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Generaldirektor Michael Eissenhauer im Interview

30.09.2010
Gipsformerei - Kunstmanufaktur seit 1819

Herr Eissenhauer, welche Bedeutung hat der Standort Kulturforum für Berlin und für Sie ganz persönlich?

Das Kulturforum ist ein Ort, an dem sich unsere Geschichte verdichtet: Im 19. Jahrhundert entstand in diesem Areal ein Villenvorort, in dem zahlreiche jüdische Bewohner lebten. In der NS-Zeit wurde das Gebiet radikalen städtebaulichen Maßnahmen unterworfen. Und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg manifestierte sich hier die Teilung Deutschlands - bis schließlich der Wiederaufbau und der Fall der Mauer den Weg frei machten für eine kulturelle Wiederbelebung und ein Anknüpfen an die historische Moderne. Somit wird man an diesem Ort mit dem Lauf der Geschichte konfrontiert, was durchaus ein emotionales Erlebnis ist.

Welchen Stellenwert hat das Kulturforum für die Staatlichen Museen zu Berlin?

Ganz klar: Dieser Standort der europäischen Moderne ist neben der Museumsinsel das wichtigste Standbein der Staatlichen Museen zu Berlin. Und es ist unser Ziel, das Kulturforum gleichwertig auszubauen. Die hier ansässigen Sammlungen visualisieren mit ihrem Facettenreichtum die Ideengeschichte von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Dies gilt es, unseren Besucherinnen und Besuchern bestmöglich nahe zu bringen.

Worin liegt das gegenwärtige Potential dieses Ortes?

Die räumliche Nähe der Sammlungen, die hier beheimatet sind, ermöglicht einen intensiven Austausch und Dialog. Sammlungen, wie die Kunstbibliothek und das Kupferstichkabinett, die zum Beispiel in diesem Jahr unter dem Thema "Welt aus Schrift" und "Schrift aus Bild" ein gemeinsames Ausstellungsprojekt gestartet haben, können sich gegenseitig mit ihren Beständen ergänzen und spannende Kooperationen ins Leben rufen.

Was ist Ihre Vision für das Kulturforum?

Dieser Ort und seine Zukunft liegen mir sehr am Herzen. Daher gibt es auch zahlreiche Pläne und Wünsche, die realisiert werden sollen: Da sind zunächst einmal die Sanierung der Neuen Nationalgalerie sowie räumliche Veränderungen für die Sammlungen im zentralen Gebäude des Kulturforums. Sehr gerne möchten wir eine Galerie des 20. Jahrhunderts etablieren, der aber ein Umzug der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel vorausgehen müsste. Außerdem sollen die Kunstbibliothek und das Kupferstichkabinett erweitert werden. Und schließlich gibt es Überlegungen, das Museum Europäischer Kulturen aus Dahlem dem Kunstgewerbemuseum zur Seite zu stellen, damit diese beiden Sammlungen enger zusammenarbeiten können. Es geht also darum, diesen bedeutsamen Ort zu einem lebendigen kulturellen Zentrum Berlins zu machen, das gerne von Touristen besucht wird, aber vor allem auch von den Berlinern selbst als ein Raum begriffen wird, der durch Wissensvermittlung, Austausch und Unterhaltung für jeden ein interessantes Angebot bereit hält.

Das Interview erschien in der Museumszeitung der Staatlichen Museen zu Berlin (Ausgabe 4/2010).