DFG-Projekt „GlAssur“

Am Vorderasiatischen Museum wird derzeit ein großes Konvolut von Glasurziegeln aus Assur (Irak) untersucht, die von Walter Andrae und seinem Team zwischen 1903 und 1914 ausgegraben wurden und durch Fundteilung nach Berlin gelangten.  Die etwa 3000 Ziegel – teils vollständig erhalten, teils fragmentarisch überliefert – wurden im Zuge der Generalsanierung des Pergamonmuseums in den vergangenen Jahren konservatorisch gesichert. Die Ziegel datieren in die neuassyrische Zeit zwischen dem 9. und dem frühen 7. Jh. v. Chr. Sie sind damit älter als die bekannten, in der Ausstellung gezeigten Glasurziegelfassaden des spätbabylonischen Ischtar-Tores und der Prozessionsstraße (spätes 7./6. Jh. v. Chr.). Die meisten Glasurziegel schmückten die Höfe des Assur-Tempels, das Heiligtum des wichtigsten Gottes Assyriens.

Im Gegensatz zu den babylonischen Glasurziegeldekoren mit figürlichen Einzelelementen zeigen die assyrischen Glasurziegelfassaden ein breites und häufig erzählendes Themenspektrum. Dieses weist Parallelen zu den Reliefs der assyrischen Paläste auf. So wird das assyrische Heer bei seinen Kriegszügen in schwierigem Terrain gezeigt, die angegriffenen, brennenden Städte der Feinde, aber auch die Feldlager der Assyrer werden wiedergegeben und sogar die Deportation eroberter Herrscherfamilien thematisiert. Daneben wurden auch Götter und Genien sowie Kult- und Ritualszenen abgebildet. Die wissenschaftliche Untersuchung soll einer visuellen dreidimensionalen Rekonstruktion der Ziegelfassaden aus Assur münden. Daneben kann aus einer Auswahl geeigneter Objekte eine physische Rekonstruktion für die neue Dauerausstellung des Vorderasiatischen Museums entstehen.

Projektleitung: Dr. Helen Gries in Kooperation mit Dr. Anja Fügert (Deutsches Archäologisches Institut).
Finanzierung: Das Forschungsvorhaben wird seit 2018 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. 2016-2018 wurde das Projekt aus Mitteln der „Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin e. V.“ finanziert.