Das international besetzte Kolloquium „Unbewältigt?“ bringt Expertinnen und Experten aus dem Themenbereich Nationalsozialismus und Kunstpropaganda zusammen, um neueste Erkenntnisse aus Forschung und Ausstellungspraxis vorzustellen und kritisch zu diskutieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Handlungsmotivationen von Künstlern, Kunsthistorikern und Kunsthändlern, die Ausdrucksformen der Moderne mit dem Nationalsozialismus zu verbinden versuchten. Ebenso geht es um die Mechanismen kunsthistorischer Kanonisierung sowie die Wiederkehr ideologisch befrachteter Begrifflichkeiten und Argumentationsmuster in der Gegenwart. Die einzelnen Sektionen sind eingespannt in die Diskussionen über innovative Ausstellungsformate, Verantwortlichkeiten und Perspektiven: Wie lässt sich heute das facettenreiche und widersprüchliche Bild der deutschen Kunstwelt zwischen 1933 und 1945 im institutionellen Rahmen eines Kunstmuseums darstellen?

Mit dem Ziel, die öffentliche Wahrnehmung zu sensibilisieren und Impulse für die Schärfung zukünftiger Forschung und Vermittlung auszusenden, bilden den aktuellen Bezug des Kolloquiums die beiden Ausstellungen „Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ (Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin) und „Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus“ (Brücke-Museum/Kunsthaus Dahlem).

Veranstaltungsorte:
Donnerstag, 16.05.2019: Brücke-Museum Berlin, Bussardsteig 9, 14195 Berlin
Freitag, 17.05. + Samstag, 18.05.2019: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

Um Anmeldung wird gebeten: nhellwag@zedat.fu-berlin.de

Programm

Donnerstag, 16.05.2019

16:00 Begrüßung - Lisa Marei Schmidt
16:15–17:15 Führung mit den Kuratorinnen
Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus
17:30 Einführung - Meike Hoffmann/Dieter Scholz
18:00–19:00 Festvortrag - Christoph Zuschlag (Universität Bonn):
Kunst und Kunstpolitik im Nationalsozialismus – Versuch einer Forschungsbilanz der letzten 20 Jahre
19:00–21:00 Empfang

Freitag, 17.05.2019

9:30 Begrüßung, Einführung - Meike Hoffmann/Dieter Scholz

Sektion I: Die Klassische Moderne im Ausstellungsraum: Kuratorische Erfahrungen

9:45–10:45 Moderation: Dieter Scholz (Nationalgalerie, Berlin)

Podiumsgespräch mit den KuratorInnen der Ausstellungen "Emil Nolde – eine deutsche Legende" und "Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus":
Aya Soika (Bard College Berlin) / Bernhard Fulda (University of Cambridge) / Meike Hoffmann (Freie Universität Berlin

10:45–11:00 Pause

Sektion II: Kunst im Nationalsozialismus: Handlungsspielräume, Inszenierung, Erzählungen

11:00–12:45 Moderation: Meike Hoffmann (Freie Universität Berlin)

Thomas Röske (Sammlung Prinzhorn, Heidelberg): Hans Prinzhorn und sein Lieblingskünstler Franz Karl Bühler zwischen van Gogh und Hitler
Julius Redzinsky (Technische Universität Berlin): Franz Eichhorst. Künstler im Ersten Weltkrieg, Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus
Michael Nungesser (Kunstwissenschaftler, Berlin): Otto Andreas Schreiber (1907-1978) – ein nordischer Expressionist
Michael Tymkiw (University of Essex): Otto Andreas Schreiber, Modernism, and Mass-Produced Exhibitions

12:45–14:15 Mittagspause

Sektion III: Kunsthandel im Nationalsozialismus: Business as usual?

