Handel und Perlentausch

21.01.2020 bis 19.04.2020
Bode-Museum

Inmitten des größeren Themenzusammenhangs im ersten Ausstellungsraum des Münzkabinetts, in dem ein Eindruck von der Vielfalt und Verwendung des Münzgeldes als Zahlungs-, Kommunikations- und Repräsentationsmittel geboten wird, findet eine Ausstellungsintervention mit Objekten des Ethnologischen Museums zur Bedeutung von Glasperlen als kultur- und epochenübergreifende Tauschobjekte statt. 

Zur Bedeutung der Glasperlen als Kulturgut und Tauschobjekt

Zahlreiche Beispiele aus den Sammlungen des Ethnologischen Museums zeugen von der weltweiten Verwendung von Glasperlen, die im Tausch auf mehreren  Kontinenten zirkulierten. Aus Glasperlen gefertigte Schmuck- und Kleidungsstücke aus Afrika, Zentral- und Südostasien, Ozeanien, Nord- und Südamerika gelangten in die Sammlungen des Ethnologischen Museums. Umgekehrt belegen die historischen Berichte und Sammlungsakten, dass so manches Objekt im Tausch gegen Glasperlen seinen Weg in die Berliner Sammlungen fand. Bis in die Gegenwart lässt sich diese Doppelfunktion von Perlen und Perlenobjekten verfolgen: Als Material regional spezifischer Handwerkstraditionen und zugleich als alternative Währung in der Zirkulation und Kommunikation zwischen den Kontinenten. Viele Glasperlen stammten aus den Produktionsstätten im Gebiet der Stadt Jablonec (ehemals Gablonz), Tschechien wo sie bereits im 19. Jahrhundert in großen Mengen für den Export produziert wurden. Über Handelshäuser und, in geringerem Umfang, über Sammler von Ethnographica gelangten sie bspw. nach Afrika oder Nord- und Südamerika und ersetzten an vielen Orten andere Materialien.

Für die indigene Gruppe der Ye’kwana im Grenzgebiet von Venezuela und Brasilien spielen die Perlen bis heute eine wichtige Rolle im Kunsthandwerk und sind Ausdruck indigener Identität. Zugleich werden die Perlen zu Handelswaren verarbeitet. Trotz konkurrierender, weitaus günstigerer Produkte  greifen die Ye’kwana dabei auf jene Perlen zurück, die aus den traditionsreichen Betrieben aus der Region Jablonec stammen. Dass dies auch für andere Gruppen dieser und anderer Regionen der Welt gilt, lässt sich leicht an den weit verzweigten Handelsnetzen von Firmen wie der in Jablonec ansässigen Firma Preciosa nachvollziehen. Die unverarbeiteten Perlen wie auch die handgefertigten Schmuckstücke werden als Handelsgut und alternative Währung verwendet.

Eine Präsentation aus zwei Perspektiven

Anhand von einigen Objektbeispielen und einer Videoinstallation wird sowohl die historische, als auch die aktuelle Bedeutung von Perlen als Tauschobjekt und Kulturgut bei den Ye‘kwana veranschaulicht. Ähnlich zweier Seiten einer Medaille werden historische Beispiele aus der Sammlung des Ethnologischen Museums sowie zeitgenössische, speziell für die Ausstellung angefertigte Beispiele aus Brasilien präsentiert. Zu Wort kommen dabei zum einen der Sammler Theodor Koch-Grünberg (1872-1924), der 1912 das Gebiet der Ye’kwana bereiste und der den Tausch von Objekten gegen Perlen dokumentierte, zum anderen Vertreter der Ye’kwana, die Objekte aus Glasperlen heute noch herstellen und mit diesen handeln.

Perlen zum Mitnehmen – Den Handelskreislauf schließen

Historisch wie gegenwärtig sind Glasperlen Bestandteil eines Handelsnetzes, in dem die Identifikation mit eigenen Kulturgütern Hand in Hand geht mit der Verbreitung und Vermarktung dieser Tradition. In der Ausstellungsintervention werden nicht nur die Handelsgeschichten rund um diese Tradition erzählt, begleitend bieten die Ye’kwana aus Brasilien auch von ihnen gefertigte Originalstücke im Museumsshop zum Kauf an.

Die Präsentation wird von Andrea Scholz (Ethnologisches Museum), Christian Stoess (Münzkabinett) und Catalina Heroven (Generaldirektion) in Zusammenarbeit mit Vertretern der Ye’kwana sowie im Rahmen des von Andrea Scholz initiierten und koordinierten Kooperationsprojektes „Geteiltes Wissen“ entwickelt.

Begleitend hierzu gibt es im Rahmen der Reihe „Globale Sammlungsperspektiven“ eine Veranstaltung in Form eines Vortrags oder eines Gesprächsabends im Auditorium der James-Simon-Galerie.

Eine Ausstellung im Rahmen der Aktion „Auf dem Weg zum Humboldt Forum".

Besuchereingang

Am Kupfergraben, Eingang über die Monbijoubrücke
10117 Berlin

vollständig rollstuhlgeeignet

U-Bahn U6 (Friedrichstraße)
S-Bahn S1, S2, S25, S26 (Friedrichstraße); S3, S5, S7, S9 (Hackescher Markt)
Tram M1, 12 (Am Kupfergraben); M4, M5, M6 (Hackescher Markt)
Bus TXL (Staatsoper); 100, 200 (Lustgarten); 147 (Friedrichstraße)

Klimafreundliche Anreise
Nahverkehr
Fernverkehr

So 10:00 - 18:00
Mo geschlossen
Di 10:00 - 18:00
Mi 10:00 - 18:00
Do 10:00 - 20:00
Fr 10:00 - 18:00
Sa 10:00 - 18:00

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Besuch planen

Bode-Museum
10,00 EUR ermäßigt 5,00
Ticket kaufen

Jahreskarte Staatliche Museen zu Berlin
Ab 25,00 EUR

Weitere Informationen

Tel 030 - 266 42 42 42 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)
Fragen | Buchung | Feedback