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Bernd Kluge, Direktor des Münzkabinetts im Gespräch

12.10.2010
Bode-Museum

Was wir schon immer über das Münzkabinett wissen wollten ...
Direktor Bernd Kluge weiß die Antworten.

Geht es dem Münzkabinett nur ums Geld?
Selbstverständlich, schon immer und heute erst recht. Nein, Spaß beiseite: Wir sind als Museum dem historischen Geld - vor allem natürlich dem seit zweieinhalb Jahrtausenden existierenden Münzgeld - und als Wissenschaftsinstitut der Numismatik, d. h. der Erforschung von Münze und Geld verpflichtet.

Was macht einen Besuch der Ausstellungen des Münzkabinetts so lohnenswert?
Man tritt in lebendigen Kontakt mit der Geschichte, erlebt tausendjährige, authentische Zeugnisse aus allen Kulturen und kann sich - gute Augen vorausgesetzt - in eine ungeahnte Bilderwelt hineinversetzen lassen. Übrigens kann man sich alle in unseren Ausstellungen gezeigten Objekte zu Hause in beliebiger Vergrößerung auf den Bildschirm holen und dabei ungeahnte filigrane Schönheiten kennen lernen. (www.smb.museum/ikmk)

Welches Objekt liegt Ihnen besonders am Herzen?
Sie werden verstehen, dass ich als guter Familienvater hier keines meiner Kinder vorziehen möchte. Sie sind mir alle lieb und teuer. Unsere Ausstellungen zeigen aus dieser Familie die 5.000 präsentabelsten Sprösslinge. Die übrigen 495.000 sind Angehörige unseres der Öffentlichkeit entzogenen numismatischen Internats im "Großen Tresor".

Welcher ist Ihr Lieblings-Euro?
Eigentlich keiner, zumindest was die normalen Kursmünzen angeht. Sie sind fast durchweg in der Ausführung miserabel und schon nach kurzer Umlaufzeit sehr unansehnlich, nichts für Münzliebhaber. Als Numismatiker fühlt man sich aber immerhin von der griechischen 1 Euro Münze angezogen. Sie hat die Eule, das Münzbild der Tetradrachmen von Athen im 5. Jahrhundert v. Chr. übernommen, eine der bekanntesten Münzen der Antike und damals so etwas wie eine Weltwährung. Das kann man ja heute von Griechenland nicht mehr sagen - sic transit gloria mundi (so vergeht der Ruhm der Welt).

Gibt es eine Münze, die Sie in Ihrer Sammlung vermissen?
Mehrere. So fehlt uns immer noch von den gar nicht so seltenen Goldgulden der Stadt Florenz, die im 13. und 14. Jh. so etwas wie die Euros des Mittelalters waren, ein Urstück aus dem Beginn der Prägung im Jahre 1252. Auch den ältesten brandenburgischen Dukaten aus dem Jahre 1560 jagen wir bisher verblich. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Welches Objekt hat die spannendste Geschichte?
Da gibt es angesichts von einer halben Million die Qual der Wahl. Nur ein Beispiel: Als 1755 in Preußen Taler mit dem Bildnis König Friedrichs des Großen gemünzt werden sollten, wurden diesem die ersten Stücke vorgelegt. Ihm missfiel sein Porträt, woraufhin die ganze Serie wieder eingeschmolzen werden musste. Das dem König vorgelegte und von ihm begutachtete Stück überlebte und wurde dem Münzkabinett einverleibt - für Preußensammler heute eine unerreichbare Reliquie, aber in unserer Ausstellung natürlich zu sehen.