120.000 Besucher*innen bei „Emil Nolde – eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“

31.07.2019
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Am 30. Juli 2019 wurde Sophie Noblia als 120.000. Besucherin der Ausstellung „Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin empfangen. Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September 2019 zu sehen.

Am Dienstag konnte Sophie Noblia aus Hasparren in der Nähe von Biarritz, Frankreich im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin begrüßt werden. Sie ist mit ihrem Mann Jérôme und ihrer Tochter Lore in Berlin zu Besuch. Um 15.30 Uhr wurde Familie Noblia von Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Christian Ring, Direktor der Nolde Stiftung Seebüll und einer der Kuratoren der Ausstellung, sowie Dieter Scholz, Kurator an der Neuen Nationalgalerie, empfangen. Sie überreichten ein Exemplar des zweibändigen Ausstellungskatalogs. Im Anschluss erhielt sie eine Einführung in die Ausstellung "Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus".

Zur Ausstellung

Der Expressionist Emil Nolde ist der wohl berühmteste ‚entartete Künstler‘: von keinem anderen Künstler wurden so viele Arbeiten beschlagnahmt, keine anderen Werke hingen so prominent auf den ersten Stationen der Ausstellung "Entartete Kunst" von 1937/38. Wie passen Noldes Verfemung und sein Berufsverbot zu unserem Wissen, dass er NS-Parteimitglied war und bis zum Kriegsende den Glauben an das nationalsozialistische Regime nicht verlor? Der Kunstkritiker Adolf Behne hob auf Noldes speziellen Fall ab, indem er ihn zum 80. Geburtstag 1947 pointiert als „entarteter ‚Entarteter‘“ bezeichnete. Dass Emil Nolde ein Parteimitglied war, ist seit langem bekannt. Aber was dies mit seiner Kunst zu tun hat, und wie sich die historischen Umstände des Nationalsozialismus auf sein Kunstschaffen ausgewirkt haben, ist bisher noch nie umfassend in einer Ausstellung untersucht worden.

Die Ausstellung "Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus" beruht auf den Ergebnissen eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsprojekts, das erstmals die umfangreichen Bestände des Nolde-Nachlasses in Seebüll auswerten konnte und dabei so viel Neues zu Tage brachte, dass die hergebrachte Nolde-Erzählung revidiert werden muss. So wird die Ausstellung zum Beispiel die berühmten „Ungemalten Bilder” – die kleinformatigen Aquarelle, die Nolde angeblich während der Zeit seines Berufsverbots heimlich in Seebüll malte – in einem ganz neuen Licht präsentieren und als Teil einer langjährigen Praxis der Selbststilisierung erklären. Wie wichtig diese Selbststilisierung ist – und wie stark sie unseren Blick auf Nolde beeinflusst – wird den Besuchern durch eine Rekonstruktion des Bildersaals in Noldes Atelierhaus in Seebüll vor Augen geführt. Diese Rekonstruktion zeigt die Hängung von Gemälden und Aquarellen, wie sie der alte Künstler im Kriegswinter 1941/42 selbst vornahm.

Mit über 100 teilweise bislang nicht gezeigten Originalen, die mit Bezug auf Noldes Schriften und im Kontext ihrer historischen Entstehungsumstände präsentiert werden, möchte die Ausstellung die vielschichtigen Beziehungen zwischen Bildern, Selbstinszenierungen des Künstlers, Verfemung und Legendenbildung aufzeigen:

  • Wie wirkte sich das ‚Dritte Reich’ auf Emil Noldes künstlerisches Werk aus?
  • Inwiefern korrespondieren einige seiner Werke, beispielsweise seine Darstellungen mythischer Opferszenen oder nordischer Menschen, mit seinen Sympathien für das Regime?
  • Welche Auswirkungen hatten die Diffamierung und das Berufsverbot auf Noldes künstlerische Praxis, und auf seine politische Einstellung?
  • Und wie entstanden die Nolde-Mythen der Nachkriegszeit?

Zur Ausstellung erscheinen ein reich bebilderter Essay- und Bildband (auch in einer englischen Auflage) sowie ein separater Band mit einer Chronik und über 100 Dokumenten im Prestel Verlag. Die Kataloge wurden gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie die Ernst von Siemens Kunststiftung.

Eine Ausstellung der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, in Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll, kuratiert von Bernhard Fulda, Christian Ring und Aya Soika, ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie und unterstützt durch die Friede Springer Stiftung.