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Cyprien Gaillard gewinnt den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2011. Theo Solnik gewinnt den Preis für junge Filmkunst

30.09.2011
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart

Der mit 50.000 Euro dotierte Preis der Nationalgalerie für junge Kunst wurde gestern abend in Anwesenheit des Staatsministers für Kultur und Medien, Bernd Neumann, zum sechsten Mal feierlich vergeben. Der Gewinner ist Cyprien Gaillard.

Die Jury - Bice Curiger (Biennale, Venedig), Ann Goldstein (Stedelijk Museum, Amsterdam), Udo Kittelmann (Nationalgalerie, Berlin), Bartomeu Marí i Ribas (MACBA, Barcelona) und Britta Schmitz (Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin) - hat nach einer intensiven Diskussion ihre Entscheidung getroffen und sich für Cyprien Gaillard als Gewinner entschieden:

Begründung der Jury:
"Cyprien Gaillards Film "Artefacts" ist eine eindrückliche Reflexion über den Mythos Babylon, der durch den Bezug zum Krieg im Irak eine besondere Aktualisierung erfährt. Die kraftvollen, betörenden Bilder sind bewusst so ineinander geschnitten, dass eine hypernervöse, fast hypnotische Wirkung entsteht, die unsere Aufmerksamkeit auf unsere eigene kulturelle Befindlichkeit lenkt. Cyprien Gaillard verfolgt keinen dokumentarischen Ansatz, sondern wirft durch das offene Prinzip der Montage eher Fragen auf über den Verbleib und die Erhaltung unserer Kulturen. Im Mittelpunkt seines Filmes steht die Erosion von Artefakten. Mit der von ihm gewählten stark ästhetischen Form ist der Wille verbunden, eine Tonlage und Sprache zu finden, die außerhalb der konventionellen Berichterstattung in den Medien steht und die damit unsere Wahrnehmung für andere emotionale Räume eröffnet. Cyprien Gaillard hat ein Werk aus suggestiven Bildern geschaffen, in dem das Politische das Kulturelle untrennbar verbunden ist. Wir gratulieren dem Künstler."

Als symbolischen Preis übergab die Jury-Vorsitzende Bice Curiger das signierte Multiple Intuition von Joseph Beuys aus dem Jahre 1968 an den Gewinner Cyprien Gaillard.

Erstmals vergeben wurde der vom Verein der Freunde der Nationalgalerie in Kooperation mit der Deutschen Filmakademie ins Leben gerufene Preis für junge Filmkunst. Die Präsidenten der Filmakademie, Iris Berben und Bruno Ganz, überreichten den Preis an den Gewinner Theo Solnik für seinen Film "Anna Pavlova lebt in Berlin".

Begründung der Jury:
"In seinem Film beschreibt Theo Solnik die Jugend- und Partykultur des Nachwende-Berlins, ohne konkrete Ereignisse oder Veranstaltungen zu zeigen. Im Zentrum der filmischen Erzählung steht vielmehr die schillernde Figur "Anna Pavlova", eine junge, vitale Frau aus Russland, die mit der Kamera bei ihrer permanenten Bewegung durch Straßen, Plätze, Parks begleitet wird. In ihrer Rastlosigkeit und ihrer verzweifelten Suche nach etwas Lebensglück strahlt die Protagonistin eine Verlorenheit aus, die einerseits sehr authentisch wirkt, andererseits ganz offensichtlich konstruiert ist. Eine direkte Kontaktaufnahme mit der Kamera, sogar Dialoge mit dem Kameramann entlarven den scheinbar so dokumentarischen, ganz in schwarz-weiß angelegten Film als eine bewusste Inszenierung. In mehrfacher Weise verschränken sich im Film die Wirklichkeitsebenen bei gleich bleibender Intensität der Bilder. Diese auch hohe emotionale Qualität des Films liegt nicht zuletzt in einer, für einen jungen Filmemacher beeindruckend souveränen Handhabung der technischen Mittel. Die Kameraführung allein wechselt virtuos zwischen journalistischem Porträt und freier, poetischer Umschreibung. Als ausgesprochen künstlerisch kann schließlich die ästhetische Gesamtstruktur gelten: eine schier endlos mäandernde Erzählung aus dichten, sich immer wieder ähnelnden Großstadt-Episoden."

Durch die Preisverleihung führte die Schauspielerin und Musikerin Jasmin Tabatabai. Anschließend feierten die rund 800 geladenen Gäste und Mitglieder des Vereins der Freunde der Nationalgalerie zusammen mit dem langjährigen Hauptsponsor BMW die beiden Preisträger.

Der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2011 wird ermöglicht durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie und gefördert durch BMW.