Himmelscheibe von Nebra ist nur noch eine Woche im Original zu sehen

31.10.2018
Museum für Vor- und Frühgeschichte

Bereits 42.000 Besucherinnen und Besucher haben nach fünf Wochen die große Sonderausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Gropius Bau gesehen. Eine ihrer spektakulärsten Leihgaben, die Himmelscheibe von Nebra, wird im Original nur noch bis einschließlich Montag, den 5. November 2018, zu sehen sein und danach durch eine hochwertige Kopie ersetzt. Zusätzlich wird ab Mittwoch, den 7. November 2018, ein weiterer hochwertiger Fund die Schau bereichern: der aus Waldgirmes in Hessen stammende Pferdekopf, der einst zu einem römischen Reiterdenkmal gehörte. Die Ausstellung ist noch bis 6. Januar 2019 geöffnet.

„Ich freue mich über das große Interesse an der Ausstellung“, so Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. „Viele Jugendliche und Familien besuchen gerade jetzt die Bewegten Zeiten und stellen fest, wie viele Verbindungen es zwischen den ‘alten‘ Funden und den Themen unserer Zeit gibt.“

Digitale Kommunikations- und schnelle Transportmöglichkeiten bringen die Menschen immer enger zusammen und lassen die Globalisierung als modernes Phänomen erscheinen. Tatsächlich aber ist die überregionale Vernetzung mit allen ihren Auswirkungen seit jeher ein fester Bestandteil der Gesellschaft und beeinflusst das Leben der Menschen seit prähistorischer Zeit grundlegend. „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ präsentiert die spektakulärsten archäologischen Neufunde der letzten 20 Jahre von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert. Anhand der vier Themen Mobilität, Konflikt, Austausch und Innovation werden mit über 1.000 Exponaten die Folgen überregionaler Interaktion auf persönlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene erfahrbar gemacht.

Ziel der Ausstellung ist es, über die Exponate den Bezug unserer kulturellen Vergangenheit zur heutigen Zeit herzustellen und zu verdeutlichen, dass schon vor mehreren tausend Jahren die Grundlagen eines gemeinsamen Europas gelegt wurden, aus denen ein einzigartiges kulturelles Netzwerk entstand, das uns bis heute prägt. Über allem steht die Bewegung des Menschen als verbindendes Grundprinzip der Geschichte: Diese ist die Ausgangslage für die Verbreitung von Waren und Ideen, dem Entstehen von Handel und Fortschritt sowie auch damit verbundenen strukturellen Veränderung und Konflikten.

„Der Pferdekopf aus Waldgirmes ist wirklich eine spektakuläre Ergänzung“, so Matthias Wemhoff weiter. „Jeder kennt die Reiterstatue von Marc Aurel auf dem Kapitol, aber dass sich die Römer auch rechts des Rheines so sicher gefühlt haben, dass sie auf dem Forum ihrer neugegründeten Stadt Kaiser Augustus hoch zu Pferd auftreten ließen, ist schon eine echte Sensation. Doch der goldene Glanz des Herrschers, den der Kopf des Pferdes immer noch widerspiegelt, war für die Germanen eine Provokation. Sie rissen das Denkmal nieder und versenkten Teile davon in einem Brunnen.“ 

„Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und wird gefördert durch die Staatsministerin für Kultur und Medien und das Kuratorium Preußischer Kulturbesitz.

Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Publikation im Michael Imhof Verlag erschienen (480 Seiten, ISBN 978-3-7319-0723-7, Buchhandelspreis: 39,95 €, Museumspreis: 29 €).