21.05.2026
Gemäldegalerie
Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin hat die Digitalisierung historischer Aufnahmen von Werken abgeschlossen, die im Zweiten Weltkrieg bei Bränden im Flakbunker Friedrichshain verloren gingen. Die zerstörten Meisterwerke werden nunmehr in hochauflösender Form öffentlich zugänglich gemacht.
Infolge des Zweiten Weltkriegs verzeichnete die Berliner Gemäldegalerie den Verlust von rund 585 Bildern. Der Großteil dieser Werke wurde im Mai 1945 durch zwei verheerende Brände im Flakbunker Friedrichshain vernichtet. Glücklicherweise haben sich im Fotoarchiv der Gemäldegalerie Aufnahmen dieser Bilder in Form großformatiger Glasnegative erhalten. Rund 430 davon konnten nun digitalisiert und in die Sammlungen Online der Gemäldegalerie eingestellt werden. Damit werden die Aufnahmen der zerstörten Meisterwerke nun erstmals in hoher Auflösung frei zur Verfügung gestellt.
Der Fotograf Gustav Schwarz (1871–1958) fertigte zwischen 1925 und 1944 im Auftrag der Berliner Museen Aufnahmen nahezu aller Gemälde der Sammlung an. In erster Linie dienten sie Reproduktionszwecken für Publikationen und Postkarten. Heute sind die präzisen fotografischen Reproduktionen ein einzigartiges visuelles Zeugnis der Sammlung und dokumentieren den Bestand zerstörter Gemälde.
Ab 1941 wurden die bedeutendsten Werke der Gemäldegalerie zum Schutz vor Luftangriffen in den Leitturm des Flakbunkers Friedrichshain ausgelagert. Die wichtigsten Gemälde konnten im März 1945 in Thüringer Bergwerke evakuiert werden, wo sie im Mai 1945 durch amerikanische Truppen gesichert wurden. Etwa 430 Gemälde, darunter zahlreiche großformatige Werke, verblieben im Bunker und wurden kurz nach Kriegsende durch zwei Brände vernichtet. Die Brandursache ist bis heute ungeklärt. Unter den verlorenen Bildern befanden sich Meisterwerke von Caravaggio, Peter Paul Rubens, Paolo Veronese und Anthonis van Dyck – Künstler, deren Werke die europäische Kunstgeschichte maßgeblich geprägt haben.
Die fragilen Glasnegative überstanden den Zweiten Weltkrieg im damaligen Kaiser-Friedrich-Museum auf der Museumsinsel weitgehend unbeschadet. Nach Kriegsende verblieben sie aufgrund der Teilung Berlins im Ostteil der Stadt, wo sie im heutigen Bode-Museum aufbewahrt wurden. Im Zuge der Zusammenführung der Gemäldesammlungen von Ost- und West-Berlin erfolgte im Jahr 1998 der Umzug der Glasnegativsammlung an das Kulturforum. Die Objekte sind in bemerkenswert gutem Zustand erhalten, nur wenige Exemplare weisen Beschädigungen auf.
Die hochauflösenden Digitalisate eröffnen nunmehr neue Einblicke in das Konvolut der Verlustwerke und leisten einen wichtigen dokumentarischen Beitrag zur Bewahrung des ideellen kulturellen Erbes Europas. Zugleich macht die Glasnegativsammlung anschaulich, welche bedeutenden Werke einst zur Sammlung der Berliner Gemäldegalerie gehörten.
Mit der Digitalisierung dieser historischen Aufnahmen gewinnen wir ein Stück kultureller Identität zurück. Die Bilder, die einst unwiederbringlich verloren schienen, werden nun für unser Publikum, aber auch für die Forschung, wieder sicht- und erlebbar – zumindest in ihrer fotografischen Überlieferung.
Dagmar Hirschfelder, Direktorin der Gemäldegalerie
Nachdem in einem ersten Schritt die Glasnegative der im Flakbunker Friedrichshain verlorenen Werke digitalisiert wurden, sollen künftig auch die historischen Negativplatten vermisster Alt-Ausleihen sowie gestohlener, zerstörter und während des Krieges beschlagnahmter Gemälde systematisch erfasst, digitalisiert und online zugänglich gemacht werden.
Sammlungen Online: Digitalisierte Aufnahmen in hoher Auflösung
Pressemitteilung
Gemäldegalerie | Verlorene Kunstwerke wieder sichtbar
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Story: „Zwischen Feuer und Erinnerung"