wird zur dunklen Seite der Numismatik eine Ausstellung im Bode-Museum gezeigt. Die Fälschungen von Carl Wilhelm Becker zum Schaden der Sammler spielten insbesondere im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine große Rolle, gerade auch im Münzkabinett.

Zur Geschichte des Nachlasses von Carl Wilhelm Becker

Die Archivalien haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Carl Wilhelm Becker hatte 1826 Margarethe Christina Sattler (1793–1867) geheiratet. Von ihr ging der Nachlass Beckers an deren beider Tochter Elise Becker (1826–1912) über. Im Jahr 1911 übergab Elise Becker die Prägewerkzeuge Beckers der Saalburg, von wo sie auf Anweisung des Kaisers Wilhelm II. an das Münzkabinett der Königlichen Museen zu Berlin überwiesen wurden.

Die Tagebücher und weitere Archivalien vererbte sie an ihren Stiefneffen Georg Lucas (1865–1930), wodurch sie nach Berlin gelangten. In einem Brief vom 24. Januar 1924 an George Francis Hill, Beckerforscher am British Museum in London, listete Georg Lucas die Archivalien auf, die sich zu der Zeit in seinem Besitz befanden. Diese stellte er George Hill zur Auswertung zur Verfügung.

Von Georg Lucas erbte dessen Tochter Johanna Lucas (1895–1986), die ebenfalls in Berlin lebte, die Tagebücher und weitere Schriften. Von ihr könnte der Nachlass in den Besitz von Wolfgang Haney (1924–2017) übergegangen sein, der in Westberlin 30 Jahre lang Vorsitzender der Berliner Münzfreunde e. V. und als sammelnder Numismatiker in der Stadt wohlbekannt war. Der Versuch, diesen Nachlass 1994 in der Auktion von Fritz Rudolf Künker zu veräußern, blieb zunächst erfolglos, erweckte aber das Interesse von Rainer Albert, dem damaligem Vorsitzenden der Numismatischen Gesellschaft zu Speyer.

Gemeinsam mit Wolfgang Haney und dem Vorsitzenden der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer fanden sie eine Möglichkeit, die Archivalien für die Öffentlichkeit zu sichern. Vom 21. April bis 15. Mai 1997 fand in der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer die Ausstellung „Der Münzenfälscher Carl Wilhelm Becker“ statt.

Übergabe an das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin

Die Sparkasse Vorderpfalz und die Numismatische Gesellschaft Speyer beschlossen, dass das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin der geeignete dauerhafte Aufbewahrungsort für diese Archivalien ist. Die Übergabe des Nachlasses von Carl Wilhelm Becker an das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin fand am 17. Mai 2023 in der Sparkasse Vorderpfalz in Speyer statt.

Die Tagebücher des Carl Wilhelm Becker sind nun im Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mit dessen Prägewerkzeugen und weiteren Archivalien vereint. Die Sammlung aus Falsifikaten, Prägestempeln und Tagebüchern des Fälschers bietet eine gute Forschungsbasis, wird für Bildung zur Verfügung stehen und für Besucher*innen öffentlich zugänglich sein.