Beiträge des Ethnologischen Museums zur Programminitiative zum 250. Unabhängigkeitstag der USA

12.06.2026
Humboldt Forum

Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin zeigt im Rahmen der Programminitiative „We the People“ der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum 250. Unabhängigkeitstag der USA vom 4. Juli bis 21. September 2026 zwei Sammlungsinterventionen.

Sonderpräsentation: Grönland steht nicht zum Verkauf

Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen betonte im Mai 2026: „Das Volk Grönlands steht nicht zum Verkauf. Die grönländische Selbstbestimmung ist nichts, worüber verhandelt werden kann.“ Die größte Insel der Erde ist seit mindestens 5.000 Jahren besiedelt und war wiederholt Spielball geopolitischer Interessen. Sie ist heute weitgehend selbstverwaltet, gehört jedoch seit 1814 zu Dänemark.

Das (im-)materielle Kulturerbe der Inuit

Die Inuit und die heutigen Kalaallit bilden den Bevölkerungsteil, der eng mit den arktischen Regionen verbunden ist. In ihrer klassischen materiellen Kultur finden sich hochspezialisierte Produkte, die im Hinblick auf das Zusammenspiel von verfügbaren Materialien und bestmöglicher Anpassung an die Umgebung ihresgleichen suchen.

Der in der Sonderpräsentation des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum (2. Obergeschoss, Raum 201) gezeigte Parka besteht aus Seehunddärmen, die derart genial miteinander vernäht sind, dass er absolut wasserdicht bleibt – bei einem minimalen Eigengewicht. Er steht heutiger industriell produzierter Funktionskleidung in nichts nach, ist dabei aber vollständig aus Naturmaterialien gefertigt.

In den Sprachgebrauch eingegangen ist der lokale Überbegriff für vergleichbare Kleidungsstücke aus Fell: ‚Anorak‘ (annoraaq). Er ist neben ‚Parka‘, ‚Kajak‘ und ‚Iglu‘ eines der wenigen Inuit-Worte, die auch in die deutsche Umgangssprache gelangt sind.

Bodenschätze und postkoloniale Interessen

Grönland ist ein kulturell reiches Land, das zudem eine große Vielzahl an Bodenschätzen aufweist – zwei Drittel davon solche, die aktuell als strategisch besonders wichtig eingestuft werden. Aufgrund des Klimawandels werden sie zukünftig leichter abzubauen sein als bisher. Für Grönland ist es daher umso wichtiger, dass die Selbstverwaltung gestärkt und keine neue koloniale Ausbeutung zugelassen wird.

Am 21. Januar 2026 sagte Donald Trump, Grönland sei nur ein großes Stück Eis im Meer. Dieser neokoloniale Ausspruch sollte implizieren, dass es niemanden stören könne, wenn die USA sich dieses Gebiet einverleiben – und löste damit die „Grönlandkrise“ aus.

Zum 250. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika könnte das Gedenken an die eigene Unabhängigkeit dazu einladen, auch die Eigenständigkeit anderer zu respektieren.

Ein aktuelles Projekt, das die traditionelle und zeitgenössische kulturelle Praxis der Verarbeitung von Tierdärmen untersucht, ist „Breathing Membranes – Gutskins: Tradition and Innovation“ am Greenland National Museum & Archives (2025–2026).

Sammlungsintervention im Schaumagazin Nordamerika: „Amerika. Ebenen und Prärien“

Das Schaumagazin „Amerika. Ebenen und Prärien“ in der Dauerausstellung des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum (2. Obergeschoss, Raum 206) lädt dazu ein, die Geschichte und Gegenwart Indigener Gesellschaften der Ebenen und Prärien differenziert zu betrachten und ihre kulturellen Leistungen ebenso wie die historischen Herausforderungen, denen sie bis heute begegnen, sichtbar zu machen.

Zu sehen sind rund 400 historische Objekte von 20 verschiedenen Indigenen Gruppen aus den Regionen der sogenannten „Great Plains“, den Ebenen und Prärien im heutigen Gebiet der zentralen USA. Der Großteil der Exponate gelangte ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg durch Sammler und Händler nach Berlin. Darunter befinden sich auch Objekte, die Maximilian Prinz zu Wied während seiner Expedition nach Nordamerika (1832–1834) sammelte und die heute aufgrund ihres Alters einzigartige Zeitzeugnisse dieser Epoche darstellen.

Bedroht und resilient: Indigene Gesellschaften in Nordamerika

Die in den westlichen Gebieten der Ebenen und Prärien lebenden Indigenen Gesellschaften waren insbesondere nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) zunehmend durch die Expansion der Siedler nach Westen bedroht. Durch sie wurde den Plains- und Präriegesellschaften schrittweise ihre Lebensgrundlage entzogen. Besonders die intensive Bisonjagd hatte weitreichende Folgen, da der Bison für viele Indigene Gemeinschaften eine zentrale Lebensgrundlage darstellte.

Die in diesem Schaumagazin gezeigten materiellen Kulturgüter sind daher nicht nur historische Zeugnisse der gesellschaftlichen, politischen und spirituellen Lebenswelten Indigener Gesellschaften, sondern auch Ausdruck ihrer Resilienz bis in die Gegenwart. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten 574 von der US-Regierung anerkannte „American Indian Tribes“ und „Alaska Native Entities“. Laut dem Zensus von 2020 beträgt die Gesamtbevölkerung der USA 331,4 Millionen Menschen. Davon sind 1,1 Prozent als Native Americans oder Alaska Natives registriert; weitere 1,8 Prozent gaben an, teilweise indigener Herkunft zu sein.