Goldhort von Gessel ab heute komplett in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland" zu sehen

11.12.2018
Gropius Bau

Ab sofort und bis zum Ende der Laufzeit wird der Goldhort von Gessel erstmals vollständig außerhalb des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ gezeigt.

Er ist einer der größten jemals geborgenen Goldschätze aus der Bronzezeit. Seine Entdeckung auf einer archäologischen Ausgrabung des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege im Vorfeld für die OPAL-Erdgas-Pipeline war eine wissenschaftliche Sensation, die es anschließend ermöglichte den Fund unter Laborbedingungen auszugraben und die einzelnen Schmuckobjekte detailliert weiter zu untersuchen. Er besteht aus insgesamt 117 Objekten ausschließlich aus Gold mit einem Gesamtgewicht von 1,7 kg. In der Ausstellung ist der Goldhort von Gessel im Bereich Austausch verortet, da er als Warenlager gilt und Fernkontakte nach Südosteuropa und wohl sogar Zentralasien offenbart.  Dem Goldhort direkt gegenüber gestellt ist der Kupferbarrenfund aus Oberding aus Bayern. Beide Fundkomplexe zeigen auf, dass bereits in der Bronzezeit wertvolle Waren wie Gold und Kupfer für den Handel in normierten Mengen und Größen zusammengefasst wurden und es demnach ein einheitliches Mengenmaß gegeben hat.

Die Bronzezeit Europas zeichnet sich durch tausende Objekte aus Metall aus, die bewusst deponiert wurden. Durch diese Schätze aus dem Boden lässt sich eine rituelle Praxis rekonstruieren, die sich häufig auf landschaftlich herausgehobene Stellen wie Moore, Seen und Übergangszonen beziehen, die eine Deutung als Opferplätze denkbar macht.

„Nach dem Abschluss von aktuellen Forschungsarbeiten können wir nun den Goldhort von Gessel in seiner ganzen Pracht zeigen“, so Matthias Wemhoff. „Aus der Menge an Gold könnte man gleich alle drei Goldhüte herstellen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Dies zeigt, dass in der Bronzezeit viel mehr Gold in Umlauf gewesen ist, als wir uns das bisher vorstellen konnten. Der Gesseler Fund besteht überwiegend aus Golddraht, immer zehn aufgerollte Drähte sind miteinander verbunden. Das Gold war also kein Schmuck, sondern ein verlässlicher Wert, mit dem man europaweit Handel treiben konnte.“

Der Pferdekopf des römischen Reiterstandbilds von Lahnau-Waldgirmes wird hingegen nur noch bis einschließlich dem 17. Dezember 2018 in der Ausstellung zu sehen sein, bevor er die Rückreise nach Hessen antritt.