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Gewinner*innen des Nachwuchswettbewerbs für Kunstmedaille „Drei Grazien“ stehen fest

23.11.2020
Münzkabinett

Am 19. Dezember 2019 schrieb das Münzkabinett gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst e. V. und der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin e. V. einen Preis für eine Kunstmedaille zum Thema „Drei Grazien“ aus.

Die Darstellung der „Drei Grazien“ im Wandel der Zeiten

Die Chariten wurden allgemein als schöne, meist unbekleidete junge Frauen dargestellt. Im Hellenismus hat ein unbekannter Bildhauer sie als Dreiergruppe komponiert: zwei stehen in Front- und die dritte davor mittig in Rückenansicht zum Betrachter. Seit der Renaissance wurde die Gruppe vielfach wiederholt und abgewandelt.

Das erlaubt gerade auch eine weiterführende Interpretation und Entwicklung des Motivs in unserer heutigen Welt. Für die Kunstmedaille der Gegenwart bietet es sich an, neben realistischen, abstrahierenden, politischen, ironischen bzw. humorvollen Darstellungen auch Themen zu Klima, Soziologie und Politik zu bearbeiten.

Der Wettbewerb

Zur Teilnahme am Wettbewerb waren Studierende aller künstlerischen Bereiche von Hochschulen, aber auch alle Nachwuchskünstler*innen eingeladen. Für den ersten Platz wurde ein Preisgeld von 1.000 Euro, für den zweiten von 600 Euro und für den dritten Platz von 400 Euro vergeben. Der Jury gehörten Marianne Dietz (Bildhauerin, Berlin), Carsten Theumer (Bildhauer, Halle), Prof. Klaus Kowalski (Bildhauer, Wunstorf und Auslober des Preises), Dr. Johannes Eberhardt (DGMK/Münzkabinett Berlin), Dr. Angela Berthold (Münzkabinett Berlin), Prof. Dr. Bernhard Weisser (DGMK/Münzkabinett Berlin), Dr. Andreas Schikora (Münze Berlin) und Prof. Dr. Jannis Hourmouziadis (Berlin) an.

Die Gewinner*innen

Im Nachwuchswettbewerb erlangten zwei Frauen und ein Mann mit ihren Arbeiten den ersten, zweiten und dritten Preis. Herzliche Glückwünsche für ihre Medaillen gebühren jedoch allen Teilnehmer*innen in diesem Nachwuchswettbewerb, die von der ersten Idee und dem Herantasten an die künstlerische Umsetzung bis zur pünktlichen Einsendung ihrer Arbeit einen beachtlichen Weg zurückgelegt haben.

  • Der erste Preis geht an Svea Finck aus Wismar für ihre Arbeit mit dem Titel „Tell mE HoW tO bE A WOmEn”. Svea Finck reichte eine Medaille ein, die vom Konzept bis zur beachtenswerten Umsetzung überzeugt. Der politisch engagierte Beitrag verortet Positionen von Frauen in unserer Gesellschaft. Svea Fincks Grazien können als ein Aufschrei gegen gruppen- und geschlechterbezogene Zwänge, Ungerechtigkeiten und Gewalt gelesen werden. Befunde werden offengelegt, die – obgleich so alt wie die Gesellschaft, in der wir leben – von trauriger Aktualität sind. Die Jury schätzt insbesondere Idee und Kühnheit der Umsetzung. Engagement und Ergebnis sind ebenso überzeugend wie die Auseinandersetzung mit dem Thema des Wettbewerbs. Die beiden Seiten der rundvariiert-plektrumförmigen Medaille zeigen das Potential der Medaillenkunst, auch in der Zukunft ästhetisch wie auch gesellschaftspolitisch wertvolle Beiträge leisten zu können.

  • Der zweite Preis erlangte Katja Neubert aus Halle/Saale für ihre Medaille mit dem Titel „Drei Grazien“. Gleichzeitigkeit und Verschmelzung kennzeichnen die Medaille, die nicht nur durch ihre technisch hervorragende Gestaltung, sondern vor allem durch Idee und Ausarbeitung besticht. Katja Neuberts Grazien sind durch Anforderungen an Leistung, Zeitmanagement und Effizienzsteigerung zerrissen-vereint und in Bewegung. Die Jury schätzte neben der künstlerisch-technischen Leistung vor allem den originellen Ansatz, die „Drei Grazien“ im Relief subtil verschmelzen zu lassen und dabei doch dynamische Vielfalt zu bewahren. Die persönliche Note der Umsetzung bezieht Betrachtende auch anhand der Rückseitengestaltung unmittelbar mit ein. Das Thema ist aus dem Objekt heraus erkennbar und wurde eindrücklich auf verschiedenen Ebenen berücksichtigt. Alltägliches Begehren, Sinnesfreuden und Mühen werden durch die Medaille auf intime Weise greifbar.

  • Der dritte Preis geht an Claudius Riedmiller aus Stuttgart für seine Medaille, die ebenfalls den Titel „Drei Grazien“ trägt. Diese erste selbstgefertigte Kunstmedaille des Münzgestalters besticht durch Präzision und technische Raffinesse. In ihrer reduzierten grafischen Anmutung zeitlos und ästhetisch, verdichtet die Medaille das Thema in konsequenter Weise. Drei nahezu perfekt geformte Wölbungen wurden erzielt, indem ein in Ton aufgebautes Modell digital abgeformt, dann durch Gravierung in Bronze wiedergegeben und patiniert wurde. Im Rahmen des Wettbewerbs sind die Rundungen, Farbschemen und Positionierung überzeugend mit den Drei Grazien in Verbindung zu bringen. Claudius Riedmillers „Drei Grazien“ stellen Fragen nach den vielen denkbaren Inhalten, die hinter den spiegelnden Wölbungen verborgen bleiben.

Medaillenkunst von morgen

Das dichte Feld, das die meisten Beiträge in den verschiedenen Wertungsrunden während des Preisgerichts bildeten, zeugt von ihrer überwiegend hohen Qualität. Aufgrund des wagemutigen Motivs und der bildhauerischen Qualität konnte sich die junge Künstlerin Svea Finck mit ihrer ersten Medaillenarbeit gegenüber erfahreneren Medaillengestaltern als Preisträgerin durchsetzen. Lob gilt besonders den Studierenden im Wettbewerb. Sie schüren mit ihren Arbeiten Hoffnung und Vorfreude auf die Medailleur*innen von morgen.

Da es leider in nächster Zeit nicht möglich ist, die Preisverleihung in angemessener Form in Berlin durchzuführen, soll sie zu Beginn des nächsten Jahres als Online-Event stattfinden.

Eine Auswahl der besten Arbeiten soll ab 27. November 2020 in der neuen Sonderausstellung des Münzkabinetts zu dem Thema „Von Eva bis Greta. Frauen auf Münzen und Medaillen“ im Bode-Museum auf der Museumsinsel Berlin gezeigt werden.