Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst eröffnen ihre Räume im Westflügel des Humboldt Forums

21.09.2021
Humboldt Forum

Schätze der Weltkulturen aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien sind ab dem 23. September 2021 in der zweiten und dritten Etage des Humboldt Forums zu sehen. Die Bestände der beiden Museen waren bis vor vier Jahren in Berlin-Dahlem ausgestellt. Zahlreiche Objekte jedoch werden nun erstmals gezeigt. Auf mehr als 8.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche und in mehr als 30 Ausstellungsmodulen werden rund 10.000 Exponate präsentiert und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Mit den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum und jenen zur Kunst- und Kulturgeschichte Europas und des Nahen Ostens auf der Museumsinsel Berlin wird die Mitte Berlins zu einem wahren Ort der Weltkulturen.

Zu den Highlights gehören besondere Objekte wie ein 50 Quadratmeter großes chinesisches Bild einer Buddhapredigt aus dem 18. Jahrhundert, ein Thron aus dem Königreich Bamum (Kamerun) aus dem 19. Jahrhundert, Boote aus verschiedenen Regionen Ozeaniens, die teilrekonstruierten Höhlen der Seidenstraße, die Kunstschätze des Hinduismus und japanische Stellschirme. In die Ausstellungen integriert sind auch zeitgenössische künstlerische Interventionen, die sich unmittelbar auf die Sammlungen beziehen oder in Auseinandersetzung mit ihnen entstanden sind, etwa die raumgreifende „Township Wall“ des angolanischen Künstlers Antonio Ole oder ein als Kunstwerk gestaltetes Kleid der namibischen Modekünstlerin Cynthia Schimming. Spektakulär sind auch die Raumgestaltungen wie etwa der elliptische Hörraum der Musikethnologie vom chinesischen Architekten und Pritzker-Preisträger Wang Shu gestaltete Raum im Museum für Asiatische Kunst.

Ein weiteres Highlight ist der ebenfalls von Wang Shu gestaltete Saal zur chinesischen Hofkunst, der die gegenseitigen künstlerischen Einflüsse zwischen China und Europa beleuchtet. Die Arbeit wurde großzügig vom Kuratorium Preußischer Kulturbesitz unterstützt. 

Kritische Aufarbeitung von Provenienzen und Erwerbungskontexten

Die Sammlungen und die gezeigten Objekte werden aus unterschiedlichen Perspektiven präsentiert oder kommentiert. Von Beginn an war es ein Anliegen der Kurator*innen, einen multiperspektivischen Ansatz zu verfolgen. Damit war die Zusammenarbeit mit internationalen Partner*innen und Mitgliedern von Herkunftsgesellschaften integraler Bestandteil des Ausstellungskonzepts. Dabei präsentieren die Museen nicht nur aktuelle, kooperative Forschung zu den Objekten und neue Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte, sondern stellen sich auch der eigenen Sammlungsgeschichte und aktuellen postkolonialen Fragen. Die kritische Aufarbeitung der Provenienzen und Erwerbungskontexte ebenso wie deren Einbettung in die Kolonialgeschichte sind Teil der Erzählung im Humboldt Forum und werden die Arbeit an den Sammlungen auch weiterhin prägen.

Herkunft der Objekte in den Sammlungen vermitteln und diskutieren

Zahlreiche Angebote widmen sich der Vermittlung der Herkunft der Objekte in den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst und den damit verbundenen Fragestellungen und möglichen Problematiken: So führt etwa ein Begleitheft anhand ausgewählter Sammlungskontexte und Objekte in die Vielfalt und Herausforderungen der Provenienzforschung ein und erklärt, warum es wichtig ist, die Herkunft der Stücke in kulturellen Kontexten zu erforschen und wie dabei vorgegangen wird. In Führungen erkunden die Besucher*innen mit den Provenienzforscher*innen selbst das Haus und haben die Gelegenheit, in ein direktes Gespräch zu möglichen problematischen Provenienzen zu treten.

Perspektiven auf Objekte und Geschichten erlebbar machen

Ziel der Ausstellung im Humboldt Forum ist es, die Multiperspektivität auf die Objekte und die Geschichten sichtbar und hörbar zu machen – und dies so partizipativ und inklusiv wie nur möglich. Im Rahmen der Neu-Präsentation der beiden Museen wird daher sehr vermittlungsorientiert gearbeitet – etwa mit einem durchgängigen Einsatz von Grafik, digitalen Medien und deutlich ausgewiesenen Flächen für Familien, Kinder und Jugendliche. 

In den Schaumagazinen und Studiensammlungen beider Museen mit ihren jeweils verdichteten Objektpräsentationen in großen Vitrinen-Konstruktionen werden die Sammlungsbestände nach unterschiedlichen Themenschwerpunkten geordnet gezeigt. Diese Form der Präsentation unterstreicht die Bedeutung von Sammlungen als Grundlage eines jeden Museums, von der ausgehend Ausstellungen und andere Projekte immer wieder neu entwickelt werden können. Dabei werden unter anderem das Sammeln, die Sammlungsgeschichte und damit auch die Provenienz der gezeigten Exponate thematisiert.

Familienflächen, Aktionsräume und Wechselausstellungsflächen

Vier große Familienflächen richten sich an Familien, Kinder und Jugendliche. In Aktionsräumen und Meetingpoints finden zudem verschiedene Gruppenaktivitäten oder kleinere Veranstaltungen für bis zu 50 Personen statt. Auch erste Wechselausstellungsflächen werden eröffnet: Diese zusammen mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss realisierten Ausstellungen ermöglichen durch unterschiedlich gesetzte Schwerpunkte eine raschere und flexiblere Bezugnahme auf aktuelle Themen, Fragen, Entwicklungen und Herausforderungen im globalen Kontext. Die Wechselausstellungsflächen werden mit Eröffnung des Ostflügels 2022 auf 15 Räume im zweiten und dritten Geschoss verteilt sein.

Kollaborative Ansätze im Humboldt Forum

Auf die Geschichte des Berliner Schlosses, das auf vielfältige Weise mit den Museen und Sammlungen nicht nur über die Keimzelle der historischen Kunstkammer verbunden ist, verweisen verschiedene Objekte im Rahmen der gemeinsam mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss gestalteten „Spuren“. Schließlich wird das Raumprogramm der Dauerausstellung um interdisziplinäre, naturwissenschaftliche „Blickfenster“ in Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum Berlin und dem Botanischen Garten, Botanisches Museum, ergänzt.