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Europaweite Zusammenarbeit für die Kulturerbe-Forschung

14.07.2020

Das Rathgen-Forschungslabor koordiniert die deutschen Projektaktivitäten im Rahmen des EU-Infrastrukturprojekts IPERION HS, das seine Arbeit am 1. April 2020 aufgenommen hat. IPERION HS steht für "Integrating Platforms for the European Research Infrastructure on Heritage Science".

Das Projekt bereitet den Weg, als Bestandteil der ESFRI-Roadmap (European Strategy Forum on Research Infrastructures) eine gesamteuropäische permanente Infrastruktur auf dem Gebiet der Heritage Science (Kulturerbe-Forschung) bis zum Beginn der "Operational Phase" des Forschungsinfrastrukturnetzwerks E-RIHS (European Research Infrastructure on Heritage Science) im Jahr 2023 zu etablieren.

An IPERION HS beteiligen sich derzeit 23 Länder (darunter die Nicht-EU-Staaten Israel, Mexiko, Brasilien und die Vereinigten Staaten von Amerika) mit daktuell 68 Forschungseinrichtungen auf dem interdisziplinären Gebiet der Konservierungswissenschaften, Archäologie, Bau- und Materialkunde etc. Damit erschließt sich für zahlreiche Wissenschaftler*innen und Restaurator*innen ein grenzübergreifender Zugang zu modernster stationärer naturwissenschaftlicher Analytik (FIXLAB), mobilen Untersuchungsmethoden (MOLAB), physischen Datensammlungen und Archiven (ARCHLAB) sowie zu einer sich entwickelnden Plattform digitalisierter Daten (DIGILAB).

Partner im deutschen Konsortium sind folgende Einrichtungen:

  • Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) der Technischen Universität München,
  • Institut für Technische und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen,
  • Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen,
  • Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP),
  • Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA),
  • Competence Center Archaeometry Baden-Württemberg (CCA-BW) der Eberhard Karls Universität Tübingen,
  • Deutsches Archäologisches Institut (DAI)

ARCHLAB

Die Plattform ARCHLAB ermöglicht Naturwissenschaftler*innen, Restaurator*innen, Denkmalpfleger*innen und anderen den Zugang zu umfangreichen wissenschaftlichen Datenbeständen in Archiven und Sammlungen. Dazu gehören zum Teil unveröffentlichte analytische Daten, technische Darstellungen, Referenzproben und Dokumentationen zur Bestandserhaltung aus den Archiven europäischer Institutionen.

Über Bewerbungen für den Zugang zu ARCHLAB wird zweimal pro Jahr durch ein Fachgremium entschieden.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ermöglicht innerhalb ARCHLAB einem weiten Interessentenkreis die Nutzung der Archive, Bibliotheken und Datensammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin.

FIXLAB

IPERION HS ermöglicht Forscher*innen die Nutzung nicht-transportabler technischer Ausstattungen großer und mittelgroßer Anlagen für ihre Untersuchungen. So kann an hochspezialisierten Geräten wie Teilchenbeschleunigern, Massenspektrometern oder Neutronenquellen geforscht werden. Zusätzlich sind auch spezielle Laboreinrichtungen wie Reinstlabore, z. B. für molekulargenetische Untersuchungen oder Ultraspurenanalytik, beteiligt.

Nutzer*innen können zum einen Naturwissenschaftler verschiedener Fachrichtungen sein. Zum anderen kommen auch Vertreter der historischen Wissenschaften von der Archäologie bis zur Kunst- und allgemeinen Geschichte sowie Restauratoren, Denkmalpfleger und kleine und mittlere Unternehmen in Betracht, die in der Kulturerbe-Forschung tätig sind.

MOLAB

MOLAB (Mobile Labor) ist neben dem FIXLAB eine weitere wesentliche Forschungsplattform in IPERION HS. MOLAB ermöglicht die Untersuchung von Kulturgütern mithilfe spezieller und dedizierten tragbaren Geräten, weil viele archäologischer Artefakte, Kunstwerke aber auch Skulpturen existieren, die aus den unterschiedlichsten Gründen (Wert, Fragilität, Größe, Transport/Versicherungskosten etc.) immobil sind und nicht von ihrem Standort zu entsprechenden Analyselaboren transportiert werden können. Andere Objekte des Kulturerbes wie Gebäude oder Denkmäler sind zudem grundsätzlich immobil. Die notwendigen Materialanalysen muss aufgrund der Einzigartigkeit der Objekte vielfach nichtzerstörend ohne Probenahme durchgeführt werden. Eine Charakterisierung all dieser Objekte des Kulturerbes mit nichtinvasiven Untersuchungsmethoden ist somit nur an demselben Ort möglich, an dem sich das zu untersuchende Objekt befindet. Die dafür notwendigen mobilen Analyseverfahren müssen daher eine möglichst allumfassende chemische und strukturelle Charakterisierung anorganischer, metallischer aber auch organischer Materialien ermöglichen.

Nutzer*innen von MOLAB können eine breite Palette von Wissenschaftler*innen und Interessent*innen aus Wissenschaft oder Industrie sein, die Forschung in Zusammenhang mit Kulturerbe-Projekten durchführen.