Ernst von Siemens Kunststiftung fördert Restaurierung von bedeutenden Kunstwerken mit Kriegsschäden für das Bode-Museum

11.04.2018
Bode-Museum

Die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin restaurieren derzeit 59 Kunstwerke, darunter zahlreiche Skulpturen und Reliefs der Renaissance-Zeit. Sie gehören zu den Objekten, die im Zweiten Weltkrieg von der Museumsinsel in den Flakbunker Friedrichshain ausgelagert wurden und dort schwere Schäden erlitten haben. Die Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht nun maßgeblich die Restaurierung dieser Arbeiten sowie mehrere Forschungsprojekte im Rahmen der Förderprogramms KUNST AUF LAGER.

Im Mai 1945 zerstörten zwei verheerende Brände im Flakbunker Friedrichshain große Teile der dorthin ausgelagerten Sammlungsbestände der Berliner Museen. Über 430 Bilder der Gemäldegalerie fielen den Flammen zum Opfer sowie antike und nachantike Skulpturen, Keramiken, Elfenbeine, Tapisserien und Goldschmiedearbeiten. Ein Großteil der noch erhaltenen Werke – die meisten beschädigt oder nur mehr in Teilen erhalten – wurde von russischen Trophäenbrigaden in die ehemalige Sowjetunion verlagert. Ein Teil der Bestände kehrte in den Jahren 1958/1959 im Zuge einer großen Rückgabeaktion von rund 1,5 Millionen Kunstwerken wieder nach Berlin zurück. Zahlreiche Objekte erhielten danach nur Notsicherungen und waren Gegenstand von Reinigungs- oder Restaurierungsversuchen mit den Methoden und Materialien der 1950er-Jahre – bis heute, 73 Jahre nach Kriegsende, sind sie noch immer nicht ausstellungsfähig.

Dank der großzügigen Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung konnte 2017 ein umfassendes Restaurierungsprojekt für die Bestände des Bode-Museums gestartet werden, die von den Spuren der Brände und ihrer dramatischen Geschichte in und nach dem Krieg gezeichnet sind. Im Rahmen der Initiative KUNST AUF LAGER werden adäquate Restaurierungs- und Ergänzungsmaßnahmen erarbeitet und durchgeführt.

Ausgewählte Werke des Restaurierungsprojekts

59 Kunstwerke mit Schäden aus der Kriegs- und Nachkriegszeit werden derzeit in den Depots und Restaurierungswerkstätten konserviert und restauriert, darunter Fragmente karolingischer Elfenbeine, fragile koptische Goldgläser, eine Ikone sowie Textilien und Lederwaren.

Donatellos „Madonna mit vier Cherubim“

Zu den Skulpturen und Reliefs der zumeist italienischen Renaissance zählen Meisterwerke wie Donatellos „Madonna mit vier Cherubim“ aus ursprünglich gefasster Terrakotta, die ihre ursprüngliche Fassung verloren hat und deren als Notsicherung fungierende Eisenarmierungen das Werk durch Korrosion zu sprengen drohen.

Tullio Lombardos „Schildträger“

Tullio Lombardos „Schildträger“ schmückten ursprünglich das Grabmal des Dogen Andrea Vendramin in der venezianische Kirche Santa Maria dei Servi und waren seit 1841 Teil der Berliner Sammlung. Die Brände 1945 haben die Figuren in einen so prekären Zustand versetzt, dass sie bis heute horizontal gelagert werden müssen, da sie ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen können. Es ist vorgesehen, den Marmor durch geeignete Konservierungsverfahren zu stabilisieren und die Fragmente mit Hilfe von Stütz- und Haltekonstruktionen wieder aufrecht ausstellbar zu machen.

„Dreieinigkeit“ aus Terrakotta

Bis zum Zweiten Weltkrieg galt eine „Dreieinigkeit“ aus Terrakotta als ein Meisterwerk der Schule von Ferrara im 15. Jahrhundert. Das Werk wurde durch die Transporte der Nachkriegszeit schwer beschädigt; seit 1958 hat es das Depot nicht verlassen. Viele Forscherinnen und Forscher gehen deshalb irrtümlich davon aus, dass das Werk 1945 zerstört wurde. Ziel der Restaurierung ist es, die Einzelteile und Fragmente wieder zu einem Komplex zusammenzufügen.

KUNST AUF LAGER

Die Förderung der aufwendigen Restaurierungen erfolgt im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“, die im Februar 2014 als Bündnis zur Erschließung und Sicherung von Museumsdepots initiiert wurde. Im Fokus stehen die Sammlungen der Museen: von den Herausforderungen ihrer Bewahrung bis zu den Chancen, die sie eröffnen. Dringend notwendige Maßnahmen der Restaurierung und Konservierung konnten durchgeführt, Lagerbedingungen verbessert und wiederentdeckte Bestände erforscht werden. Ausstellungen, Bestandskataloge und Online-Präsentationen schaffen neue Aufmerksamkeit.

14 private und öffentliche Institutionen gehören ihr an: die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Gerda Henkel Stiftung, die Hermann Reemtsma Stiftung, die Kulturstiftung der Länder, der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Richard Borek Stiftung, die Rudolf-August-Oetker-Stiftung, die Stiftung Niedersachsen, die VGH-Stiftung, die VolkswagenStiftung, die Wüstenrot Stiftung, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gert Bucerius sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Weitere Informationen gibt es unter www.kunst-auf-lager.de.