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Fertig restauriert in Gent: Jan van Eycks Porträt des Baudouin de Lannoy

03.02.2020
Gemäldegalerie

Jan van Eycks Porträt des Baudouin de Lannoy ist fertig restauriert. Nach mehrmonatiger Restaurierung wird das Gemälde ab Mitte Mai wieder in der Gemäldegalerie zu sehen sein. Derzeit kann es in der Ausstellung „Jan van Eyck – Eine optische Revolution“ im Museum voor Schone Kunsten Gent, Belgien bewundert werden (1. Februar bis 30. April 2020), durch deren Unterstützung die Restaurierung ermöglicht wurde.

Neue Details nach der Restaurierung

Nachdem das Bildnis bisher nur in einem durch dicke gelbe und vergraute Firnisschichten beeinträchtigten Zustand bekannt war, hat es durch die Restaurierung viel seiner ursprünglichen Farbigkeit zurückgewonnen und kann in seinen zahllosen Details gewürdigt werden. Der beeindruckende Illusionismus in der Darstellung von Materialoberflächen, wie er für van Eyck charakteristisch ist, kommt jetzt wieder in seiner ganzen Präzision zur Geltung.

So treten die bläulich schillernden Nuancen des rot-violetten Goldsamtes nun klar hervor. Die hellen Kanten der Gewandfalten zeigen mit weißen und blauen Pigmenten ausgemischte Lichter im dunkelroten Samt. Durch eine differenzierte Farbigkeit der Goldornamente von Hellgelb, Gelb bis Orange und Ocker erzeugt van Eyck eine beeindruckende Plastizität des Faltenwurfes. Auch die Feinheiten der Pelzdarstellung sind bestechend: Der feine, rötliche Pelz der Verbrämung im Gewand bricht am Kragen so plastisch auf, dass hier das andersfarbige Fell in der Tiefe sichtbar wird. Es unterscheidet sich deutlich von dem langhaarigen, fast beweglich erscheinenden Pelz des Hutes. Beide Pelzarten stammen ganz offensichtlich von unterschiedlichen Tieren.

Unter Übermalungen verborgene Einzelheiten freigelegt

Ein besonders interessantes Detail ist auf der Stirn des Dargestellten zu sehen: hier konnte während der Restaurierung eine originale, gemalte Narbe freigelegt werden, die bisher unter Übermalungen verborgen war. Die Falten um seine Augen, die Warze auf der Wange und seine Hautrötungen wurden von van Eyck detailliert beobachtet und minuziös dargestellt.

Während der eingehenden Voruntersuchung des Gemäldes ließen sich über der Malerei zahlreiche alte Firnisschichten differenzieren, die in den vergangenen Jahrhunderten aufgetragen worden waren. In der Restaurierung gelang es, einen dünnen, alten Überzug auf der Malerei zu erhalten und die Vielzahl der aufliegenden Schichten stark zu reduzieren. Die optische Wirkung konnte dadurch erheblich verbessert werden. Der deutlich schlechter erhaltene Hintergrund war ganzflächig schwarz übermalt und verdeckte die feinen Härchen des Pelzhutes entlang der Kontur. Diese Einzelheiten konnten durch Abnahme der Übermalungen wieder gewonnen werden. Kleinere Schäden im Gesicht wurden retuschiert und ein dünner schützender Firnis aufgetragen.

Jan van Eycks Portrait des „Baudouin de Lannoy“

Das kleine, um 1438/40 entstandene Tafelbild mit dem Brustbild eines hageren Mannes mittleren Alters mit strengem Gesichtsausdruck und halb geschlossenen Augen gehört zu dem herausragenden Bestand an Gemälden von Jan van Eyck in der Gemäldegalerie. Baudouin de Lannoy war Ratgeber und Kammerherr Philipp des Guten, des Herzogs von Burgund, und kannte also van Eyck als dessen Hofmaler. Seine Kleidung aus bräunlich-purpurfarbenem Goldsamt, der große Pelzhut und die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies zeigen seinen hohen gesellschaftlichen Status, den er am Hofe des Herzogs innehatte.

Im relativ kleinen Œuvre des Jan van Eyck existieren mehrere stark individualisierte, kleinformatige Portraits. Seine Malerei zeichnet sich durch eine ausgesprochen feinteilige, differenzierte Malweise und besonders subtile Darstellung von Oberflächen aus. Diese beeindruckenden Details waren im bisherigen Zustand des Berliner Gemäldes nicht mehr wahrnehmbar.

Das Gemälde ist seit 1902 im Besitz der Gemäldegalerie. Die Rückseite des auf Eichenholz gemalten Portraits zeigt nur wenige Reste einer steinimitierenden Malerei, wie sie häufig auf Portraits des 15. Jahrhunderts zu finden ist. Der originale, ursprünglich fest mit der Tafel verbundene Rahmen ist heute verloren.