Sonderausstellung im Sommer 2020: Restaurierungsprojekt Bastianino „Lebendes Kreuz von Ferrara"

13.11.2019
Gemäldegalerie

Ein Projekt der Staatlichen Museen zu Berlin und der Humboldt Universität zu Berlin, gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung: Das knapp drei Meter hohe Altarbild „Lebendes Kreuz von Ferrara” von Sebastiano Filippi, gen. Bastianino wird als Dauerleihgabe der Humboldt Universität zu Berlin an die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin derzeit mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung in der Restaurierungsabteilung der Gemäldegalerie umfassend untersucht und restauriert. Nach über 100 Jahren Lagerung kann es damit im Rahmen einer Sonderausstellung ab Sommer 2020 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Das Werk

Das Altarbild wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von dem Spätmanieristen Sebastiano Filippi, gen. Bastianino (ca. 1532–1602) für die Konventskirche Santa Catarina Martire in Ferrara geschaffen. Nach der Auflösung des Klosters Ende des 18. Jahrhunderts widerfuhr dem Werk ein wechselvolles Schicksal, noch 1985 galt es als verschollen. Die ikonografisch spannende und eher seltene Darstellung des Kreuzes mit Armen an seinen Balkenenden zeigt eine Allegorie des Alten und Neuen Testaments mit vielen begleitenden Szenen. Das Gemälde nimmt die Darstellung eines wandfüllenden Freskos von Garofalo „Il Nuovo e il Vecchio Testamento”, heute in der Pinacoteca Nazionale Ferrara, auf. Heute dürfte es das bislang einzige Werk Filippis sein, welches sich in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland befindet.

Objektgeschichte und Erhaltungszustand

1912 schenkten die Nachfahren des Hamburger Konsuls Eduard Friedrich Weber das Gemälde der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität zu Berlin). Das Bild lagerte über die Kriegsjahre im Berliner Dom. Durch die dort ungünstigen klimatischen Bedingungen schrumpfte die Pappelholztafel und bildete Risse. Gleichzeitig kam es zu starken Malschichtlockerungen und erheblichen Verlusten der Malerei. Viele feinteilige Fehlstellen, ältere großflächige Übermalungen, vergilbte Firnisse und Rückstände früherer Festigungen beeinträchtigten die Gesamtwirkung des Kunstwerkes erheblich. Das Gemälde befindet sich seit 2015 als Dauerleihgabe in der Gemäldegalerie.

Konservierungs- und Restaurierungsprojekt

Das durch die Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglichte Konservierungs- und Restaurierungsprogramm konnte im Dezember 2018 mit der kunsttechnologischen Untersuchung und Sicherung der Tafel begonnen werden. Die Anfertigung von Röntgen- und UV-Aufnahmen halfen, den Zustand des Bildes und die Arbeitsweise des Künstlers zu erfassen. Pigmentanalysen in Zusammenarbeit mit dem Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin konnten die Verwendung einer reichen Palette nachweisen; für die große blaue Himmelspartie setzte der Maler das teuerste aller Pigmente, Ultramarin von Lapislazuli, ein.

Während der umfangreichen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden die stark vergilbten Firnisschichten, farbveränderte Retuschen, große Übermalungen sowie grobe Kittungen aus früheren Restaurierungsphasen abgenommen. Zudem mussten die langen Risse des hölzernen Bildträgers aufwendig verleimt werden, bevor die Fehlstellen des Gemäldes neu gekittet und zurückhaltend retuschiert werden konnten. Die Retusche ist im derzeitigen Stand zu Dreiviertel abgeschlossen. Mit einem schützenden neuen Firnisauftrag wird das Bild nach abgeschlossener Restaurierung in einem neu angefertigten Schmuckrahmen präsentiert werden.

Sonderausstellung im Sommer 2020

Das „Lebende Kreuz von Ferrara“, seine Restaurierung sowie seine Bedeutung im historischen wie kunsthistorischen Kontext sollen voraussichtlich von Juni bis Oktober 2020 im Mittelpunkt einer fokussierten Sonderpräsentation in der Gemäldegalerie stehen.