Die Wiedereinrichtung des James-Simon-Kabinetts im Bode-Museum

09.07.2019
Bode-Museum

Im Bode-Museum wird ein Museumsraum mit Werken der Renaissance in seiner Gestaltung so rekonstruiert, wie er bei der Eröffnung des Museums 1904 ursprünglich ausgesehen hat. Bei den ab 12. Juli 2019 gezeigten Werken handelt es sich um die Privatsammlung des größten Gönners der Geschichte der Berliner Museen, James Simon.

James Simon (1851-1932) war ein erfolgreicher Unternehmer und der größte Mäzen in der Geschichte der Berliner Museen. 1904 stiftete er seine persönliche Sammlung von Werken der italienischen Renaissance – darunter Andrea Mantegnas anrührende Maria mit dem schlafenden Kind – unter der Bedingung, dass das Ensemble einhundert Jahre lang im selben Raum ausgestellt werden sollte.

Doch die namentliche Präsenz und Ehrung eines jüdischen Mäzens konnte in der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund der antisemitischen Ideologie nicht aufrechterhalten werden. Als Konsequenz wurde das Kabinett 1939 aufgelöst. Anlässlich der Eröffnung der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel wird es in seinem ursprünglichen Raum wieder neu eingerichtet und am 12. Juli 2019 eröffnet.

James Simon und die Berliner Museen

James Simons erste große Schenkung an die Berliner Museen erfolgte 1904 zur Eröffnung des Kaiser-Friedrich-Museums, dem heutigen Bode-Museum. Für den Kunstsammler und preußischen Patrioten James Simon war es wichtig, an diesem Unternehmen beteiligt zu sein. Seine Schenkung umfasste Kunstwerke der Renaissance, groß- und kleinformatige Skulpturen, Gemälde, Möbel und eine reichhaltige Sammlung an Medaillen. Diese bedeutende, an die 500 Objekte umfassende Stiftung war an die Bedingung geknüpft, dass diese Sammlung „für die nächsten 100 Jahre in einem besonderen Kabinett des Kaiser-Friedrich-Museums als Teil der Sammlung italienischer Skulpturen vereinigt bleiben solle“.

Das James-Simon-Kabinett

Hauptwerke einer Seitenwand des Simon-Kabinetts bildeten zwei Gemälde: Andrea Mantegnas „Madonna mit dem schlafenden Kind“ und ein Tondo der Madonna mit dem Kind und zwei Engeln von Raffaellino del Garbo, der seit 1945 vermisst wird. In der Raummitte diente ein prachtvoller Tisch aus dem 16. Jahrhundert als Sockel für zahlreiche kleinformatige Bronzen.

Innerhalb des Kaiser-Friedrich-Museums bildete das Simon-Kabinett mit seiner intensiven Mischung aus Kunstwerken unterschiedlicher Materialien und der Dichte seiner Präsentation eine Ausnahme. Wilhelm von Bode hatte allerdings auf die wohnliche Atmosphäre dieses Raumes besonderen Wert gelegt, „um die Schenkung als solche und ihre Herkunft zu betonen“.

Die zweite umfangreiche Schenkung

1918 schenkte James Simon den Berliner Museen einen weiteren, umfangreichen Teil seiner Sammlung. Ein anlässlich dieser Stiftung erschienener Katalog umfasst nicht weniger als 350 Objekte aus der Zeit der Gotik und der Renaissance, darunter vor allem Werke der deutschen und niederländischen spätmittelalterlichen Holzplastik, sowie Möbel und einige Gemälde. Kein anderer Großsammler war in der krisenhaften Nachkriegszeit zu einem derart radikalen Schritt bereit. Auch die Werke aus dieser Schenkung sollten laut Vertrag in einem eigenen Saal präsentiert werden.

Zunächst wurden sie im ersten Geschoss des Kaiser-Friedrich-Museums provisorisch ausgestellt. Von 1930 an waren sie dann im neu eröffneten Deutschen Museum, im Nordflügel des heutigen Pergamonmuseums, in drei Kabinetten des Obergeschosses untergebracht. Im Rahmen der Umverteilung der Bestände der Gemäldegalerie gelangten die Kunstwerke der Sammlung Simon 1935 in einige an den großen Rokokosaal angrenzende Büroräume, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Unter dem Nationalsozialismus: Aufgelöst, verschwiegen, vergessen

1938 veranlassten die nationalsozialistischen Machthaber, Hinweise in den Museen auf jüdische Stiftungen zu entfernen, so dass auch Simons Name getilgt werden musste. Die Objektschilder aller von jüdischen Mäzenen gestifteten Exponate trugen nur mehr den Vermerk „Geschenk“. 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde das James-Simon-Kabinett aufgelöst. Nach 35 Jahren war die Würdigung des großen Berliner Mäzens damit der NS-Rassenpolitik zum Opfer gefallen.

Nach Ende des Krieges, der zahlreiche Verluste für die Sammlungen mit sich brachte, wurde auch die Sammlung James Simons zwischen Ost und West aufgeteilt und sein Name sollte auch nach 1945 für Jahrzehnte weithin vergessen bleiben. Erst ab 1973 wurden Werke der Sammlung in einem Raum der Museen Dahlem gezeigt, ein weiteres Konvolut ab 2009 im Bode-Museum, wo in einem eigenen Raum wieder an das Mäzenatentum Simons erinnert wurde.

Das wiedereingerichtete James-Simon-Kabinett

2019 wurde das James-Simon-Kabinett in seinem ursprünglichen Raum 216 im Bode-Museum neu eingerichtet und wird nun anlässlich der Eröffnung der James-Simon-Galerie wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gezeigt werden rund 50 Werke hauptsächlich der italienischen Renaissance, darunter Meisterwerke wie Andrea Mantegnas „Maria mit dem schlafenden Kind“ oder Agnolo Bronzinos „Porträt eines jungen Mannes“ aus der Gemäldegalerie.

Um der ursprünglichen Atmosphäre des Kabinetts und dem persönlichen Geschmack seines Stifters James Simons so nah wie möglich zu kommen, werden zudem Skulpturen aus Marmor, Terrakotta und Bronze, sowie Möbel aus dem Kunstgewerbemuseum gezeigt. Einige Werke, die seit 1945 verschollen sind, werden durch großformatige Reproduktionen ersetzt. Texttafeln informieren über das Leben James Simons; weitere Werke seiner Sammlung sind in der Dauerausstellung des Bode-Museum entsprechend gekennzeichnet. Als Zeichen der Dankbarkeit trägt das zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel Berlin den Namen James-Simon-Galerie.