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Denkschrift zur Lage der Museen erschienen. Museen stellen sich der Diskussion um ihre Zukunftsfähigkeit

08.05.2012
Institut für Museumsforschung

Die Entwicklung der deutschen Museen in den vergangen 40 Jahren ist eine Erfolgsgeschichte mit zahlreichen neuen Museumsbauten und Museumsgründungen, bedeutenden Ausstellungen, Besucherrekorden und enormer Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und den Medien. Dennoch geraten die Museen gerade vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Kassen zunehmend in Legitimationsdebatten.

Die nun vom Institut für Museumsforschung - Staatliche Museen zu Berlin und dem Deutschen Museumsbund vorgelegte Publikation "Museen zwischen Qualität und Relevanz. Denkschrift zur Lage der Museen" zielt darauf, die Zukunftsfähigkeit der Museen durch eine kritische Standortbestimmung zu erörtern. Ausgangspunkt ist der "Appell zur Soforthilfe", der 1971 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, unter Hinweis auf die Notlage der Museen, der Öffentlichkeit übergeben wurde, und die drei Jahre später veröffentlichte "Denkschrift Museen. Zur Lage der Museen". Beides wirkt im Rückblick fast wie eine Initialzündung des Erfolges in den folgenden Jahren, ein Erfolg auf dem sich die Museen nicht ausruhen.

Über 40 Autorinnen und Autoren beschreiben aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Potentiale, die Vielfalt und die gesellschaftliche Relevanz der Museen und ihrer vielschichtigen Aufgabenbereiche. Zu den klassischen Kern-Aufgaben - Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln - sind neue Themen und Arbeitsbereiche (wie z.B. Digitalisierung, Qualifizierung, neue Trägermodelle) hinzugekommen.

Auf Basis der grundlegenden Beiträge ziehen die Herausgeber Bilanz und zeigen Perspektiven für eine zukunftsfähige Museumsarbeit auf. "Die Kern-Aufgaben der Museen haben Bestand, doch unsere Fragestellungen an sie haben sich in den vergangenen Jahren verändert. So darf beispielsweise Sammeln kein reiner Selbstzweck sein. Museen müssen sich heute fragen, warum und vor allem was sie sammeln wollen, im Sinn einer nachhaltigen Sammlungsstrategie. Doch die Sammlung ist und bleibt das Herzstück des Museums. Hierzu erwarten wir ein Bekenntnis der Politik", so Dr. Volker Rodekamp, Präsident des Deutschen Museumsbundes.

Neu zu bewerten ist auch die Bedeutung der Forschung. "Das Forschungsverständnis der Museen ist seit einigen Jahren neu erwacht", betont Prof. Dr. Bernhard Graf, Direktor des Instituts für Museumsforschung. "Aber die Museen müssen ihre Forschungsprofile konsequent und selbstbewusst weiterentwickeln und somit Förderprogramme selbst vordefinieren. Dabei gibt es noch viel Potential zur Bildung von Forschungsnetzwerken." Profilschärfung und Eigensteuerung der Museen werden ebenso als wesentliche Ziele formuliert wie Vorschläge für die Qualitätssicherung und Qualitätssteigerung der Museumsarbeit.

Die Autoren der Publikation verbindet die Überzeugung, dass das Museum in der Gesellschaft mehr Zukunft hat denn je. Denn Museen sind Schatzhäuser unseres kulturellen Erbes und Stätten der Erinnerung in einer sich rasant wandelnden Welt Orte der Selbstvergewisserung und der Entschleunigung.

Die Publikation richtet sich an die Museen und ihre Mitarbeiter wie an die interessierte Öffentlichkeit. Sie will aber auch die gesellschaftlichen und politischen Verantwortungsträger an ihre Verpflichtung erinnern, die Spielräume der Museen nicht nur zu erhalten, sondern sie dahingehend zu erweitern, dass diese ihrem gesellschaftlichen Auftrag in der immer komplexer werdenden Welt dauerhaft gerecht werden können: Kulturelles Erbe zu sammeln, zu bewahren und zu erforschen, Geschichte zu präsentieren und Bildungsinhalte zu vermitteln.

Das Institut für Museumsforschung ist eine Einrichtung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.

Der Deutsche Museumsbund wurde 1917 gegründet und ist die bundesweite Interessensvertretung der deutschen Museen und ihrer Mitarbeiter. Der Verband hat derzeit rund 2300 Mitglieder.

Museen zwischen Qualität und Relevanz. Denkschrift zur Lage der Museen
Herausgegeben von Bernhard Graf und Volker Rodekamp für das Institut für Museumsforschung - Staatliche Museen zu Berlin und den Deutschen Museumsbund, Berlin 2012
"Berliner Schriften zur Museumsforschung" Band 30, 431 Seiten
G + H Verlag Berlin
ISBN 978-3-940939-22-7
Broschur Euro 38