Maria von Geldern

Kunsttechnologische und konservatorische Untersuchungen des illuminierten niederländischen Manuskripts „Maria von Geldern“ der Staatsbibliothek zu Berlin

Im Rahmen der neuen kunsthistorischen Bewertung der niederländischen Handschrift „Maria von Geldern“  anlässlich ihres 600. Jahrestages werden kunsttechnologische und konservatorische Untersuchungen gemeinsam vom Rathgen-Forschungslabor mit der Restaurierungswerkstatt der Staatsbibliothek zu Berlin durchgeführt. Die Material- und konservierungswissenschaftlichen Untersuchungen reichen von völlig zerstörungsfreien Untersuchungen bis hin zu eventuell notwendigen Analysen, die mit Probenentnahme verbunden sind.

Die Voruntersuchungen umfassen detaillierte mikroskopische Untersuchungen mittels eines digitalen Mikroskops zur Einschätzung des Erhaltungszustands und der unterschiedlichen Materialien. Es wird ebenfalls eine großflächige Kartierung der chemischen Zusammensetzung einzelner Blätter angestrebt, um eine Übersicht über verwendete Tinten, Pigmente, Übermalungen etc. zu erhalten. Bestimmte, interessante Stellen (Pigmente, Tinten, Übermalungen, Überschreibungen), die nach den Voruntersuchungen ermittelt wurden, sollten dann gezielt in situ mit der mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse und dem mikro-Ramangerät untersucht werden.

Des Weiteren sind ortsaufgelöste Farbmessungen mit einem Vis-Spektrometer geplant. Es könnte gleichzeitig auch zur Untersuchung der Schäden an den Vergoldungen dienen. Neben den kunsttechnologischen Untersuchungen sind Beobachtungen zur Klärung des vorliegenden Schadensbildes notwendig:

Warum bricht das Pergament an den entsprechenden Stellen?
Ist es speziell behandelt worden, was diesen Schaden verursacht? 
Verschlimmert sich der Schaden?
Wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Dazu können wieder nicht-invasive Mikroskopie- und Raman-Untersuchungen herangezogen werden. Zusätzlich, falls Probenentnahmen möglich sind, sollten ESEM- und FTIR-Untersuchungen an Mikroproben oder sogar speziell hergestellten Querschliffen gemacht werden. Diese ermöglichen Einblicke in die Pergamentstruktur und deren Veränderungen. In Zusammenarbeit mit den Helmholtz-Zentrum Materialien und Energien, Berlin-Adlershof und dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG), Potsdam-Golm, sind Infrarot-Imaging und Diffraktions- und Kleinwinkelstreuungsexperimente (SAXS/WAXS) möglich, um  sehr genau die Pergamentstrukturveränderungen zu charakterisieren. Diese Untersuchungsergebnisse stellen dann die Grundlage zur Erarbeitung eines neuen und effizienten Restaurierungskonzepts dar.  

Förderer: Ernst von Siemens Stiftung Partner: Staatsbibliothek, Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Radboud University Nijmegen, BESSY II, Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energien (HZB), Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG)
Laufzeit: 2015 bis 2016