Marjetica Potrč lebt als Künstlerin und Architektin in Ljubljana und Berlin. Ihr künstlerisches Schaffen umfasst Zeichnungen, architektonische Fallstudien und Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Ihre Arbeiten wurden vielfach in bedeutenden Ausstellungen vor allem in Europa und Nord- und Südamerika gezeigt, unter anderem auf der Biennale in Venedig, der Biennale von São Paulo und der Skulptur Projekte Münster. Seit 2011 leitet sie die Klasse für soziale Praxis „Design der Lebenswelten“ an der Hochschule für bildende Künste/HFBK in Hamburg. Potrč und ihre Studierenden arbeiten gemeinschaftlich an standortspezifischen und partizipativen Projekten an verschiedenen Orten der Welt, wie Soweto in Südafrika und Mexico Stadt.

Für VOLKSWAGEN ART 4 ALL führt Marjetica Potrč gemeinsam ein Gespräch mit den Gründern von Ooze Architects Eva Pfannes & Sylvain Hartenberg, mit denen sie seit über zehn Jahren an Projekten arbeitet. Ooze ist ein internationales, in Rotterdam ansässiges Designstudio, das in den Bereichen Kunst, Architektur und Stadtplanung tätig ist. Ihre Arbeit untersucht, wie unser Leben und unsere Städte mehr im Gleichklang mit der Natur gestaltet werden können. Ooze entwickeln ihre Projekte mittels gemeinschaftlicher Prozesse und verorten sie in einem gesellschaftlichen, kulturellen und räumlichen Kontext. Neben anderen Projekten arbeiten sie derzeit an zirkulärer Wasserversorgung in Rio de Janeiro und werden mit Marjetica Potrč über ihr gemeinsames Interesse an der Erforschung ‚informeller Städte‘ diskutieren.

Marjetica Potrč, Caracas: Growing Houses, 2012
Materialien, Energie, Kommunikationstechnik und Wasserversorgungsinfrastruktur, 2012
Sammlung Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
„Caracas: Growing Houses“ ist eine architektonische Fallstudie zweier Gebäude der sogenannten ‚informellen Stadt‘ von Caracas. Die Installation zeigt das Aufeinandertreffen und Aushandeln von rohen Baumaterialen und der Infrastruktur aus Kommunikationstechnik, Energie- und Wasserversorgung. Im Gegensatz zur städtischen Kultur der modernistischen ‚formellen Stadt‘ von Caracas verkörpert die ‚informelle Stadt‘ eine eher ländliche Kultur, die aus kleinen, selbsterrichteten Vierteln und dorfähnlichen Gemeinschaften besteht. Hier hat der gemeinsame vor dem öffentlichen Raum Vorrang und mündliche Bestimmungen, die in Diskussionen verhandelt werden, sind von größerer Bedeutung als schriftliche Verordnungen. Die ländliche Kultur der Armenviertel, der Barrios von Caracas hat sich gegenüber Veränderungen, die von außen und insbesondere von der benachbarten städtischen Kultur herangetragenen werden als resistent erwiesen. Die Bewohner der Barrios leben lieber in einer Stadt aus Gemeinschaften als in einer modernistischen Stadt des Individualismus. Die ‚informelle Stadt‘ ist heute weltweit eine der zwei am schnellsten wachsenden Form von Wohnraumgestaltung in Großstädten (die andere ist die geschlossenen Wohnanlage, die sogenannte ‚gated community‘).
 

Marjetica Potrč im Gespräch mit Ooze architects Rotterdam (Eva Pfannes & Sylvain Hartenberg)
(in englischer Sprache)

Künstlergespräch

Termin: Do 05.04.2018 18:00 Uhr
Ort: Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Kosten: kostenfrei Anmeldung: nicht erforderlich
Ausstellung: Hello World. Revision einer Sammlung
Sammlung: Nationalgalerie

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