Seit Samstag, 24. April 2021, sind alle Häuser der Staatlichen Museen zu Berlin bis auf Weiteres geschlossen. Weitere Informationen

Bewegungsmelder Nr. 17: Flagge zeigen

03.05.2021
Museum Europäischer Kulturen

Im Bewegungsmelder zeigt das Museum Europäischer Kulturen (MEK) Sammlungsobjekte sowie Leihgaben mit Bezug zu aktuellen Themen. Der 17. Bewegungsmelder beschäftigt sich mit der Regenbogenflagge als Symbol der LGBT*-Bewegung. Er beleuchtet ihre Entstehung und fragt nach ihrer heutigen Nutzung in emanzipatorischen und kommerziellen Kontexten. Bis Ende Juli 2021 ist dieser Bewegungsmelder im Foyer des MEK zu sehen.

Die Regenbogenflagge wird oft mit der queeren Partyszene in Verbindung gebracht. Doch sie entstand keineswegs aus einer Partylaune heraus: In der NS-Zeit wurden Menschen, die gegen die heterosexuelle Norm und zweigeschlechtliche Ordnung verstießen, in Konzentrationslager verschleppt. Die Häftlingskleidung homosexueller Männer wurde mit einem „rosa Winkel“ gekennzeichnet.

Gilbert Baker entwarf 1978 die Regenbogenflagge 

Dieses Symbol nutzte die Anfang der 1970er-Jahre entstehende LGBT*-Bewegung zur Selbstermächtigung (LGBT  "Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender", hat sich für nicht-heteronormative sexuelle Identitäten durchgesetzt. Das Sternchen dahinter dient als Platzhalter für alle anderen Identitäten.). Der US-amerikanische Künstler und Aktivist Gilbert Baker sah darin jedoch eine Verfestigung des Stigmas. Es war an der Zeit, ein eigenständiges Zeichen zu setzen – und so entwarf er 1978 die Regenbogenflagge.

Seither ist diese das Symbol der Repräsentation für LGBT*. Zunehmend wird sie auch von Institutionen und Unternehmen genutzt, um sich zu sexueller Vielfalt zu bekennen und Solidarität zu bekunden. Doch es gibt auch Kritik an dieser Praxis: Wenn Unternehmen sich vor allem aus Profitgründen queerer Symbole bedienen, wird dies als „Pinkwashing“ bezeichnet. Der Begriff gleicht dem Prinzip des Worts „weißwaschen“ und verwendet dabei die historisch aufgeladene Farbe Rosa.

Gradlinien zwischen Unterstützung, Marketing und globaler Ausbeutung

Die hier zu sehenden Objekte begleiteten den Aktivisten Saad Malik auf der Genfer Pride 2019, der Demonstrationsparade zum Aktionstag für LGBT*-Anliegen. Sie zeigen exemplarisch die Gradlinien zwischen Unterstützung, Marketing und globaler Ausbeutung. Den Regenbogenanzug bestellte Malik extra für die Parade. Im Nachhinein musste er sich schlechten Gewissens eingestehen: Die Massenproduktion solch eines Anzugs geht an Nachhaltigkeit und fairem Handel vorbei und liefert keinen Beweis zur Unterstützung von LGBT*-Anliegen.

Dennoch gibt es auch globale Konzerne, die sich seit Jahrzehnten durch Netzwerkarbeit, Trainings, Kampagnen und finanzieller Unterstützung für LGBT* engagieren. Besonders in Ländern, in denen LGBT* Repressionen ausgesetzt sind, kann dies eine wichtige öffentliche Unterstützung darstellen.