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Bewegungsmelder Nr. 21: Sklaverei – (k)ein Thema der europäischen Alltagskultur?

17.08.2022
Museum Europäischer Kulturen

Im Bewegungsmelder zeigt das Museum Europäischer Kulturen (MEK) Sammlungsobjekte sowie Leihgaben zu aktuellen Themen, die Menschen in Europa bewegen. Der 21. Bewegungsmelder beschäftigt sich mit den Spuren der Versklavung von afrikanischen Menschen in Alltagsgegenständen aus Europa. Bis Januar 2023 ist dieser Bewegungsmelder im Foyer des MEK zu sehen.

1998 erklärte die UNESCO den 23. August zum Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung. An diesem Tag im Jahr 1791 revoltierten in vielen Plantagen der französischen Kolonie Saint-Domingue versklavte Menschen gegen ihre Unterdrücker*innen. Nach jahrelangen Kämpfen proklamierte ihr Anführer Toussaint Louverture im Jahr 1801 eine eigene Verfassung. Als erste weltweit erkannte sie die prinzipielle Gleichheit aller Menschen an. Drei Jahre später rief Louvertures Nachfolger Jean-Jacques Dessalines die Republik Haiti aus.

Diese Ereignisse trugen maßgeblich zur Ächtung und letztlich auch zur offiziellen Abschaffung der Sklaverei bei. Bis dahin blieb es jedoch noch ein langer Weg. Weite Teile der Amerikas waren bis weit ins 19. Jahrhundert von der brutalen Ausbeutung versklavter Menschen geprägt. Über 12 Millionen Frauen, Männer und Kinder waren seit dem 16. Jahrhundert aus verschiedenen Regionen Afrikas hierher verschleppt worden. Jene, die die grausame Schiffsüberfahrt überlebten, wurden auf den karibischen Sklavenmärkten weiterverkauft. Unter ärmlichsten Bedingungen und der Gewalt und Willkür ihrer „Besitzer*innen“ rechtlos ausgeliefert, mussten sie auf Feldern, Plantagen und in Minen arbeiten.

Zeugnisse der transatlantischen Sklaverei finden sich überall in Europa. Sie sind Fragmente einer Geschichte des Rassismus, der kolonialen Unterdrückung und des frühen Kapitalismus. Der Gedenktag erinnert daran, dass viele Menschen von dieser Form der Zwangsarbeit profitierten. Schon früh waren auch in Europa große Teile der Warenwelt mit der Sklaverei verbunden. Dies gilt nicht nur für wohlhabende Hafenstädte wie Amsterdam, Bordeaux oder Liverpool. Geringe Produktionskosten erlaubten es Europäer*innen auch in peripheren Regionen, Produkte aus dem globalen Süden in immer größeren Mengen zu konsumieren. Das Aufkommen neuer Speisen, ein steigender Gebrauch von Genussmitteln wie Tabak und Zucker oder auch die Verbreitung bürgerlicher Traditionen wie Teezeremonie und Kaffeetafel – dies alles sind Beispiele für die enge Verzahnung von Sklaverei und europäischer Alltagskultur.