Indische Alben der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zwischen Tradition und Dokumentation: Die Polier- und Swinton-Alben in den Staatlichen Museen zu Berlin

Seit 1882 befinden sich zwanzig indische Alben aus dem 18. Jahrhundert im Besitz der Berliner Museen, in denen Auswahl und Anordnung von Kalligraphien und Miniaturen zum einen an die persisch-moghulindische Tradition anschließen und zum anderen individuelle Wünsche europäischer Sammler reflektieren. Das Projekt untersucht Motivtransformationen, Exotisierungen und proto-ethnographische Dokumentation in diesen als Gesamtkunstwerke verstandenen Alben im Kontext der Aktivitäten und Interessen von zwei Offizieren der Britischen Ostindien-Kompagnie, die bis zu ihrer Rückkehr nach Europa viele Jahre in Indien „integriert“ lebten.

Insgesamt liegen heute ca. 150 teils intakte, teils nur in Form von Einzelblättern erhaltene indische Alben in europäischen Sammlungen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für Europäer von freischaffenden, aber zumeist noch am Moghulhof ausgebildeten Künstlern hergestellt wurden. Auftraggeber und Sammler sind meistens anhand von direkten Provenienzen, kennerschaftlichen Einträgen, Siegeln, Rahmendekorationen und Motivvorlieben identifizierbar. Dagegen sind nur etwa zwanzig Alben aus dieser Zeit „zwischen den Imperien“ noch auf eine direkte Patronage der imperialen und provinziellen Moghulhöfe in Nordindien zurückführbar.

Der Schweizer Antoine-Louis Henri Polier (1741-1795) und der Schotte Archibald Swinton (1731-1804) waren die Besitzer der Berliner Alben. Sie kamen als junge Männer nach Indien, um die Briten an ihren Handelsstützpunkten militärisch zu unterstützen. Ihre kulturelle Assimilation und fließenden Persischkenntnisse ermöglichten es ihnen mit den einheimischen Eliten im Moghulreich verkehren.

Projektleitung: Dr. Friederike Weis
Projektmitarbeiterin: studentische Hilfskraft N.N.
Projektförderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Projektnr. 416816602
Projektkooperation: Museum für Islamische Kunst, Prof. Dr. Stefan Weber
Laufzeit: 2019 bis 2022