Bewegungsmelder Nr. 28: Von der Straße ins Museum. Objekte aus einem Jahr der Proteste in Serbien

11.02.2026
Museum Europäischer Kulturen

Im Bewegungsmelder zeigt das Museum Europäischer Kulturen (MEK) Sammlungsobjekte sowie Leihgaben zu aktuellen Themen, die Menschen in Europa bewegen. Der 28. Bewegungsmelder widmet sich den Protesten in Serbien und ist noch bis Juli 2026 im Foyer des MEK zu sehen.

Die Proteste in Serbien stellen die derzeit größte Protestbewegung Europas dar. Ein vergleichbares Ausmaß an Mobilisierung hat das Land bislang in seiner Geschichte nicht erlebt. Unmittelbarer Auslöser war der Einsturz des Bahnhofsvordaches in Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens, im November 2024. 16 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Unfall wurde zum Auslöser landesweiter Proteste, die sich gegen strukturelle Korruption und staatliches Versagen richteten. Seither erlebt das Land die größten Demonstrationen seiner Geschichte.

Die vor allem studentischen Protestierenden vermeiden den Schulterschluss mit oppositionellen Parteien und organisieren sich basisdemokratisch. Sie sind zudem explizit überparteilich: Es geht um demokratische Strukturen und einen funktionierenden Rechtsstaat. Die Aktivist*innen stellen sich gegen die Vetternwirtschaft sowie den autoritären Regierungsstil unter Präsident Aleksandar Vučić. Die Proteste bekamen so immer mehr Unterstützung in allen Teilen der Bevölkerung.

Zugleich stieß diese Strategie im Laufe der Zeit an ihre Grenzen: Ohne erkennbare Repräsentant*innen fehlte es letztlich an Durchsetzungskraft. Die Regierung ihrerseits versuchte, die Protestierenden als vom Ausland finanziert darzustellen, und setzte zunehmend auf Repression. Seit Mitte 2025 rückte daher die Forderung nach Neuwahlen in den Fokus der Proteste. Im Dezember lenkte Vučić ein und kündigte vorgezogene Parlamentswahlen für Ende 2026 an. 

Ob die Bewegung sich bis dahin auf eine gemeinsame Wahlliste einigen wird, bleibt offen. Auch die Dynamik der Proteste ist ungewiss. Klar ist jedoch: Der Umgang mit den Protesten und den Forderungen der Demonstrierenden wird maßgeblich darüber entscheiden, welchen Weg Serbien künftig einschlägt – auch im Hinblick auf eine mögliche Mitgliedschaft in der Europäischen Union. 

Ende Dezember 2025 erwarb das MEK mehrere Objekte von den Protesten in Serbien. Gesammelt wurden sie von Anđela Đermanović und Aleksandar Repedžić und stammen größtenteils aus dem Umfeld der Blockaden an der Universität Belgrad. Sie sind Teil einer am Museum entstehenden Sammlung zu europäischen Protestbewegungen.


Im Bewegungsmelder setzt sich das Museum Europäischer Kulturen (MEK) mit aktuellen Themen auseinander und setzt sie mit Objekten aus der Sammlung in Verbindung.