Syrian Heritage Initiative

Die fünf Projekte der Syrian Heritage Initiative widmen sich alle dem einzigartigen materiellen und immateriellen Kulturerbe Syriens. Ihre Forschungs- und Archivarbeit setzen unterschiedliche Schwerpunkte in der Dokumentation und Bereitstellung verschiedenster Materialien und sollen eine Grundlage für den Wiederaufbau leisten sowie eine partizipative Plattform errichten. Die Syrian Heritage Initiative des Museums für Islamische Kunst wurde im Mai 2018 bei der Museums&Heritage Preisverleihung in London in der Kategorie „International Award“ als einzige Institution mit einer "special recognition" - besonderen Anerkennung – ausgezeichnet. Das Projekt Multaka erhielt drei weitere nationale Preise. Die Leitung der Projekte erfolgt durch den Direktor des Museums für Islamische Kunst. Prof. Dr. Stefan Weber.

Syrian Heritage Archive Project

Für die Dokumentation syrischer Kultur- und Naturschätze ist die systematische Archivierung vorhandener Fotos, Pläne, Karten und Berichte von grundlegender Bedeutung. Die Forschung, die seit dem 20. Jahrhundert vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI), dem Museum für Islamische Kunst Berlin sowie weiteren Wissenschaftlern durchgeführt wurde, hat für viele bedeutende archäologische und architekturhistorische Stätten Syriens umfangreiches Material hervorgebracht. Dieses wird vom Syrian Heritage Archive Project digitalisiert und zusammen mit bereits digital vorliegenden Materialien in die Archivstrukturen eingearbeitet. Das digitale Archiv soll Informationsgrundlagen für einen Wiederaufbau zerstörter Monumente, die Bewahrung des syrischen Kulturerbes und somit Werte für die Zukunft schaffen.

Die zentrale Datenbank der Archivarbeit ist Arachne, die digitale Objektdatenbank für Bilder des DAI. In diese wurden im Jahr 2017 z.B. 21 500 Datensätze durch das syrisch-deutsche Projektteam eingebracht. Deren Georeferenzierung, die jeweils exakte geografische Verortung eines Fotos, eines Plans oder sonstigen Objekts, spielt dabei die entscheidende Rolle. So konnten dem digitalen Ortsregister des DAI Gazetteer im Verlauf des Projekts 3 465 Orte auf der virtuellen Landkarte Syriens neu hinzugefügt werden. Das  Projektteam des Syrian Heritage Archive Project hat bislang 45 Sammlungen von verschiedenen Leihgebern erhalten und bringt sie sukzessive in das digitale Archiv ein. Es wurden insgesamt 233 000 Daten zur Verfügung gestellt. Fast alle Bereiche der Baugeschichte und der Archäologie Syriens, aber auch dessen Geografie und nicht zuletzt Zeitgeschichte werden von diesen Daten beleuchtet. Autoren dieser Sammlungen sind u.a. bedeutende Forscher und Dokumentaristen, wie Eugen Wirth (†), Michael Meinecke (†), Jean-Claude David, Stefan Weber, Julia Gonnella und Stefan Heidemann sowie syrische Architekten und bekannte Fotografen wie Marwan Musalmani (†) und der Regisseur Sabah Qabbani (†).

Das Syrian Heritage Archive Project gehört zum Archeological Heritage Network und kooperiert mit Stunde Null – Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise. Aus dem Syrian Heritage Archive Project ist unter anderem auch das Projekt Multaka – Treffpunkt Museum hervorgegangen.

Projektleitung: Dr. Karin Pütt
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Eva Al-Habib Nmeir, Issam Ballouz, Alaa Haddad, Issam Hajjar, Fidaa Hlal, Sandra Schaefer
Kooperationspartner: Museum für Islamische Kunst Berlin, Deutsches Archäologisches Institut
Träger: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Deutsches Archäologisches Institut
Förderer: Auswärtiges Amt, Gerda Henkel Stiftung
Laufzeit: seit November 2013

Multaka: Treffpunkt Museum - Geflüchtete als Guides in Berliner Museen

Die Idee zu diesem Projekt ist von den syrischen Teammitgliedern des Syrian Heritage Archive Project Ende 2015 entwickelt worden. Im Rahmen des Multaka-Projekts wurden 24 syrische und irakische Geflüchtete zu Museums-Guides fortgebildet, damit diese Museumsführungen wiederum für arabisch-sprachige Geflüchtete in ihrer Muttersprache anbieten können. Seit August 2018 führen die Guides auch in deutscher und englischer Sprache Besucher durch das Museum für Islamische Kunst, das Vorderasiatische Museum, das Bode-Museum und das Deutsche Historische Museum. „Multaka“ (arabisch: Treffpunkt) steht dabei auch für den Austausch verschiedener kultureller und historischer Erfahrungen. Durch die Darstellung von Gemeinsamkeiten und die Eingliederung in einen größeren kulturellen und historischen, epochenübergreifenden Zusammenhang haben Museen die Möglichkeit als Verbindungsglied zwischen den Herkunftsländern der Geflüchteten und den Gast- bzw. neuen Heimatländern zu funktionieren und einen Bedeutungskontext für ihr Leben hier zu kreieren. Durch niedrigschwellige Ansprache und Peer-to-Peer-Kommunikation erhofft das Projekt „Multaka: Treffpunkt Museum“ Geflüchteten den Zugang zum Museum zu erleichtern und ihnen zu helfen, soziale und kulturelle Anknüpfungspunkte zu finden, sowie ihre Partizipation im öffentlichen Raum zu erhöhen.