14:15–16:00 Moderation: Julia Albrecht (Autorin, Berlin)

Elisabeth Nowak-Thaller (Lentos Kunstmuseum Linz): Wolfgang Gurlitt (1888-1965) · Zauberprinz
Eugen Blume (freiberuflicher Kunsthistoriker, Dechowshof): „Krieg, Handel und Piraterie, Dreieinig sind sie, nicht zu trennen“ (Mephisto, Faust II). Eine Annäherung an Erhard Göpel Sebastian Peters (Institut für Zeitgeschichte, München)
Anna Caspari (1900-1941): Verfolgung und Handlungsspielräume einer jüdischen Kunsthändlerin im Nationalsozialismus

16:00–16:15 Pause

Sektion IV: Kategorisierung und Kanonisierung der Kunst in Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

16:15–17:45 Moderation: Andrea Meyer (Technische Universität Berlin)

Olaf Peters (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): Was ist nationalsozialistische Kunst? Woran erkennt man sie?
Andreas Hüneke (Freie Universität Berlin): Was ist „entartete“ Kunst? Woran erkennt man sie?
Gregor Langfeld (University of Amsterdam): Der Blick von „außen“: Konstruktionen der „deutschen Moderne“ nach 1945

18:00–20:00 Empfang

Samstag · 18.05.2019

Sektion V: Kunst, Nationalsozialismus & Öffentlichkeit

9:30–11:15 Moderation: Bernhard Fulda (University of Cambridge)

Wolfram Pyta (Universität Stuttgart): Kunst & Führer. Der deutsche Genie-Kult der Zwischenkriegszeit
Volker Weiß (Historiker und freier Publizist, Hamburg): »Monumentale Unterernährung«. Der rechte Wille zum Heroischen gestern und heute
Janosch Steuwer (Universität Zürich): Wer ist ein Nazi? Woran erkennt man ihn?
Gerhard Paul (Europa-Universität Flensburg): Bilderwelten im Nationalsozialismus: Anmerkungen der Visual History

11:15–11:30 Pause

Sektion VI: Verfolgungs-Narrative und Heldengeschichten der Moderne im Nachkriegsdeutschland

11:30–13:00 Moderation: Aya Soika (Bard College Berlin)

Bernhard Fulda (University of Cambridge): Das Schweigen der Quellen: Emil Noldes Selbstsäuberung nach 1945
Dorothea Schöne (Kunsthaus Dahlem, Berlin): Konstruierte (Kunst-)Geschichte - Anspruch und Realität in den Auslandsausstellungen deutscher Kunst nach 1945
Christina Rothenhäusler (Institut für Zeitgeschichte, München): Heldenmacher. Kuratoren der Moderne nach 1945

13:00–14:30 Mittagspause

Sektion VII: NS, Kunst, Kunstmuseum: Institutionelle Perspektiven?

14:30–16:00 Moderation: Sebastian Preuss (stellv. Chefredakteur der “Weltkunst”)

Podiumsgespräch mit:
Christian Ring (Nolde Stiftung Seebüll)
Lisa-Marei Schmidt (Brücke-Museum, Berlin)
Dorothea Schöne (Kunsthaus Dahlem, Berlin)
Joachim Jäger (Nationalgalerie, Berlin)

16:00–16:15 Pause

16:15–17:15 Führung mit den KuratorInnen
Emil Nolde – Eine deutsche Legende.
Der Künstler im Nationalsozialismus


Eine Veranstaltung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Freien Universität Berlin. Die Veranstaltung wird initiiert und gefördert von der Ferdinand-Möller-Stiftung.

Unbewältigt? Ästhetische Moderne und Nationalsozialismus. Kunst, Kunsthandel, Ausstellungspraxis

Kolloquium 16. – 18. Mai 2019

Seminar (mehrtägig)

Angebote für: Erwachsene
Termin: Sa 18.05.2019 09:30 Uhr - 18:00 Uhr
Ort: Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Kosten: Kostenfrei
Anmeldung: empfohlen
Ausstellung: Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus
Sammlung: Nationalgalerie

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