TAMAM – Das Bildungsprojekt von Moscheegemeinden mit dem Museum für Islamische Kunst

Muslime in Deutschland unterteilen sich in zahlreiche recht vielfältige Gruppen. Die Gruppen können sich nach religiöser Ausrichtung, ethnischer Herkunft, Lebensentwürfen und Grad der Religiosität unterscheiden. Das spiegelt sich auch in der Landschaft der Moscheegemeinden wieder, denn die Moscheen bilden ein breites Spektrum von Strömungen des Islam ab.

Und genau so vielfältig ist das Team des TAMAM-Projekts: Hier arbeiten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus bislang 13 verschiedenen Berliner Gemeinden, islamischen Verbänden und Jugendorganisationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen zusammen. Das TAMAM-Projekt ist partizipativ, was bedeutet, dass die Moscheen und das Museum auf Augenhöhe zusammenarbeiten und ihre jeweiligen Kenntnisse und ihre Perspektiven kombinieren. Ausgehend von Berlin wird die Zusammenarbeit mit Moscheen auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Moscheegemeinden arbeiten in Deutschland unter schwierigen Bedingungen, denn anders als etwa Kirchen haben sie (noch) keinen Anspruch auf öffentliche Finanzierung. In der Gemeindearbeit übernehmen daher Ehrenamtliche im Alltag wichtige Aufgaben. Viele von ihnen zeichnen sich durch hohes Engagement und große Motivation aus. Das TAMAM-Projekt arbeitet mit solchen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zusammen, weil sie in den Gemeinden eine zentrale Funktion einnehmen. Sie entwickeln und gestalten ihr eigenes Unterrichtsmaterial, das es Gleichgesinnten in anderen Gemeinden erleichtert Angebote zu Kunst und Kultur einzurichten.

Ausgangspunkt ist die Sammlung des Museums und ihre Objekte. Im Museum für Islamische Kunst wird deutlich, dass die Künste und Kulturen der islamisch geprägten Länder und West- und Mitteleuropas untrennbar miteinander verwoben sind. Durch langen und engen Kontakt sind starke Verbindungen entstanden. Und auch die Region des Nahen und Mittleren Ostens selbst ist historisch durch eine hohe religiöse, kulturelle und ethnische Vielfalt und durch die Fähigkeit mit dieser Vielfalt umzugehen geprägt. Diese Verknüpfungen sind direkt an den Objekten der Sammlung ablesbar, was ein nützlicher Startpunkt ist, um transregionale kulturhistorische und migrationsgeschichtliche Prozesse der Vergangenheit den konstruktiven Geist der Kunstgeschichte in aktuelle gesellschaftliche Prozesse zu übertragen: Kann der Blick in die Vergangenheit bei der Gestaltung der Zukunft helfen? Stimmen die Bilder, die wir uns von uns selbst und von anderen machen eigentlich mit der (Kunst-)Geschichte überein oder müssen Identitätsbilder neu überdacht werden?

Mit seinem Unterrichtsmaterial eröffnet TAMAM einen Raum zum Nachdenken für Jugendliche, junge Erwachsenen und alle, die Lust dazu haben. Wir geben keine einfachen Antworten auf komplizierte Fragen, sondern regen die Teilnehmenden dazu an, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese begründet zu vertreten. Mit den neuesten Vermittlungsmedien passen wir uns dem Nutzungsverhalten der Zielgruppen an und ermöglichen außerdem die Inhalte des Projekts niedrigschwellig in ganz Deutschland zugänglich zu machen. Mit TAMAM öffnet das Museum für Islamische Kunst seine Vermittlungsarbeit neuerdings auch zum Bereich islamische Jugendarbeit hin und sucht gleichzeitig nach der innovativen Verbindung von transkultureller und politischer Bildung.

Mehr Informationen zum TAMAM-Projekt: www.facebook.com/TamamProjekt

Das Unterrichtsmaterial steht unter www.tamam-projekt.de kostenfrei zur Verfügung.

Im Februar 2019 wurde eine kostenlose App veröffentlicht, die mithilfe von Augmented Reality Hintergrundinformationen zu ausgewählten Objekten der Sammlung präsentiert.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Koordinator: Roman Singendonk, M. A.
Projektleiter: Prof. Stefan Weber (Museum für Islamische Kunst)
Projektmitarbeiter/-innen: Gundula Avenarius (Museumspädagogik), Jana Braun (Evaluation), Antje Canzler (Mediengestaltung), Christine Gerbich (Evaluation), Philipp Zobel (Kunstgeschichte), Jilali Ait Daou (Outreach)
Projektträger: Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Förderer: Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperationspartner: Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück
Laufzeit: Januar 2016 bis Dezember 2018

Fastenbrechen im Museum

Zum zweiten Mal hat das TAMAM-Projekt am 24. Mai 2018 ein Fastenbrechen im Museum ausgerichtet. An diesem Abend stand die Jugendkultur im Mittelpunkt. Junge Künstlerinnen und Künstler mit muslimischen Bezügen gaben in der Dauerausstellung einen Einblick in ihre Werke. Khalid Bounouar ist Moderator, Autor und mehrfach ausgezeichneter Comedian. Comedy ist für ihn ein Ventil, um seine persönlichen Erfahrungen mit anderen auf der Bühne zu teilen. Das Kollektiv i, Slam startete als muslimische Version von Poetry-Slam, ist inzwischen aber zu einer bundesweiten Plattform für Workshops in den verschiedensten Kunstformen geworden. Aus Anlass des Fastenmonats Ramadan stand anschließend ein reichhaltiges Buffet bereit.

4. Werkstattgespräch: „Islam und Gender – Ein konstruktiver Blick auf ein umstrittenes Thema“

2. Werkstattgespräch: „Kultureinrichtungen im Wandel – Moscheen und Museen kooperieren für mehr kulturelle Teilhabe“

3. Werkstattgespräch: „Pop Up Ausstellung und Diskussion - Zeitgenössische Interventionen im Museum“