Projektwebsite
Website

Projektleitung: Salma Jreige, Hussam Zahim Mohammed, Cornelia Weber
Kooperationspartner: Museum für Islamische Kunst, Vorderasiatisches Museum, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst und das Referat Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin, Deutsches Historisches Museum und dessen Abteilung für Bildung und Kommunikation
Projektförderung: Alwaleed Philanthropies, Freunde des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e.V.
Laufzeit: seit November 2015

Built Heritage Documentation – Schadenskartierung

Dieses Teilprojekt ist entstanden aus der Arbeit des Syrian Heritage Archive Project und wurde zu einer zweiten Schiene der Archivarbeit. Die Damage Assessment Datenbank erweitert die historischen Daten um Informationen zu den aktuellen Kriegszerstörungen am baulich-archäologischen Kulturerbe Syriens. Erfasst werden u.a. Daten zur Verwaltung, Historie und Lage von Gebäuden mit regelmäßig aktualisierten Bild-, Ton- und Filmaufnahmen. Das Team ergänzt diese Daten mit detaillierten Zustandsbewertungen und einer jeweiligen Einschätzung zur Dringlichkeit zur Sicherung der Gebäude. Die Schadenskartierung basiert auf UNESCO-Fragebögen zur dringlichen Schadensabschätzung (Rapid Assessment) und dem europäischen Standard EN 16096 zur Zustandserhebung von gebautem Kulturerbe – und damit auf dem Erfahrungswissen der Denkmalpflege. Ziel ist es Detailwissen für die Wiederaufbauplanung bereitzustellen.

Projektleitung: Issam Ballouz
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Rami Alafandi, Eva Al-Habib Nmeir, Alaa Haddad
Kooperationspartner: Museum für Islamische Kunst Berlin, Deutsches Archäologisches Institut
Träger: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Deutsches Archäologisches Institut
Förderer: Gerda Henkel Stiftung
Laufzeit: seit Juli 2017

Crossroads Aleppo – Dokumentation der Baudenkmäler Aleppos

Da Aleppos Altstadt mit seinen zahllosen Moscheen, Medressen, Kirchen, Bazaren, Karawansereien Stadttoren und der Zitadelle besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde, liegt hier ein Schwerpunkt der Zustandsdokumentation. Angesichts des Umfangs dieser Aufgabe fördert die Gerda Henkel Stiftung seit 2017 ein Teilprojekt, das die Zerstörung der Baudenkmäler in der Altstadt von Aleppo dokumentiert und ihre Strukturen katalogisiert. Jeder Eintrag des Katalogs konzentriert sich auf ein Gebäude in der Altstadt von Aleppo anhand der folgenden Elemente:

1.    Fotos, die die Baudenkmäler vor 2011 zeigen, basierend auf der digitalen Datenbank des Syrian Heritage Archive Project
2.    Berichte und Materialien zur Schadensbewertung aus dem Teilprojekt Built Heritage Documentation (ebenfalls finanziert von der Gerda Henkel Stiftung)
3.    Kunst- und Architekturgeschichte der Gebäude, verfasst von aleppiner und internationalen Kunsthistorikern
4.    Sozialgeschichtlicher / Stadtgeschichtlicher Hintergrund
5.    Erinnerungen der Aleppiner Bevölkerung in Bezug auf diese Gebäude und ihre Umgebung in Form von Texten, Sprachaufnahmen und Filmen
6.    detaillierte Dokumente, Zeichnungen und Pläne der Gebäude

Projektziel ist es zum einen, mit Aleppinern und Syrern ins Gespräch über ihr kulturelles Erbe zu kommen – unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit oder ihrem wirtschaftlichen und sozialen Status – und zum anderen eine Diskussion zu starten zwischen den Einwohnern von Aleppo, Interessengruppen und Experten. Daher werden alle Gruppen eingeladen, ihre persönlichen Erinnerungen zu teilen und das immaterielle Erbe dieser Stadt zu dokumentieren, die für ihr legendäres Essen und ihr kohärentes sozio-ökonomisches Gefüge bekannt war.

Das Projektinteresse erstreckt sich außerdem auch darauf, die nationalen und internationalen Medien für die Bedeutung dieser Denkmäler zu sensibilisieren. In Zusammenarbeit mit der UNESCO werden die Materialien für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt.

Der Katalog wird auf der wissenschaftlichen Plattform L.I.S.A. der Gerda Henkel Stiftung veröffentlicht. Die Kurzfilme werden auch in sozialen Medien bereitgestellt.

Projektleitung: Zoya Masoud 
Mitarbeiterinnen: Rami Alafandi, Eva Maria Al Habib Nmeir, Dr. Stefan Knost, Prof. Dr. Annalinda Neglia
Träger: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Deutsches Archäologisches Institut 
Förderer: Gerda Henkel Stiftung
Laufzeit: seit Juli 2017

Interactive Heritage Map

Aufbauend auf dem Syrian Heritage Archive Project und dessen Datenbank wird eine interaktive Kulturerbekarte erstellt. Die Informationen der Datenbank werden hier um lokales Wissen zu immateriellem Kulturerbe erweitert. Persönliche Geschichten schaffen direkte Beziehungen zwischen Nutzergemeinschaft und archiviertem Material. Ermöglicht durch die Förderung der Andrew W. Mellon Foundation kann so die Archivarbeit zur partizipativen Landkarte ausgebaut werden. Menschen aus Syrien können ihr Wissen und den eigenen Erfahrungsschatz in der Kulturerbekarte verankern.

Projektleitung: Rasha Kanjarawi
Mitarbeiter: Alaa Alkasir, Kenan Melhem
Träger: Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Förderer: The Andrew W. Mellon Foundation
Laufzeit: seit Juli 2018