Organism Response. Installation von David Olbrich

05.12.2015 bis 03.04.2016
Sammlung Scharf-Gerstenberg

Die Nationalgalerie zeigt die Rauminstallation „Organism Response“ des Berliner Künstlers David Olbrich im Sahurê-Saal der Sammlung Scharf-Gerstenberg. Ausgehend von den mechanisch erzeugten Klängen der Bass-Holzpfeifen einer Orgel einerseits und den organischen Geräuschen von Tieren andererseits hat Olbrich in der Halle der Reiterstaffel der Bundespolizei in Berlin-Grunewald eine Klanglandschaft  mit performativen Elementen inszeniert. Bilder und Sound sowie einige Objekte dieser Inszenierung wurden nun in die Räumlichkeiten der Sammlung Scharf-Gerstenberg transferiert und damit ein doppelter Bezug zur Sammlung Scharf-Gerstenberg geschaffen.

Lässt sich das sonderbare Zusammenwirken von Mechanik und Organik seiner Arbeit auf die Maximen des Surrealismus beziehen, die den thematischen Kern der ständigen Sammlung bilden, so erinnern ihre tierischen Akteure an die Geschichte der Sammlungsgebäude. Mitte des 19. Jahrhunderts für die berittene Garde du Corps des Charlottenburger Schlosses erbaut, dienten sie zur Zeit der Weimarer Republik der Polizei: Im westlichen Stülerbau, der heute das Museum Berggruen beherbergt, wurde eine Polizeischule eingerichtet  (die im Dritten Reich zu einer SS-Führerschule wurde), während in im östlichen Stülerbau und den dazu gehörenden Bauten, die heute der Sammlung Scharf-Gerstenberg dienen, der Fuhrpark der Polizei ihren Platz fand.

Zentrales Thema der Arbeit von David Olbrich ist die Frage nach der „großen Ordnung“, wie sie uns im göttlichen Schöpfungsplan ebenso wie in Reglements und  Konventionen oder in der Idee des nach Totalität heischenden Standards begegnet. Als Verständigungsmuster und Orientierungssystem gewähren sie uns Hilfe und Schutz, als normiertes System oder festgefahrene Formel können sie aber auch den Blick auf das Wesentliche verstellen.

Der Künstler wählte deshalb den „Weg vom Abgeschlossenen zum Unabgeschlossenen“ (Olbrich). Gewohnte Schau- und Höranordnungen geraten durcheinander und werden in neue Beziehungen gesetzt. Einzelgeräusche und komponierte Klangfolgen schieben sich in- und übereinander, es passieren Dinge, die sich nur schwer erklären lassen. Man hört die Schlüpfgeräusche einer Bienenkönigin und Fausts Monolog in einer „anmutigen Gegend“, man gewahrt vereinzelte, kippende Orgelpfeifen und immer wieder das nervöse Pferd. Domestiziert und in den (polizeilichen) Dienst des Systems gestellt, ist es zugleich das von Erkenntnis freie Tier, Inbegriff „unverdorbener humaner Regung“  (Olbrich), das ohne jede künstlerische Ambition die Bühne betritt.

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