Jan van Eycks Portrait des „Baudouin de Lannoy“, um 1438/40

Das kleine Tafelbild mit dem Brustbild eines hageren Mannes mittleren Alters mit strengem Gesichtsausdruck und halb geschlossenen Augen gehört zu dem herausragenden Bestand an Gemälden von Jan van Eyck (1390/1440-1441) in der Gemäldegalerie. Baudouin de Lannoy war Ratgeber und Kammerherr Philipp des Guten, des Herzogs von Burgund, und kannte also van Eyck als dessen Hofmaler. Seine Kleidung aus bräunlich-purpurfarbenem Goldsamt, der große Pelzhut und die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies zeigen seinen hohen gesellschaftlichen Status, den er am Hofe des Herzogs innehatte.

Objektgeschichte und Erhaltungszustand

Das Gemälde ist seit 1902 im Besitz der Gemäldegalerie. Die Rückseite des auf Eichenholz gemalten Portraits zeigt nur wenige Reste einer steinimitierenden Malerei, wie sie häufig auf Portraits des 15. Jahrhunderts zu finden ist. Der originale, ursprünglich fest mit der Tafel verbundene Rahmen ist heute verloren.

Im relativ kleinen Œuvre des Jan van Eyck existieren mehrere stark individualisierte, kleinformatige Portraits. Seine Malerei zeichnet sich durch eine ausgesprochen feinteilige, differenzierte Malweise und besonders subtile Darstellung von Oberflächen aus. Diese beeindruckenden Details sind im derzeitigen Zustand des Berliner Gemäldes nicht mehr wahrnehmbar, denn ein dicker, trüber Firnis überdeckt die Malerei. Der fast komplett übermalte schwarze Hintergrund weist eine Vielzahl feinteiliger Fehlstellen auf. Erstaunlicherweise zeigt sich die Malerei innerhalb der Figur davon praktisch unberührt.

Konservierungs- und Restaurierungsprojekt

Für die Ausstellung „Van Eyck. An Optical Revolution“, die vom 1. Februar bis 30. April 2020 im Museum voor Schone Kunsten in Gent zu sehen sein wird, kann das Gemälde nun mit großzügiger Unterstützung aus dem Ausstellungsetat restauriert werden.

Nachdem das Gemälde bereits in den vergangenen Jahren intensiv kunsttechnologisch erforscht wurde, steht momentan die Erfassung und Dokumentation des Zustands und aller späteren Veränderungen im Vordergrund. Hierbei werden die Bestandteile des Gemäldes, einschließlich Holztafel, Grundierung, Farb- und Zwischenschichten, sowie sämtliche aufliegenden Firnisschichten, Übermalungen und Retuschen untersucht. Querschliffe von Malschichtproben geben Aufschluss über die Anzahl und den Zustand der einzelnen Schichten: Über der Malerei liegen mindestens fünf nicht originale, ursprünglich transparente Firnisschichten, die inzwischen durch Alterung vergilbt und trüb geworden sind. Retuschen und Übermalungen aus mindestens drei verschiedenen Restaurierungsphasen lassen sich differenzieren.

Mit Hilfe von Lösemitteln und Gelen lassen sich die aufliegenden, nicht originalen Schichten schrittweise unter dem Mikroskop abtragen - eine schwierige, zeitintensive Arbeit. Anschließend werden feinteilige Fehlstellen im Bild retuschiert und ein neuer, schützender Firnis dünn aufgetragen.

Das Gemälde wird mit all seinen faszinierenden Details voraussichtlich ab Mai 2020 wieder in der Gemäldegalerie zu sehen sein.

Kooperationspartner: Museum voor Schone Kunsten Gent, Belgien
Laufzeit: Juni 2019 bis Januar 2020
Förderung: Museum voor Schone Kunsten Gent, Belgien
Ansprechpartnerinnen: Babette Hartwieg, Leitung Kunsttechnologie und Restaurierung und Sandra Stelzig, ausführende Diplom Restauratorin, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin