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„Geteiltes Wissen“: Gemeinsame Provenienzforschung – Wissenschaftler*innen aus Amazonien im Ethnologischen Museum

05.10.2018

In Folge des Pilotprojekts „Wissen teilen“ (2014–2015), arbeitet das Ethnologische Museum nun im kollaborativen Langzeitprojekt „Geteiltes Wissen“ mit Partnern aus Brasilien, Kolumbien und Venezuela zusammen. Gemeinsam werden ethnographische Objekte aus dem nordöstlichen und nordwestlichen Amazonastiefland aus der Museumssammlung untersucht. Rund um das projektinterne Mid-Term-Symposium sind nun die Partner zu Workshops und Depotarbeiten zu Gast in Berlin.

Rund 3.000 Objekte zuzüglich Fotografien, Musikaufnahmen und Filme aus dem Ethnologischen Museum, deren Provenienz zuvor aus westlicher Sicht dokumentiert wurde, bilden den Gegenstand der Zusammenarbeit. Viele der Objekte, etwa Gefäße, Schmuck und Musikinstrumente, vereinen in den Herkunftskulturen mehrere Bedeutungsebenen, darunter die Art ihrer Herstellung, die verwendeten Materialien, ihre Funktion in Tauschnetzwerken und teilweise auch die Verwendung in Ritualen. Im engen Austausch soll die Provenienz daher erweitert werden: Welche Geschichten kennen die Partner zu den Objekten? Gilt es Perspektiven der Indigenen zu berücksichtigen, die bisher unterrepräsentiert sind? Welche Fragestellungen halten die Partner für besonders relevant? Welche Bedeutung messen sie den musealisierten  Objekten bei? Und welche Handlungsempfehlungen lassen sich daraus ableiten?

Zentrale Arbeitsgrundlage ist eine eigens für das Projekt entwickelte Onlinedatenbank. Hier werden seit 2015 Angaben zu den betreffenden Objekten der Berliner Sammlungen sowie zu ähnlichen Objekten aus dem Besitz der Partner auf einer geschützten Plattform zur Verfügung gestellt und diskutiert. Die Plattform ist multilingual angelegt und umfasst derzeit Spanisch, Portugiesisch, Deutsch, Englisch und neun indigene Sprachen.

Zur Halbzeit des Projekts zeigt sich allerdings bereits, dass für die indigenen Partner die Umstände des Besitzwechsels derzeit weniger im Fokus stehen. Vielmehr ist ihnen die Erfassung der Funktion im Ritual, der Herstellung und des mythische Ursprungs der verwendeten Materialien wichtig: Manche Objekte sind machtvolle Repräsentationen der Ursprungsmythen, vieles ist in ähnlicher Form noch in Gebrauch, anderes ist heute nicht mehr existent und teils sogar vergessen. Allen im Museum bewahrten Objekten ist gemeinsam, dass sie aus Sicht der indigenen Partner das Territorium, von dem sie stammen, repräsentieren. Insbesondere für rituelle Objekte, die aus Sicht der Partner Lebewesen bzw. Ahnen verkörpern, werden derzeit neue, respektvolle Formen der Aufbewahrung konzipiert und realisiert.

Die Ergebnisse der Forschung werden in die Medienstationen der Dauerausstellung „Die Welt als Rundhaus – Vom Ursprung und Leben der Dinge in Amazonien“ Humboldt Forum einfließen.

„Geteiltes Wissen“ ist die Fortsetzung und Erweiterung des Pilotprojekts „Wissen teilen“ (2014–2015), das im Rahmen des Humboldt Lab Dahlem (2012–2015) stattfand und von der SPK und der Kulturstiftung des Bundes getragen wurde. Das aktuelle Folgeprojekt „Geteiltes Wissen“ (2016–2020)  wird gefördert von der VolkswagenStiftung und der Kulturstiftung des Bundes.