23 Objekte des Ethnologischen Museums reisen nach Namibia: Partnerschaft geht in nächste Phase

24.05.2022
Humboldt Forum

23 Objekte aus der Sammlung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin reisen am 27. Mai 2022 nach Namibia. Im Rahmen des partnerschaftlichen Forschungsprojekts „Confronting Colonial Pasts, Envisioning Creative Futures“ mit der Museums Association of Namibia (MAN) sollen diese Leihgaben erforscht werden. Es handelt sich u. a. um historische Alltagsgestände, Schmuck, Werkzeuge und Mode, die von einer namibischen Expertengruppe aufgrund ihrer besonderen historischen, kulturellen und ästhetischen Bedeutung ausgewählt wurden. Das von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Projekt basiert auf kooperativer Provenienzforschung mit Expert*innen aus Namibia in Berlin.

Projekt „Confronting Colonial Pasts, Envisioning Creative Futures“

Das Kooperationsprojekt soll das kreative Potenzial der kolonialen Sammlungen aus Namibia erschließen, die im Ethnologischen Museum in Berlin und im National Museum of Namibia in Windhoek aufbewahrt werden. Es verbindet die Sammlungen wieder miteinander und mit ihren Herkunftsgesellschaften, mit Forscher*innen, Künstler*innen und der Öffentlichkeit in Namibia. Zudem wird im Rahmen des Projekts die Gründung eines neuen Museums – The Museum of Namibian Fashion – im namibischen Otjiwarongo unterstützt.  

Im Zentrum des Projekts stehen vier Kernthemen:

  • Kooperative Provenienzforschung zu den Sammlungen aus Namibia am Ethnologischen Museum in Berlin und Erarbeitung einer Ausstellung über den Forschungsprozess im Humboldt Forum
  • Reise von 23 Objekten aus dem Ethnologischen Museum nach Namibia auf Grundlage der gemeinsamen Provenienzforschung und in Dialogbringung mit den Sammlungen des National Museum of Namibia
  • Durchführung von Workshops am National Museum of Namibia unter Verwendung der Objekte beider Museen mit namibischen Kulturerbeexpert*innen, Forscher*innen und zeitgenössischen Künstler*innen sowie Forschung in Kulturerbegemeinschaften in ganz Namibia unter Verwendung digitalisierter Sammlungen
  • Capacity Building zur Stärkung des National Museum of Namibia und der MAN in den Bereichen Konservierung, Digitalisierung, kuratorische Praxis und gesellschaftliches Engagement 

Die Namibia-Sammlung des Ethnologischen Museums

Die historischen Sammlungen aus Namibia im Ethnologischen Museum wurden größtenteils während der deutschen Kolonialzeit (1884-1919) erworben. Ihre Provenienzen werden seit Anfang 2018 erforscht, seit 2019 gemeinsam mit den namibischen Partner*innen. Die Sammlungen spiegeln koloniale, teils äußerst gewaltvolle Aneignungsprozesse wider. Darüber hinaus zeigen sie die Kreativität und den Einfallsreichtum der Menschen in Namibia. Sie sind damit eine wichtige Quelle für die historische Forschung und Inspirationsquelle für zeitgenössische Künstler*innen und Designer*innen. Aufgrund der deutschen Kolonialisierung Namibias befindet sich die überwiegende Mehrheit solcher Objekte in deutschen und nicht namibischen Institutionen und ist daher für die meisten Namibier*innen nicht zugänglich. Mit dem von der Gerda Henkel Stiftung finanzierten Projekt wird, beginnend mit der Reise der Objekte nach Namibia, ein erster Schritt unternommen, um dieses Ungleichgewicht zu beheben.